Industrie
Huber+Suhner hat den Cyberangriff überwunden – operativ hat der Technologiekonzern haarscharf das Minimalziel erreicht

«Einige Werktage» seien verloren gegangen. So lautet die Schadensbilanz des Kabel- und Steckerherstellers Huber+Suhner nach der Hackerattacke von Mitte Dezember 2020. Geschäftlich hat das Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte Boden gutgemacht.

Thomas Griesser Kym
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Huber+Suhner, hier die Produktion in Herisau, hat nach der Cyberattacke alle Kabel wieder eingesteckt.

Huber+Suhner, hier die Produktion in Herisau, hat nach der Cyberattacke alle Kabel wieder eingesteckt.

Bild: Ralph Ribi

Nach längerer Funkstille nach dem Cyberangriff von Mitte Dezember 2020 hat sich Huber+Suhner in dieser Angelegenheit wieder zu Wort gemeldet. Demnach ist es bis zum Jahreswechsel gelungen, «aus eigener Kraft wieder in den Normalbetrieb überzugehen».

Allerdings musste der Hersteller von Kabeln, Steckern und Antennen Einbussen in Kauf nehmen, wie er schreibt: So seien «für die Behebung der Folgen des Cyberangriffs einige Werktage verloren» gegangen.

Schrittweise wieder hochgefahren

Als Folge des Hackerattacke auf das IT-Netzwerk hatte Huber+Suhner sämtliche Systeme weltweit deaktiviert, um weiteren potenziellen Schaden abzuwenden. «Ab dem dritten Tag nach dem Angriff konnten die Produktionsstandorte weltweit schrittweise wieder anlaufen.» Parallel dazu habe Huber+Suhner sämtliche IT-Systeme gestaffelt wieder in Betrieb genommen.

Der Unterbruch der Produktion an den verschiedenen Standorten habe «vereinzelt zu einer Verzögerung der Auslieferung von Kundenaufträgen geführt», teilte Huber+Suhner damals mit. Zudem hätten die unbekannten Cyberkriminellen geltend gemacht, Daten gestohlen zu haben. Das Unternehmen nehme jedoch nicht an, dass es sich um kritische Daten handeln könnte. In jedem Fall werde man sich aber nicht erpressen lassen.

Huber+Suhner hat die Attacke betrieblich abgehakt

Auf einen Fragenkatalog zum Cyberangriff antwortet Huber+Suhner-Sprecher Patrick G. Köppe lediglich kurz und summarisch:

«Aus betrieblicher Sicht erachten wir die Cyberattacke als abgeschlossen.»

Das Unternehmen habe auch heute «keinerlei Anhaltspunkte, dass kritische Daten abhandengekommen wären». Und Köppe bittet «um Verständnis, dass die Ergebnisse aus den kriminaltechnischen Ermittlungen durch das Unternehmen nicht kommuniziert werden».

Die Rentabilität hat haarscharf das selbst gesteckte Minimum erreicht

Der Technologiekonzern der elektrischen und optischen Verbindungstechnik nennt auch erste Zahlen des Geschäftsjahrs 2020. Demnach hat das Unternehmen das Ergebnis im zweiten Semester deutlich verbessert. So sei es gelungen, die operative Marge nach 6,7 Prozent des Umsatzes im ersten Semester im ganzen Jahr gerade noch ans untere Ende des mittelfristigen Zielbands von 8 bis 10 Prozent zu hieven.

Da Huber+Suhner für ganz 2020 einen Umsatz von 738 Millionen Franken nennt, ein Minus von 11,2 Prozent, kommt das operative Ergebnis mit einer Marge von 8 Prozent bei knapp 60 Millionen Franken zu liegen. Zum Vergleich: 2019 hatte es 80,5 Millionen Franken betragen (Marge 9,7 Prozent).

Erholung im zweiten Semester

Immerhin hat sich die Lage im Jahresverlauf stabilisiert. So verzeichnete Huber+Suhner im zweiten Semester eine Erholung der Nachfrage im Kommunikationsmarkt (Rechenzentren und Zugangsnetze) und seitens der Autoindustrie (Elektrofahrzeuge).

Schwächer tendierten hingegen pandemiebedingt der Ausbau der Mobilfunknetze sowie die Inbetriebnahme neuen Rollmaterials im Bahnmarkt, was die Auftragsvergabe in der ganzen Lieferkette gedämpft habe. Huber+Suhner selber nennt für 2020 einen Auftragseingang von 748 Millionen Franken, 6,6 Prozent weniger als im Vorjahr.

Aktionäre müssen zu Hause bleiben

Wie schon zahlreiche andere Unternehmen angekündigt haben, wird auch Huber+Suhner die Generalversammlung 2021 am 31. März wegen Corona ohne physische Anwesenheit der Aktionäre durchführen. Die Stimmabgabe wird nur über den unabhängigen Stimmrechtsvertreter möglich sein.

Huber+Suhner hat weltweit 4700 Mitarbeitende, davon 1250 in der Schweiz. Diese verteilen sich auf Herisau (700 Beschäftigte) und Pfäffikon ZH (550 Angestellte).