In kleinen Schritten an die Spitze: Frauenanteil in den Kadern von Ostschweizer Firmen steigt langsam

Der Anteil der Frauen steigt auch in den Kadern von Ostschweizer Firmen – allerdings noch langsam.

Kaspar Enz
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Die Männer sind an den Unternehmensspitzen weiterhin in der Mehrheit.

Die Männer sind an den Unternehmensspitzen weiterhin in der Mehrheit.

Bild: Urs Bucher

«Wir brauchen mehr Frauen in Führungsfunktionen», sagte Roland Ledergerber, CEO der St.Galler Kantonalbank kürzlich im Interview. Die Bank habe dazu ein Programm lanciert. Es sei aber ein langer Prozess. Heute ist die Geschlechterverteilung bei der Belegschaft der SGKB beinahe ausgeglichen: 44 Prozent der Mitarbeitenden sind Frauen. Auf den höheren Stufen dünnt sich der Frauenanteil aber deutlich aus. Das gilt nicht nur für die SGKB.

Mit flexiblen Anstellungsbedingungen und Massnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie tue man bereits einiges, um ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, sagt SGKB-Sprecherin Jolanda Meyer. Beim Frauenanteil in Führungspositionen «sind wir aber noch nicht dort, wo wir gerne wären». Ähnlich tönt es bei der Thurgauer Kantonalbank. Auch dort will man mehr Frauen in höheren Positionen. So sollen auch Führungskräfte Teilzeit arbeiten können, was 20 Prozent der Kader auch tun, sagt TKB-Sprecherin Sabrina Dünnenberger.

Karrieren stocken auf mittlerer Ebene

Tatsächlich ist der Frauenanteil in Führungsfunktionen bei den Kantonalbanken in den letzten Jahren gestiegen. Im Vergleich zu Zahlen aus dem Jahr 2016 nahm der Frauenanteil auf Stufe Kader um jeweils vier bis fünf Prozentpunkt zu. Die SGKB hat nun, wie die TKB, eine zweite Frau im Verwaltungsrat. Keine Bewegung ist aber auf Stufe Direktion zu erkennen. Und die Geschäftsleitungen der beiden grossen Ostschweizer Kantonalbanken sind immer noch Männerclubs – nur die kleine Appenzeller Kantonalbank hat eine Frau auf dieser Stufe.

Frauen bewerben sich oft nicht

«Die Entwicklung geht in die richtige Richtung, sie braucht aber Zeit», sagt Sabrina Dünnenberger. Die Gründe dafür seien vielschichtig. Gesellschaftliche Strukturen aber auch das Betreuungsangebot im ländlichen Thurgau spielten mit. «Bei höheren Führungsfunktionen erhalten wir oft keine Bewerbungen von Frauen.»

Die SGKB lanciere nun eine «Diversitäts-Initiative», sagt Jolanda Meyer. Diese stehe aber noch am Anfang. Ziel sei «eine Kultur der Offenheit und Vielfalt und eine Erhöhung des Frauenanteils auf allen Kaderstufen». Die Mitarbeitenden sollen dabei helfen, Massnahmen zu finden.

Männer führen Frauen

Deutlich in der Mehrheit sind die Männer im Kader meist auch wenn im Unternehmen Frauenberufe dominieren. Bei der Migros Ostschweiz sind mehr als zwei Drittel der Belegschaft Frauen. Auf höheren Stufen sind es jeweils nur noch rund ein Viertel. Bewegung gab es in den letzten Jahren nur in der Geschäftsleitung, in der nun zwei Frauen sind. «Der Verkaufsberuf ist sehr beliebt bei Frauen, die Teilzeit arbeiten», sagt Migros-Sprecher Andreas Bühler. Für viele von ihnen sei eine Karriere gar kein Thema. Oft würden Schwangerschaften aber Karrieren von Frauen beenden, trotz der Massnahmen für eine bessere Vereinbarkeit. Deshalb überlege man sich, auch Kaderjobs wie Filialleitungen vermehrt in Job-Sharing oder Teilzeit zu ermöglichen.

Kleinere Auswahl in der Industrie

In den Produktionshallen und in den technischen Berufen in der Industrie dominieren Männer aber nicht nur die Kaderpositionen. Auch bei der SFS Gruppe ist der Frauenanteil mit weltweit rund einem Fünftel vergleichsweise tief. Die meisten Frauen arbeiten bei den Unternehmensdienstleistungen, im Handel oder in der Finanzabteilung, sagt Sonja Späth, Leiterin der Human-Resources-Abteilung der Gruppe.

Eine gewisse Vielfalt sei auch in den Kaderstufen wünschenswert, sagt Späth. So unterstütze der Rheintaler Konzern auch Projekte, um mehr Frauen von einer technischen Lehre zu überzeugen. Mit gewissen Erfolgen. Gezielte Massnahmen, um Frauen in die Kader zu bringen gebe es aber nicht. «Im Regelfall suchen wir für jede Stelle die richtige Person», sagt Späth. Man versuche aber durchaus, ein moderner Arbeitgeber zu sein und die Vereinarkeit von Beruf un Familie zu verbessern. Teilzeitmodellen stehe man offen gegenüber. «Das nutzen nicht nur Mütter, es gibt auch andere Gründe, Teilzeit zu arbeiten.»

Trotzdem steht SFS im Vergleich nicht so schlecht da: 13 Prozent des mittleren Kaders sind Frauen, im Top-Kader sind es neun Prozent, mehr als bei den Kantonalbanken. «Wir haben weltweit auch einige Standortleiterinnen», sagt Späth.

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