INDUSTRIE-HOCHZEIT: AFG und Looser schliessen sich zu Arbonia zusammen

Grossübernahme in der Ostschweiz: Der Bauausrüster AFG kauft die Industriegruppe Looser und legt dafür eine halbe Milliarde Franken auf den Tisch. Aus dem Zusammenschluss soll ein führender europäischer Gebäudezulieferer entstehen. Stellen gehen praktisch keine verloren.

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Die AFG Arbonia-Forster schluckt die Looser Gruppe, die ebenfalls in Arbon beheimatet ist. (Bild: Keystone)

Die AFG Arbonia-Forster schluckt die Looser Gruppe, die ebenfalls in Arbon beheimatet ist. (Bild: Keystone)

Gemeinsam würde das neue Unternehmen im laufenden Jahr einen Umsatz von 1,3 Mrd. Fr. und einen Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) von etwa 110 Mio. Fr. erzielen. Bis 2018 soll der Umsatz dann auf 1,4 Mrd. Fr. und der EBITDA auf rund 150 Mio. Fr. steigen.

Damit sei man kein kleines Unternehmen mehr, sondern eine potente, führende europäische Gruppe, sagte Looser-Chef Rudolf Huber am Donnerstag auf einer Medien− und Analystenkonferenz in Zürich.
Looser alleine sei mit einem Umsatz von 436 Mio. Fr. und einem EBITDA von 64 Mio. Fr. eigentlich zu klein und habe sich deshalb die Frage nach der künftigen Strategie gestellt. Man habe zwei Optionen gehabt: Entweder alleine aus eigener Kraft und durch Zukäufe weiterzuwachsen. Oder eine Kombination mit einem anderen Unternehmen einzugehen.

AFG macht Avancen
Da sei im Frühling die Anfrage von AFG gekommen, ob man Gespräche aufnehmen könnte. In der vergangenen Nacht habe AFG dann die Aktienmehrheit von 53 Prozent an Looser den bisherigen Familienaktionären, Verwaltungsratsmitgliedern und der Geschäftsleitung abgekauft, sagte AFG-Chef Alexander von Witzleben.

Den übrigen Aktionären mache AFG nun ein freiwilliges Kauf− und Tauschangebot. Für eine Looser-Aktie bietet AFG 5,5 AFG-Aktien sowie 23 Franken in bar. Das Angebot ist 39 Prozent höher als der Schlusskurs vom Vortag. Mit dieser Offerte wird Looser mit 511 Mio. Fr. bewertet.

«Die Transaktion ist für alle die perfekte Lösung», sagte Huber: «Wir haben eine Schweizer Industrielösung.» Die Familien Looser und Stocker-Looser seien Industriellenfamilien, und auch der AFG-Grossaktionär Michael Pieper sei ein Industrieller und kein Finanzinvestor.

Diese Ankeraktionäre, die am neuen Konzern mit dem Namen Arbonia rund ein Drittel halten würden, wollten die Firma zu einem führenden europäischen Konzern der Bauzulieferindustrie weiterentwickeln, sagte Huber.

Türengeschäft im Fokus
Interessant an Looser sei vor allem das Türengeschäft, sagte von Witzleben. Denn AFG selber stelle Spezialtüren her, verkaufe diese aber praktisch nur in der Schweiz. Die Fabrik sei nagelneu, aber nur zur Hälfte ausgelastet. Da böten sich Chancen mit der Looser-Türensparte Prüm-Garant. Diese stelle Türen im unteren und mittleren Segment her und mache ihr Geschäft vor allem in Deutschland sowie in Polen.

Gemeinsam würde sich das Türensortiment nun ergänzen. Zudem könne man künftig AFG-Türen auch ins Ausland liefern und Looser-Türen auch in der Schweiz verkaufen. Daneben stellt AFG Fenster her, ist im Heizungsgeschäft sowie in der Klima− und Lüftungstechnik tätig. Dazu kommen Duschkabinen.

Looser seinerseits hat neben der Türensparte auch die Division Condecta. Diese verkauft und vermietet hauptsächlich in der Schweiz Kräne, Bau− und Bürocontainer sowie Toilettenkabinen. Für die Beschichtungssparte solle noch bis Ende Jahr ein Käufer gefunden werden, sagte Huber.

Kaum Stellenabbau
Der Zusammenschluss werde nur ganz wenige Stellen kosten. Es dürften 5 bis 10 Arbeitsplätze gestrichen werden, sagte von Witzleben. Das sei minimal angesichts eines Personalbestandes von etwa 8000 Leuten im gemeinsamen Konzern, wovon rund ein Viertel in der Schweiz sei.

«Die Transaktion ist keine Frage von Werkszusammenlegungen und Entlassungen», sagte von Witzleben, der die Führung des neuen Unternehmens übernimmt. Der Sitz der neuen Firma soll in Arbon TG sein, wo beide Firmen ihren Ursprung hätten. Unter anderem deshalb bekomme der gemeinsame Konzern den Namen Arbonia.

«Wir rechnen mit Synergien von 10 bis 15 Millionen Franken pro Jahr ab 2018», sagte von Witzleben. Der Gewinn pro Aktie solle durch den Zusammenschluss ab dem nächsten Jahr bis 2020 um rund 20 Prozent jährlich steigen. (sda)