In virtueller Welt bestehen

Der digitale Wandel zeigt sich immer deutlicher und fordert bisherige Geschäftsmodelle vieler KMU heraus, wie Roger Wüthrich-Hasenböhler, Mitglied der Swisscom-Konzernleitung, sagt.

Thorsten Fischer
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Digitalisierung gewinnt im Geschäftsalltag an Einfluss. (Bild: fotolia)

Digitalisierung gewinnt im Geschäftsalltag an Einfluss. (Bild: fotolia)

Herr Wüthrich-Hasenböhler, Swisscom plant bis Ende 2017 die Telefonie komplett vom Kupferdraht aufs Glasfasernetz zu transferieren. Ist das der letzte Mosaikstein in der Digitalisierung – ist also künftig die gesamte Kommunikation digital?

Roger Wüthrich-Hasenböhler: Das trifft zu, obwohl die Verschiebung in der Branche schon einige Zeit im Gang ist. Die ersten digitalen Chat- und Telefoniedienste wie Skype setzten ja von Beginn weg aufs Internet. Insgesamt wird deutlich, welch grossen Einfluss das Internet auf die Kommunikation hat.

Wie gehen Klein- und Mittelunternehmen mit diesem Wandel um? Swisscom ist regelmässig an Wirtschaftsanlässen präsent, kürzlich am Schweizer KMU-Tag in St. Gallen. Welche Signale erhalten Sie da von den Firmen?

Wüthrich: Zurzeit ist bei Klein- und Mittelunternehmen eine gewisse Verunsicherung spürbar. Der technologische Wandel fordert die KMU in ihrer Kernkompetenz heraus. Wird mein bisheriges Geschäftsmodell auch in der virtuellen Welt Bestand haben? Das ist die Frage, die sich Unternehmen immer häufiger stellen.

Allerdings hat sich der digitale Wandel schon länger im Voraus angekündigt.

Wüthrich: Das trifft zu. Aber erst seit jüngerer Zeit gibt es im Alltag konkrete Projekte und Firmen, die ihr Geschäft bewusst auf dem Digitalen aufbauen. Der Taxidienst Uber ist international ein prominentes Beispiel dafür. Vergleichbare Entwicklungen, bei denen traditionelle Geschäftszweige vor neuen Herausforderungen stehen, gibt es aber auch im Regionalen.

Verändert sich dadurch das Selbstverständnis der Swisscom? Gestartet als Infrastruktur-Anbieterin und Dienstleisterin, spielt sie nun offensichtlich eine aktive Rolle im digitalen Wandel der Geschäftsmodelle.

Wüthrich: Wenn man den Wandel bildlich betrachtet, befindet sich unser Konzern gewissermassen im Auge des Wirbelsturms. Wir haben einen guten Blick auf die gesamte Branche und sind überzeugt, hier zukunftsgerichtete Leistungen erbringen zu können.

Dennoch dürfte es KMU geben, die ihre Geschäfte lokal auf ein paar Computern abwickeln und die skeptisch sind, wenn es darum geht, vertrauliche Daten in eine virtuelle Cloud zu laden und dort zu verwalten.

Wüthrich: Die Frage, wo die Daten sind, ist natürlich von grosser Bedeutung. Das Bedürfnis, dass die Daten in der Schweiz bleiben, hat eindeutig zugenommen. Nicht nur wegen der Vertraulichkeit: Firmen möchten auch sicher sein, dass ihr geschäftliches Know-how nicht verloren geht oder man plötzlich nicht mehr darauf zugreifen kann. Mit der zugesicherten Datenhoheit in der Schweiz sehen wir, wie andere Schweizer Anbieter, einen Wettbewerbsvorteil für uns.

Wie rasch wird denn diese Entwicklung zum Virtuellen hin im täglichen Leben ablaufen?

Wüthrich: Aus meiner Sicht ist der technologische Trend eindeutig: In ein paar Jahren wird es, bis auf die Eingabegeräte, kaum mehr physische Hardware vor Ort geben. Fast alles wird über die Cloud ablaufen. Das sieht man auch an kleinen Dingen. Wurden zu installierende Programme ganz zu Beginn noch auf Disketten ausgeliefert, bezieht man Software heute direkt als Service aus der Cloud. Sie läuft bereits zentral installiert auf einem Server des Anbieters, die Kunden nutzen sie, ohne sich um den Betrieb oder Updates kümmern zu müssen.

Weltweit betrachtet nehmen bösartige Angriffe auf digitale Daten zu. Wie stark investiert Swisscom da in Gegenmassnahmen?

Wüthrich: Bei uns kümmern sich mehr als 150 Personen ausschliesslich um die Informationssicherheit, den Datenschutz und die Sicherheit der Infrastruktur. Ganze Teams analysieren permanent die möglichen Bedrohungen. Das ist ein sehr wichtiger Punkt: Je virtueller alles wird, desto bedeutsamer wird die Sicherheit; dazu zählt auch das Verschlüsseln.

Coop plant mit Swisscom einen Online-Marktplatz, die SRG geht auf die Swisscom-Cloud: Bei Projekten und Kunden ist häufig von grossen Beispielen die Rede. Ist diese Welt für kleine KMU-Betriebe nicht doch eine Nummer zu gross?

Wüthrich: Nein, wir haben auch Lösungen, die auf Kleinstbetriebe zugeschnitten sind – einschliesslich einem Ansprechpartner in der Region. Grundsätzlich ist es wichtig, dass sich Firmen unabhängig von der Grösse Gedanken machen, was der digitale Umbruch bedeutet. Besonderes Augenmerk gilt es darauf zu legen, welches Geschäftsmodell in fünf Jahren erfolgreich sein wird.

Roger Wüthrich-Hasenböhler Leiter Geschäftsbereich KMU bei Swisscom (Bild: pd)

Roger Wüthrich-Hasenböhler Leiter Geschäftsbereich KMU bei Swisscom (Bild: pd)