In gespannter Erwartung

Die konjunkturelle Lage ist immer noch durchzogen. Das «Horizonte»-Forum der St. Galler Kantonalbank hat aber auch einen Blick auf den laufenden technologischen Wandel geworfen.

Thorsten Fischer
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Brille für virtuelles Erleben: Heute im Spiel, bald in der Geschäftswelt. (Bild: ap/Ahn Youngjoon)

Brille für virtuelles Erleben: Heute im Spiel, bald in der Geschäftswelt. (Bild: ap/Ahn Youngjoon)

ST. GALLEN. Nicht nur aufs aktuelle Jahr, sondern viel weiter in die Zukunft voraus blickt jeweils das Konjunktur- und Trendforum «Horizonte» der St. Galler Kantonalbank (SGKB) zum Jahresbeginn. Daher lag es fast auf der Hand, dass Albert Koller, Mitglied der SGKB-Geschäftsleitung, vor den Zuhörern anmerkte, man werde am Anlass zwar wichtige Navigations- und Fixpunkte setzen. Aber man könne in einem Umfeld des Wandels keine Punktlandung betreffend Prognosen versprechen.

Gemischte Konjunktursignale

Wie durchmischt die Lage alleine schon konjunkturell ist, nämlich «zwischen Hoffen und Bangen», zeigte die Standortbestimmung von Peter Eisenhut, Managing Partner der Ecopol AG. Beispielsweise haben sich die für die Schweizer Exporte wichtigen EU-Abnehmerländer 2015 etwas besser entwickelt als erwartet. Aber strukturelle Probleme in EU-Ländern sind durch die ultraexpansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank nur überdeckt worden. Und in der Schweiz relativiert sich der Zuwachs des Bruttoinlandprodukts (BIP), wenn man das BIP pro Kopf betrachtet. Es sank nämlich leicht und ist laut Eisenhut eigentlich die wichtigste Kennzahl für Wohlstand in einem Land. Benedikt Würth, St. Galler Regierungspräsident, ergänzte im Diskussionsteil, dass momentan die Ausrüstungsinvestionen in der Ostschweizer Industrie «eher unter Druck» seien. Zugleich betonte er, dass es beim Aufbau eines Investorennetzwerks für den Tourismus Fortschritte gebe und weitere Anstrengungen unternommen würden, Firmen und Forschungspartner zu verknüpfen. Allerdings: Letztlich müsse Innovation von den Unternehmen kommen und könne nicht staatsgelenkt sein.

Wie es sich künftig lebt

Wer nun noch Inputs brauchte, wie die Wirtschaft, ja das ganze Leben in den kommenden Jahren aussehen wird, den brachte David Bosshart, Leiter des Gottlieb-Duttweiler-Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft, zum Nachdenken. Er zeigte, wohin der Trend der allumfassenden Digitalisierung führen wird: zur Individualisierung. Auch die Kommunikation zwischen Kunden und Firmen werde sich grundlegend ändern, sagte Bosshart. «Rund die Hälfte der Volkswirtschaft muss bis circa 2030 neu erfunden werden.»

Dazu gehören Kunden, die über das Internet den individuellen Nutzen von Produkten und Dienstleistungen sofort mit anderen Angeboten vergleichen – und ebenso rasch beliefert werden wollen. Weil es durch die vernetzte Gemeinschaft weniger Hierarchien gibt, steigt der Kommunikationszwang für Firmen. Auch rein technologisch: Smartphones, riesige Bildschirme oder 3D-Brillen – es gelte, für alle Kanäle offen zu sein. Ausserdem würden digitale Assistenten – Software oder Roboter – mit der Zeit immer klüger. Die Beziehung Mensch-Maschine ändere sich, die Emotionalität und das Vertrauen wachse, sagte Bosshart. Er fügte aber eine Erkenntnis aus einer Oxford-Studie an: «Ohne physische Nähe und regelmässigen Kontakt von Angesicht zu Angesicht nimmt die emotionale Nähe jedes Jahr ab.»

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