«In neuer Zeitrechnung»

Die Zuversicht im Schweizer Maschinenbau lässt nach, die Margen stehen unter Druck. Im schwierigen Währungsumfeld appelliert der Branchenverband Swissmem an Politik und Firmen.

Thorsten Fischer
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Maschinen bei der Meyer Burger AG in Gwatt transportieren Solarkomponenten. (Bild: ky/Christian Beutler)

Maschinen bei der Meyer Burger AG in Gwatt transportieren Solarkomponenten. (Bild: ky/Christian Beutler)

BERN. Frühere Sorgen sind wieder da, trotzdem wirft die Aufhebung des Euro-Mindestkurses die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) nicht vollständig zurück. Laut Hans Hess, Präsident des Branchenverbands Swissmem, ist die Situation nicht zu vergleichen mit 2011, als die Kursuntergrenze eingeführt wurde. Viele Unternehmen hätten es geschafft, ihre Effizienz zu steigern. Diese Anstrengungen seien nicht verloren. Doch Entwarnung gibt Swissmem keineswegs.

Der Kampf beginne von vorne, sagte der Verbandspräsident laut Agentur SDA an der Jahreskonferenz. Mit dem 15. Januar 2015, als die Nationalbank den Mindestkurs aufhob, habe «eine neue Zeitrechnung begonnen».

Die Politik wird von der Branche kritisiert, weil sie für den Werkplatz Schweiz zu wenig getan habe. «Weniger Bürokratie» ist eine Forderung, die wieder und noch stärker zu hören ist. Swissmem verlangt von der Politik generell, sich für den Werkplatz Schweiz stark zu machen.

Dazu gehöre, dass die Bilateralen Verträge mit der EU trotz Umsetzung der SVP-Zuwanderungs-Initiative bestehen blieben. Für den zweitwichtigsten Absatzmarkt USA soll der Bundesrat laut Swissmem ein Freihandelsabkommen anstreben. Und auch die Betriebe selber «werden alles tun, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zurück zu gewinnen.»

Massnahmen und Reaktionen

In den vergangenen Wochen haben Firmen bereits Einstellungsstops und das Zurückbehalten von Investitionen überlegt oder umgesetzt. Einige Unternehmen haben die Arbeitszeit nach oben geschraubt. «Das ist nicht schön, aber auch keine Katastrophe», sagte der Swissmem-Präsident den Agenturangaben zufolge. Der Gesamtarbeitsvertrag GAV ermögliche Spielräume. Diese müssten genutzt werden können, denn es gehe um das Überleben der Betriebe. Von Lohnkürzungen oder Lohnzahlungen in Euro rät Hans Hess hingegen ab.

2014 exportierte die MEM-Industrie Waren im Wert von 66,2 Mrd. Fr. (+1,3%). Die Kapazitätsauslastung der MEM-Betriebe lag mit durchschnittlich 88,2% über dem langfristigen Mittel von 86,1%.

Dass im abgelaufenen Jahr die Geschäftszahlen der Branche insgesamt gewachsen sind (siehe auch Grafik), ist im Prinzip dem ersten Halbjahr zu verdanken. Bereits im 2. Halbjahr 2014 – also noch vor dem Wegfall des Mindestkurses – wurde es zunehmend ungemütlich. Die Geschäftsentwicklung stagnierte wegen der schwachen Konjunktur im Hauptmarkt Europa.

Stimmung erheblich gedämpft

Gepaart mit dem Aufwertungsschock des Franken hat der Werkplatz Schweiz «spürbar an Attraktivität eingebüsst», stellt der Branchenverband im aktuellen, noch jungen Jahr fest. Als Folge haben sich auch die Geschäftserwartungen der Unternehmer für die kommenden zwölf Monate verschlechtert.