INDUSTRIE
Aufschwung der Weltmärkte erfasst Ostschweizer Unternehmen

Die weltweite Erholung nach der Coronakrise hat bereits die meisten Industrien erfasst. Davon profitieren auch die Konzerne Starrag, Autoneum und Inficon. Sie präsentieren positive Halbjahresergebnisse.

Kaspar Enz
Drucken
Teilen
Hauptsitz der Starrag in Rorschacherberg.

Hauptsitz der Starrag in Rorschacherberg.

Bild: PD

Etwas hat sich im Laufe des letzten Jahres nicht geändert: Die Konferenzen, an denen die börsenkotierten Ostschweizer Unternehmen ihre Halbjahresergebnisse verkünden, finden weiterhin virtuell statt. Doch die Stimmung ist dieses Jahr besser. Mitte 2020 klagten die Manager noch über Bestellungseinbrüche, zurückhaltende Kunden, Unsicherheit und Probleme in den Lieferketten. Auch dieses Jahr machen die Lieferketten zwar Sorgen. Aber sie sind nun das Resultat der hohen Nachfrage und der regelrechten Aufholjagd, die Teile der Weltwirtschaft erfasst haben.

Das zeigte auch der jüngste Bericht der eidgenössischen Zollverwaltung. «Exporte erreichen neuen Höchststand», meldete sie.

Luftfahrtindustrie leidet weiter

Die Aufholjagd hat aber noch nicht alle Branchen erfasst. «Die Luftfahrtindustrie ist weiterhin von Covid-19 beeinträchtigt», sagte Christian Walti, CEO der Starrag Group, an der Ergebnispräsentation. Die spärlichen Bestellungseingänge aus der Luftfahrt beeinträchtigen denn auch das Ergebnis des Konzerns in Nordamerika.

Ansonsten spürt auch der Rorschacherberger Werkzeugmaschinenbauer den Aufschwung: Deutlich mehr Aufträge kamen aus allen anderen belieferten Industrien. Namentlich im Bereich Energie legte Starrag dank mehrerer grösserer Windkraftprojekte zu. Im Vergleich zur Vorjahresperiode nahmen die Aufträge in den ersten sechs Monaten um 69 Prozent zu. Am wichtigsten war für Starrag der europäische Markt.

Starrag fliegen die Aufträge zu

in Mio. Franken 1.HJ 2020 1. HJ 2021 Veränderung (%)
Auftragseingang 88,8 149,8 68,7
Umsatz 155,4 139,3 –10,3
Betriebsergebnis 0,6 0,8 33
Beschäftigte (Vollzeit) 1455 1327 –8,8

Für die nächsten Monate ist die Starrag damit gut ausgelastet. Doch die Umsätze des ersten Halbjahres waren noch stark von der schlechten Auftragslage des letzten Jahres geprägt: Der Umsatz sank um zehn Prozent auf 139 Millionen Franken. Dass das Betriebsergebnis mit 0,8 Millionen doch verbessert wurde, hat auch mit dem Sparprogramm zu tun, das Starrag weiterführt.

Nachdem bereits 2019 am Standort Mönchengladbach Stellen abgebaut wurden, wird dort nun weiter abgebaut. Die Produktion wird eingestellt. Das Kompetenzzentrum für die Entwicklung von Maschinen für die Luftfahrtindustrie wird nach Rorschacherberg verlegt.

Autoindustrie erholt sich

Erholt hat sich in den letzten Monaten auch die Autoindustrie. Das zeigten schon die Ergebnisse von Georg Fischer (GF) und SFS. Im Vergleich zur Vorjahresperiode wurden in diesen sechs Monaten 29,2 Prozent mehr Fahrzeuge produziert. Für den Winterthurer Autozulieferer Autoneum, dessen einziger Schweizer Produktionsstandort in Sevelen steht, resultierte ein Umsatzwachstum von knapp 22 Prozent in Schweizer Franken auf 890,3 Millionen.

Besonders stark zugelegt hatte der Umsatz in Europa. Hier erzielte Autoneum einen Umsatz von 354,8 Millionen Franken, knapp 30 Prozent über dem Ergebnis der Vorjahresperiode. Ebenfalls gut entwickelte sich der asiatische Markt. Hier stieg der Umsatz um 26,8 Prozent auf 134,1 Millionen, vor allem weil deutsche und japanische Hersteller ihre Produktion deutlich ausweiteten. Der Mangel an Halbleitern dämpfte aber überall das Wachstum. Das traf Autoneum vor allem in Nordamerika. Die US-Autohersteller nutzen die Akustik- und Hitzeschutz-Komponenten von Autoneum vorwiegend in PKW und kleineren SUV. «Diese Modelle waren überproportional vom Halbleitermangel betroffen», teilt Autoneum mit. Deshalb sei der Konzern in der Region hinter dem Marktwachstum zurückgeblieben.

Autoneum profitiert von Erholung

In Mio. CHF 1.HJ 2020 1.HJ 2021 Veränderung (%)
Umsatz 730,6 890,3 21,9
Betriebsergebnis –31,8 44,7
Beschäftigte (Vollzeit) 12 479 12 093 –3,1

Trotz höherer Materialkosten konnte Autoneum das Betriebsergebnis (Ebit) um 76,5 Millionen auf 44,7 Millionen Franken steigern – letztes Jahr resultierte auf dieser Stufe ein Verlust. Dazu trug aber auch ein Sparprogramm bei.

Engpässe dämpfen den Optimismus

Die logistischen Engpässe auf den Weltmärkten belasten auch das Ergebnis der Bad Ragazer Inficon Holding, wie aus deren Halbjahresbericht hervorgeht. Dabei konnte sie ebenfalls von der grossen Nachfrage nach Chips profitieren: Das Geschäft mit Kunden in der Halbleiterindustrie legte auch im zweiten Quartal deutlich zu und machte deutlich über 50 Prozent des Umsatzes aus. Auch die Erholung in der Automobilindustrie brachte Inficon Mehrumsätze. Insgesamt wuchs der Umsatz der Inficon im ersten Halbjahr um 32 Prozent auf 249 Millionen Dollar. Der Betriebsgewinn lag mit 47,4 Millionen rund 17 Millionen dem Ergebnis der Vorjahresperiode.

Inficon wächst mit Halbleiterindustrie

In Mio. USD 1.HJ 2020 1.HJ 2021 Veränderung (%)
Umsatz 188,8 249 32
Forschungsausgaben 18,7 24,7 32
Betriebsgewinn 30 47,4 58

Die globalen Engpässe bei Rohstoffen und Logistik sowie die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie dämpfen zwar den Optimismus. Doch Inficon blickt, wie auch Starrag und Autoneum, positiv auf die nächsten Monate. «Weltweit sind mehr und mehr Leute geimpft», sagte Starrag-CEO Walti. «So gehen wir davon aus, dass die negativen Effekte der Pandemie langsam abflachen.»

Aktuelle Nachrichten