Indische Bosse führen IT-Giganten

Mit Sundar Pichai als neuem Google-Chef führt ein weiterer Inder ein wichtiges Technologieunternehmen in den USA. Auch der amtierende Microsoft-Boss Satya Nadella kommt aus Indien. In Indien steht die Softwareindustrie unter Druck.

Frederic Spohr
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Der neue Google-Chef Sundar Pichai hat an der Entwicklung der bekanntesten Produkte mitgearbeitet, von Chrome bis Android. (Bild: ap/Manu Fernandez)

Der neue Google-Chef Sundar Pichai hat an der Entwicklung der bekanntesten Produkte mitgearbeitet, von Chrome bis Android. (Bild: ap/Manu Fernandez)

MOUNTAIN VIEW. Mit der Gründung von Googles neuer Holding Alphabet hat es in Indien gleich zwei grosse Neuigkeiten gegeben: Zum einen die neue Struktur des riesigen Technologieunternehmens. Doch genauso interessant für die Inder ist, dass einer aus ihren Reihen das weltweit wichtigste Internetunternehmen führen wird. Sundar Pichai wird künftig Google unter dem Dach des neuen Mutterkonzerns führen.

Dabei sind sie es ja schon gewohnt: Pichai ist nicht der einzige Inder, der es an die Spitze einer amerikanischen Computerfirma geschafft hat. Auch der amtierende Microsoft-Boss Satya Nadella stammt aus Indien. Sie finden sich nicht nur bei den Topkonzernen, sondern auch bei vielen mittelgrossen Unternehmen wie Shantanu Narayen, der bei der Softwarefirma Adobe Systems das Ruder in der Hand hat.

Pichai gehört jetzt zu den ganz Vorderen der Riege. Sein Chef Larry Page lobte ihn in den höchsten Tönen, als er in seinem Blog-Eintrag die Ernennung Pichais zum Google-Chef bekanntgab. «Sundar sagt manchmal Dinge, die ich gerade sagen wollte, und das oft sogar besser», schreibt Page. «Es macht mir unheimlich Spass, mit ihm zusammenzuarbeiten.» Schon zuvor hatte der Inder wichtige Aufgaben bei Google. Er kümmerte sich beispielsweise um Apps und hatte das Betriebssystem Android zu verantworten.

Geduldig hochgearbeitet

Das Interessante dabei ist, dass die indischen Topmanager in den grossen Unternehmen der IT-Branche recht verschiedene Hintergründe haben. Sie kommen aus unterschiedlichen Städten und haben verschiedene Universitäten und Studiengänge besucht.

Gemein haben sie, dass sie oft jahrelang in einer Firma bleiben. Der 43jährige Pichai arbeitet seit 2004 bei Google, Adobe-Boss Narayen ist seit 1998 bei Adobe und Nadella ist bereits seit mehr als 20 Jahren bei Microsoft unter Vertrag. Langsam und geduldig haben sie sich hochgearbeitet. Und noch etwas haben sie gemein: Sie sind alle in Indien geboren. Pichai in Chennai, dem ehemaligen Madras im Bundesstaat Tamil Nadu. Aber keiner von ihnen hat in Indien gearbeitet. Sie haben an hervorragenden Universitäten in den USA und Indien studiert und haben ihre Karrieren dann gleich in den Vereinigten Staaten begonnen. Pichai ging gleich nach seinem Studium am Indischen Technologieinstitut in Kharagpur, wo er Metallurgie studiert hatte, an die Universität Stanford in Kalifornien und an die Wharton School an der Universität Pennsylvania. Damit unterscheiden sich Pichai und seine Spitzenmanager-Kollegen in den USA von den Millionen an Mitarbeitern, die in indischen Firmen wie Wipro oder Infosys eher einfache Programmierarbeit leisten.

Entlassungen in Indien

Die Unternehmen auf dem Subkontinent haben mit den Veränderungen der IT-Branche zu kämpfen. Durch Cloud-Computing, bei dem Daten im Internet und nicht mehr individuell auf Rechnern gespeichert und verwaltet werden, benötigt man in der in Regel weniger Mitarbeiter. Der Kostenvorteil der Inder schwindet. Statt auf Quantität, setzen die Unternehmen stärker auf Innovation und suchen echte Topleute. In den vergangenen zwölf Monaten hat es grosse Entlassungswellen gegeben. Die Arbeitsaussichten des durchschnittlichen IT-Beschäftigten haben sich in Indien eher verschlechtert.