Uzwil
Corona hallt noch länger nach: Bühler stemmt sich der Krise mit Innovationen entgegen

Im Coronajahr 2020 hat der Technologiekonzern Bühler an Umsatz und Rentabilität eingebüsst. Alle Kundenaufträge und Liefervereinbarungen seien aber erfüllt worden, und die Innovationskraft wurde hochgehalten. Für 2021 zeigt sich das Unternehmen «verhalten optimistisch» und erwartet eine stabile Geschäftsentwicklung.

Thomas Griesser Kym
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Im Innovationscampus Cubic des Technologiekonzerns Bühler am Hauptsitz in Uzwil.

Im Innovationscampus Cubic des Technologiekonzerns Bühler am Hauptsitz in Uzwil.

Bild: Urs Bucher

2,7 Milliarden Franken Umsatz und damit 17 Prozent weniger als 2019. Ein Betriebsergebnis von 146 Millionen Franken und damit gut 100 Millionen oder 41 Prozent weniger als im Vorjahr. Daraus resultiert eine operative Marge, die von 7,6 auf 5,4 Prozent des Umsatzes geschwunden ist, und der Reingewinn hat sich auf 110 Millionen annähernd halbiert. Kurzum: Die Folgen von Corona zeigen deutliche Spuren in der Rechnung des Technologiekonzerns.

Corona hinterlässt Spuren in der Bühler-Rechnung

in Millionen Franken
2019 2020 Veränd. in %
Umsatz3 3042 731–17,3
Auftragseingang3 1302 610–16,7
Auftragsbestand1 7601 520–13,7
Betriebsergebnis248146–41,2
Reingewinn202110–45,6
Operativer Cash-flow166470183,2
Forschung & Entwicklung149139–6,8
Investitionen11361–46,1
Mitarbeiter12 76712 457–2,4

Nicht nur hat Bühler weniger verkauft, sondern auch weniger neue Aufträge hereingeholt. Der Auftragseingang sank um 16,7 Prozent auf 2,6 Milliarden Franken oder auf das Volumen des Jahres 2016.

Auftragseingang 2020 auf der Höhe von 2016

in Millionen Franken
201620172018201920200100020003000

Einbussen erlitt Bühler bei Umsatz und Aufträgen etwa in der grössten Sparte Grains & Foods, in der man unter anderem unangefochtener Weltmarktführer bei Getreidemühlen ist, oder im Consumer-Foods-Geschäft, in dem Bühler zum Beispiel Anlagen zur Herstellung von Schokolade, Biskuits oder Teigwaren herstellt. Hier litt Bühler unter den Schliessungen oder Einschränkungen von Hotels, Restaurants und Duty-free-Shops. Bei den Advanced Materials wiederum spürte Bühler den Einbruch der Autoindustrie.

Es gibt auch Geschäfte, die gewachsen sind

Aber es gibt auch viel Positives zu berichten. Trotz der Rückgänge habe sich die Sparte Grains & Foods als «widerstandsfähig und agil» erwiesen und sich solide entwickelt, urteilt Bühler. So habe man dank der Einführung des integrierten Vermahlungssystems Arrius die Position als Technologieführer in der Getreideverarbeitung sowie bei Lebens- und Futtermitteln weiter ausgebaut. Gewachsen sind dank hoher Nachfrage nach Computerchips die Hightech-Spezialbeschichtungen von Leybold Optics oder das Segment Value Nutrition, in dem Bühler an Fleischalternativen aus pflanzlichen Proteinen tüftelt.

Im Bäckerei-Innovationszentrum Bühlers.

Im Bäckerei-Innovationszentrum Bühlers.

Bild: PD

Geografisch schrumpfte Bühler in allen Märkten ausser in China. Dort stieg der Auftragseingang 2020 um 15 Prozent auf über 600 Millionen Franken und der Umsatz um 5 Prozent auf 575 Millionen. Bezogen auf den Umsatz nahm der Asien-Anteil von 31 auf 35 Prozent zu, wobei 21 Prozent auf China entfallen. Europa mit 30 und Nordamerika mit 16 Prozent blieben stabil. Die Zahl der Mitarbeitenden weltweit sank leicht von 12'767 auf 12'457. In Uzwil zählt Bühler 2420 Beschäftigte, etwas weniger als 2019 als Folge einer Reorganisation in der Sparte Advanced Materials.

Liquide Mittel aufgepolstert

«Höchste Priorität» genoss bei Bühler 2020 die Sicherung der Liquidität. So habe man dank eines umsichtigen Finanzmanagements den operativen Cashflow (selbst erarbeitete Mittel) von 166 Millionen Franken auf 470 Millionen erhöhen können. Bühler ist nun mit einer Nettoliquidität ausgestattet von 749 Millionen Franken, 300 Millionen oder zwei Drittel mehr als vor Jahresfrist. Die Mittel werden zum einen dazu verwendet, zwei Anleihen bei deren Fälligkeit zurückzuzahlen, die man zum Kauf der Wiener Haas-Gruppe aufgenommen hatte. Zum anderen dienen sie als Sicherheitspolster, wie Konzernchef Stefan Scheiber sagt.

Wie Bühler schreibt, haben sich die Lieferketten trotz der Pandemie als «bemerkenswert solide» erwiesen. Der Konzern profitierte von seinem globalen Netzwerk aus 33 Fabriken und 100 Servicestationen. Und von der Digitalisierung, dank der sich Kundenversuche oder die Inbetriebnahme von Anlagen aus der Ferne und damit auch im Falle von Reisebeschränkungen durchführen lassen.

Lohnsumme gekürzt, Kompensation der Chefs und die Dividende aber nicht

Die von Bühler bezahlte Lohnsumme ist 2020 von 791 auf 704 Millionen Franken oder um 11 Prozent gesunken. Die Belegschaft wurde aber lediglich um gut 300 Köpfe oder 2,4 Prozent auf 12'500 Mitarbeitende reduziert. Finanzchef Mark Macus erklärt: Zum einen habe es relativ viele Abgänge von Mitarbeitenden mit überdurchschnittlich hohen Löhnen gegeben, zum andern hätten die Wechselkurse mitgespielt, und drittens habe Bühler weniger variable Lohnbestandteile ausbezahlt.

2021 dürften die Cheflöhne tiefer ausfallen

So weit, so gut. Nur: Die Kompensation der Konzernleitung und des Verwaltungsrats, total 18 Personen, ist, inklusive Arbeitgeberbeiträgen an die Pensionskasse und die Sozialversicherungen, mit 10,8 Millionen Franken stabil geblieben, und auch an der Dividende wurde nicht gerüttelt. Macus: Bei den Cheflöhnen handle es sich um die ausbezahlten Löhne. Diese bestehen aus einem Fixum und aus variablen Komponenten wie Boni. Diese bemessen sich am Erfolg des Geschäftsjahrs 2019. Mit anderen Worten: Im Geschäftsbericht 2021, wenn die Cheflöhne die Boni für 2020 enthalten, sollte eine Reduktion sichtbar sein.    

Viel Geld des Gewinns bleibt in der Firma

Die Dividende von stabil 25 Millionen Franken fliesst an die Inhaberfamilie Bühler. Dass hier nicht gekürzt wurde, erklärt Macus mit einer «langfristigen Perspektive» und damit, dass die Ausschüttungsquote ohnehin «sehr tief» sei. In der Tat: 25 Millionen sind knapp ein Viertel des Reingewinns von 2020 und knapp ein Achtel des Gewinns von 2019. Die Familie Bühler lässt also sehr viel Geld in der Firma. Zum Vergleich: Andere Firmen schütten jeweils rund die Hälfte des Gewinns oder mehr an die Aktionäre aus. Stadler zum Beispiel peilt eine Quote von 60 Prozent an. (T.G.)  

Bühler stellt auch Anlagen zur Herstellung von Teigwaren her.

Bühler stellt auch Anlagen zur Herstellung von Teigwaren her.

Bild: Urs Bucher

Mittlerweile zwei Dutzend Anwendungszentren

Bühler hat denn auch die Innovationskraft hochgehalten. Die Ausgaben für Forschung & Entwicklung lagen zwar mit 139 Millionen Franken um gut 10 Millionen unter Vorjahr, stiegen aber gemessen am Umsatz von 4,6 auf 5,2 Prozent. 86 neue Produkte und Lösungen seien lanciert worden. Zudem hat Bühler weitere Anwendungszentren eröffnet, so in Minneapolis in den USA eines für Lebensmittel, im deutschen Beilngries eines für Mälzerei und Brauerei sowie ein Ausbildungs- und Trainingszentrum für die Kakaoverarbeitung in der Elfenbeinküste. Bühler unterhält nun zwei Dutzend Anwendungszentren.

Hinzu kommt, zusammen mit dem Riechstoff- und Aromenhersteller Givaudan, ein Innovationszentrum für pflanzliche Lebensmittel in Singapur, dessen Eröffnung für März 2021 geplant ist. In China haben Bühler und die kanadische Premier Tech ein Joint Venture für neue Verpackungslösungen gestartet.

Kurzfristig Stabilität, längerfristig wieder Wachstum

Bühler-Chef Stefan Scheiber setzt auf Innovationen und die Digitalisierung

Bühler-Chef Stefan Scheiber setzt auf Innovationen und die Digitalisierung

Bild: Michel Canonica

Für 2021 zeigt sich Bühler-Chef Stefan Scheiber «verhalten optimistisch»:

«Wir erwarten ein stabiles Geschäftsvolumen und eine stabile Profitabilität.»

Die Coronakrise werde in Bühlers Geschäftsfeldern noch länger nachwirken. Gleichzeitig stelle sich das Unternehmen so auf, um in Zukunft wieder profitabel zu wachsen. Auch seien derzeit grosse Lebensmittelparks im Aufbau, beispielsweise in Ägypten, wo Bühler komplette industrielle Infrastrukturen mit Mühlen, Biskuit-, Waffel-, Schokolade- und Teigwarenlinien eingerichtet hat. Aber, so Stefan Scheiber:

«Der Corona-Einfluss auf Bühler wird mindestens zwei volle Jahre dauern.»

Coronafälle in der Belegschaft

Coronatests der weltweiten Belegschaft von Bühler haben ergeben: Von den rund 12'500 Mitarbeitenden haben sich 321 oder 2,6 Prozent mit dem Virus infiziert. Davon sind 247 mittlerweile wieder genesen und noch 74 Fälle aktiv, wie Personalchefin Irene Mark-Eisenring sagt. Schwere Krankheitsverläufe habe es lediglich eine Handvoll gegeben. (T.G.)  

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