Industrie
Dickere Auftragsbücher: Bühler ist gerüstet für die Rückkehr zu Wachstum

Im zweiten Coronajahr hat Bühler Umsatz und Ergebnisse stabilisiert. Deutliche Zunahmen des Auftragseingangs und Auftragsbestands aber legen die Basis, dass der Technologiekonzern zu Wachstum zurückkehren kann. Konzernchef Stefan Scheiber setzt dabei auf Innovationen und den kontinuierlichen Ausbau des Servicegeschäfts.

Thomas Griesser Kym
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Innovationen als A und O: Zusammen mit dem österreichischen Start-up Selectum hat Bühler gesunde Snacks entwickelt. Hier testen Selectum-Chef Camilo Wolff (links) und Bühler-Lebensmitteltechnologe Richard Haubenberger das Produkt: Waffelkissen mit einer cremigen Füllung, und dies laut eigenem Bekunden CO2-neutral hergestellt.

Innovationen als A und O: Zusammen mit dem österreichischen Start-up Selectum hat Bühler gesunde Snacks entwickelt. Hier testen Selectum-Chef Camilo Wolff (links) und Bühler-Lebensmitteltechnologe Richard Haubenberger das Produkt: Waffelkissen mit einer cremigen Füllung, und dies laut eigenem Bekunden CO2-neutral hergestellt.

Bilder: PD

Nachhaltigkeit, dieser Trend spiegelt sich im Geschäft des Technologiekonzerns Bühler. So stieg der Auftragseingang 2021 des Unternehmens mit Sitz in Uzwil um fast 16 Prozent auf gut drei Milliarden Franken. Das hat laut einer Mitteilung den Auftragsbestand per Jahresende um 27 Prozent auf 1,9 Milliarden Franken angehoben. Von dieser Entwicklung verspricht sich Bühler künftig auch wieder ein Wachstum des Umsatzes. 2021 blieb dieser stabil bei 2,7 Milliarden Franken. Damit liegen die Verkäufe erneut auf dem Niveau von 2017 und deutlich hinter jenen der Jahre 2018 und 2019 (je rund 3,25 Milliarden) zurück.

Die tieferen Umsätze der beiden vergangenen Jahre haben unzweifelhaft zum Grossteil mit den Folgen der Pandemie zu tun. Immerhin gelang es Bühler, dank seines globalen Produktions-, Liefer- und Servicenetzes mit 30 Fabriken, 103 Servicestationen und zwei Dutzend Anwendungs- und Schulungszentren die Kunden trotz Engpässen in den Lieferketten pünktlich zu bedienen, wie der Konzern schreibt. Klar ist aber auch: Corona hat da und dort Projekte verzögert, und die temporären Einschränkungen bei Reisen, Messen usw. waren dem Geschäft auch nicht förderlich.

Die Konsumgewohnheiten verändern sich

Was Bühler mit seinen weltweit 12'500 Mitarbeitenden hilft, ist die steigende Nachfrage nach nachhaltigen Lösungen im Lebensmittel-, Futtermittel- und Mobilitätsmarkt. Dies dank steigenden Umwelt- und Gesundheitsbewusstseins, was die Konsumgewohnheiten verändert. Bühler ist hier mit neuen Technologien zur Stelle, etwa mit Anlagen und Prozessen zur Verarbeitung pflanzlicher Proteine, zur Herstellung von Milchalternativen und von gesunden Snacks. Oder zur Gewinnung von Insektenprotein für Tierfutter.

Auch spielen Bühler die E-Mobilität mit ihren neuen Antriebssträngen und neue Designs in der Autoindustrie in die Hände, was dem Geschäft mit Druckgussanlagen und Anlagen zur Herstellung von Elektrodenpaste für Lithium-Ionen-Batterien zugute kommt. Zugelegt hat Bühler auch in der Getreideverarbeitung, wo man beispielsweise unangefochtener Weltmarktführer bei Weizenmühlen ist. Hier geht es etwa darum, die Anlagen immer leistungsfähiger zu machen, was die Ausbeute erhöht, die Prozesse beschleunigt usw.

Ausbau des Servicegeschäfts

Bühler weiss: Um langfristig Erfolg zu haben, sind Innovationen unerlässlich. Der Konzern hält deshalb die Ausgaben für Forschung und Entwicklung hoch. 2021 betrugen sie 141 Millionen Franken oder wie im Vorjahr 5,2 Prozent des Umsatzes. In den drei Jahren davor waren es jeweils rund 4,5 Prozent.

Immer wichtiger wird das Servicegeschäft, das auch zur Kundenbindung beiträgt und bereits einen Drittel des Gesamtumsatzes ausmacht. Dank der Digitalisierung wird Wartung aus der Ferne immer mehr zum Thema, was sich während der Pandemie besonders bezahlt gemacht hat. Die Zahl der Verträge, in deren Rahmen Bühler-Kunden Online-Supportfunktionen nutzen, hat sich 2021 auf 400 versechsfacht. Und die Bestellungen auf Bühlers Onlineplattform myBühler nahmen um die Hälfte auf 90 Millionen Franken zu.

Bühler hat die Ergebnisse stabilisiert

Punkto Rentabilität hat sich Bühler 2021 gut gehalten. Das Betriebsergebnis blieb stabil bei 146 Millionen Franken, was einer operativen Marge von 5,4 Prozent des Umsatzes entspricht. 2019, vor Corona, betrug das Ergebnis freilich noch 248 Millionen und die Marge 7,6 Prozent. Der Reingewinn nahm gegenüber 2020 um 3,2 Prozent auf 113 Millionen zu.

Bühler-Finanzchef Mark Macus.

Bühler-Finanzchef Mark Macus.

Im Berichtsjahr hat Bühler die Nettoliquidität auf 329 Millionen Franken mehr als verdoppelt, und die Eigenkapitalquote beträgt beachtliche 47 Prozent (im Vorjahr 44 Prozent). Finanzchef Mark Macus sagt:

«Unsere Bilanz ist heute stärker als vor der Coronakrise.»

Diese finanzielle Stärke gebe Sicherheit und ermögliche es Bühler, die Strategie weiter umzusetzen, «einschliesslich strategischer Investitionen in Anlagen und Innovationen».

Bühler-Chef Stefan Scheiber setzt auf Innovationen und auf Menschen

Bühler-Konzernchef Stefan Scheiber.

Bühler-Konzernchef Stefan Scheiber.

Wie geht es weiter? Bühler weiss: Politische Spannungen, der Klimawandel, Probleme in den Lieferketten sowie aufkeimende Inflation dürften das Wirtschaftsklima weiterhin beeinflussen. Gleichzeitig eröffneten sich aber auch immer wieder neue Marktchancen, getrieben durch neue Kundenbedürfnisse und ermöglicht durch den Einsatz neuer Technologien.

Bühler-Konzernchef Stefan Scheiber will deshalb weiterhin auf Innovationen fokussieren. Und auf Menschen, wie er sagt. Ausdruck dafür ist etwa das Energy & Manufacturing Technology Center, das Bühler seit November 2021 am Hauptsitz in Uzwil baut. In dem Center will Bühler die Berufsbildung konzentrieren, Gesundheitsprävention betreiben und Innovationen bis zur Serienreife entwickeln, und zwar unter Einbindung der Kunden und Lernenden.