Industrie
Stahlrohre: Mubea breitet sich in der Ostschweiz aus

Mit der Übernahme der Stahlrohrsparte der Oberrieter Jansen AG gewinnt der deutsche Autozulieferer Mubea einen zweiten Standort in der Region Bodensee-Rheintal nach jenem in Arbon. Was die Transaktion für die Zukunft bedeutet, ist noch weitgehend unklar. Sicher aber ist: Es gibt erhebliche Überschneidungen.

Thomas Griesser Kym
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Stahlrohre, wie sie im Werk Arbon von Mubea hergestellt werden.

Stahlrohre, wie sie im Werk Arbon von Mubea hergestellt werden.

Bild: Susann Basler

Mit der geplanten Übernahme des Stahlrohrgeschäfts der Rheintaler Jansen AG verdoppelt der deutsche Autozulieferer Mubea die Zahl seiner Schweizer Standorte auf zwei. Zum einen fertigt Mubea bereits Präzisionsstahlrohre in Arbon, zum anderen übernimmt er dieses Geschäft von Jansen an deren Hauptsitz in Oberriet. Darüber hinaus erwirbt Mubea die Jansen GmbH im deutschen Dingelstädt mit 200 Beschäftigten.

In Oberriet betrifft die Transaktion, deren Vollzug zum 1. April 2021 vorgesehen ist, 250 Mitarbeitende. Am Standort Arbon hat Mubea rund 300 Angestellte. Was der Zukauf für die beiden Standorte bedeutet, ob es Veränderungen gibt und wenn ja welche, darüber sagt Mubea noch nichts.

Geografisch nicht viel weiter auseinander als ein Katzensprung

Über die Zukunft könne man erst öffentlich sprechen, wenn die Wettbewerbsbehörden der Transaktion zugestimmt haben. Der Entscheid dürfte voraussichtlich Ende Februar fallen, sagt Christian Carius, Leiter Unternehmensentwicklung bei Mubea und früherer Minister in Thüringen.

Fakt ist einmal: Die Standorte Arbon und Oberriet liegen keine 50 Kilometer auseinander und sind über die A1 und A13 verkehrstechnisch gut miteinander verbunden. Zweitens überschneiden sich die Sortimente der beiden Firmen. Hauptgeschäft sind Präzisionsstahlrohre für die Autoindustrie. Und gerade dieses Segment leidet unter den Folgen der Coronapandemie besonders.

Der Markenname Jansen für die Rohre bleibt – vorläufig

Aber beide Unternehmen haben beispielsweise auch Rohre für Hubsäulen für Büromöbel im Programm. Weitere Anwendungsgebiete der Rohre sind Heizkörper, Textilmaschinen, Antriebe oder Hydraulikleitungen. Jansen teilt mit, für ihre Stahlrohre werde Mubea «weiterhin den Markennamen Jansen nutzen». Mubea präzisiert: «Für die nächsten Jahre.»

Im Thurgau ist Mubea seit Mitte 2013 präsent. Damals kaufte der deutsche Autozulieferer der AFG Arbonia-Forster-Gruppe (heute Arbonia) deren Geschäftseinheit Forster-Präzisionsstahlrohre mit damals 189 Mitarbeitenden in Arbon ab und firmierte sie in Mubea Präzisionsstahlrohr AG um.

Wachstumspläne im Ausland

Der Umsatz der Mubea Präzisionsstahlrohr AG liegt laut Website bei 100 Millionen Euro. Die Jansen-Stahlrohrsparte, die jetzt übernommen werden soll, kommt auf Verkäufe über 150 Millionen Franken. Zusammen werden 750 Mitarbeitende beschäftigt.

Allerdings soll es dabei nicht bleiben. Mubea baut im tschechischen Prostejov ein neues Rohrwerk auf, und «mittelfristig sind zusätzliche Fertigungsstandorte in Nordamerika und Asien geplant». Im Jahr 2019 hat Mubea in Arbon eine voll vermietete Gewerbeliegenschaft an den Immobilienfonds Helvetica verkauft.