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Die Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie läuft auf Hochtouren

Die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM) läuft derzeit auf Hochtouren. Eine starke Zunahme des Bestellvolumens bringt Betriebe bereits wieder in Kapazitätsnöte.
Daniel Zulauf
Die Mem-Industrie profitiert insbesondere auch von der Abschwächung des Frankenkurses. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone (Birr, 22. August 2012))

Die Mem-Industrie profitiert insbesondere auch von der Abschwächung des Frankenkurses. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone (Birr, 22. August 2012))

Ein gutes Jahr Aufschwung hat gereicht, und die vom starken Franken gebeutelte Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie steckt bereits wieder in einem Kapazitätsengpass. Ende Juni betrug die durchschnittliche Auslastung der Firmen wieder hohe 91,9 Prozent, wie gestern an der Halbjahreskonferenz des Branchenverbandes Swissmem in Zürich zu erfahren war. Der zehnjährige Durchschnittswert steht bei 86,4 Prozent. Die Mem-Industrie beschäftigt zurzeit insgesamt rund 325500 Personen in der ganzen Schweiz. Vor Jahresfrist waren es noch rund 8000 weniger gewesen.

Von den rund 20000 Arbeitsplätzen, die nach dem zweiten Frankenschock im Januar 2015 in der gesamten Schweizer Industrie verloren gegangen sind, haben die Mem-Betriebe einen Teil also wiederaufgebaut.

Tempoverlangsamung war nicht festzustellen

Hauptursächlich für das Comeback ist die steigende Nachfrage aus den europäischen Nachbarländern, wo 61 Prozent der Exporte im ersten Halbjahr im Wert von 35 Milliarden Franken hingegangen sind. Die Ausfuhren in die EU-Länder stiegen im Vorjahresvergleich um rund 9 Prozent. Auch die Lieferungen in die USA konnten die Mem-Betriebe in den ersten sechs Monaten um mehr als 7 Prozent zum Vorjahr steigern. Eher enttäuschend verliefen dagegen die Exporte nach Asien (+1,5 Prozent). Die im Vorjahresvergleich deutliche Abschwächung des Frankenkurses insbesondere zum Euro hat die Exportstatistik allerdings sehr günstig beeinflusst. Im Vergleich mit dem Vorjahressemester hat sich der Franken gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung nämlich um rund 8 Prozent abgeschwächt, womit das reale Wachstum der Güterausfuhren in die EU lediglich rund ein bis zwei Prozent betragen hat. Der schwächere Franken dürfte aber auch die Nachfrage stimuliert haben und der Industrie weiter Auftrieb geben.

Marktzugang wahren

Swissmem-Präsident Hans Hess rechnet für die in seinem Verband zusammengeschlossenen Unternehmen noch in den nächsten sechs bis zwölf Monaten mit einem guten Geschäftsgang. Gleichzeitig warnte er: «Mich beschäftigen derzeit vor allem vier Themen.» Hess nannte die Fair-Food- und die Ernährungs-Initiative, die Selbstbestimmungs-Initiative, das mögliche Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten sowie das Rahmenabkommen mit der EU. «Höchste Priorität hat weiterhin die Aufgabe, den ausgezeichneten Zugang zum europäischen Binnenmarkt zu bewahren.» Dieser sei mit gut 60 Prozent der Ausfuhren der wichtigste Absatzmarkt der Schweiz.

Tatsächlich läuft der Aufschwung der Industrie vorerst ungebremst weiter. Gemäss Swissmem-Statistik hat sich der Auftragseingang sowohl im ersten Halbjahr um fast ein Viertel erhöht. Eine Tempoverlangsamung im zweiten Quartal war nicht festzustellen. Während die Bestellungen aus dem Ausland im ersten Semester 2017 noch um 5,7 Prozent rückläufig waren, nahmen sie im Berichtshalbjahr um fast 29 Prozent zu. Auch die Inlandaufträge haben im Vorjahresvergleich deutlich angezogen.

Dass die Industrie mit dieser Entwicklung bereits wieder an ihre Kapazitätsgrenzen gelangt, darf eigentlich niemanden erstaunen. Investiert wurde in den vergangenen drei Jahren in der Mem-Industrie nämlich herzlich wenig. Selbst die Rationalisierungsinvestitionen, von denen man mit Blick auf das Wechselkurs- beziehungsweise Kostenproblem der hiesigen Export­firmen doch einige erwarten konnte, blieben nach den Erkenntnissen von Yngve Abrahamsen von der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich lange Zeit erstaunlich gering. Ein Grossteil der seit 2015 gemeldeten Ausrüstungsinvestitionen ging auf das Konto von Swiss und SBB, deren Anschaffungen von neuen Flugzeugen und Zugkomponenten im Ausland die Statistik stark beeinflusst haben.

Mit Währungskrise Lohnkürzungen begründet

Gespart haben viele Firmen nach dem Frankenschock auch bei den Löhnen. Von den 560 Swissmem-Firmen, die dem Gesamtarbeitsvertrag unterstehen, hatte nach dem 15. Januar 2015 nicht weniger als ein Fünftel (96 Firmen) unter Anrufung des Krisenartikels 57 die Arbeitszeiten während einer befristeten Zeit ohne Lohnausgleich verlängert. Sogar einige nicht GAV-unterstellte Firmen haben diese Massnahme benutzt, wozu das Einverständnis jedes einzelnen Mitarbeiters nötig war. Allein die Swissmem aus dem Kreis ihrer rund 500 nicht GAV-unterstellten Mitgliedsfirmen hat 31 entsprechende Anfragen erhalten. Sieben Firmen haben die Arbeitszeitverlängerung dann tatsächlich auch umgesetzt, vier sogar unbefristet. Inzwischen dürfte eine wachsende Zahl von Industriefirmen die Investitionen zur Erweiterung der Kapazitäten wieder hochfahren, glaubt Abrahamsen.

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