In Frankreich schafft Alstom Jobs

Während der Energie- und Industriekonzern Alstom in der Schweiz massiv Stellen abbaut, sollen in Frankreich tausend Arbeitsplätze dazukommen. Ein politisches Kompensationsgeschäft?

Stefan Brändle
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PARIS. Der Schock über die bevorstehenden Entlassungen sass am Mittwoch so tief, dass ein Aspekt fast unterging: Nicht alle Länderstandorte müssen in gleichem Masse bluten. Während Alstom europaweit 6500 Stellen streicht – davon 1300 in der Schweiz und 1700 in Deutschland – , gedenkt der französische Konzern in Frankreich unter dem Strich sogar tausend neue Jobs zu schaffen. Diese Zahl hatte der neue Alstom-Eigner General Electric (GE) schon 2014 genannt; es war ein wichtiges Argument für die französische Regierung, nicht länger das Siemens-Gebot für Alstom zu unterstützen, sondern dem US-Rivalen GE den Vorzug zu geben.

Die tausend neuen Arbeitsplätze in Frankreich sind insofern nur die Bestätigung eines früheren Versprechens. Aber sie zeugen vom anhaltenden Bemühen der Regierung in Paris, den Druck auf GE aufrechtzuerhalten. Noch vergangenen Oktober, als GE-Konzernchef Jeffrey Immelt den Alstom-Standort im ostfranzösischen Belfort besuchte, hatte ihn Wirtschaftsminister Emmanuel Macron gedrängt, dieses Hauptwerk der Alstom-Energiebranche zu verschonen.

Zweifel der Gewerkschaften

Das ist nun effektiv der Fall. Hingegen werden im Zuge des gesamten Stellenabbaus andere französische Standorte reduziert: In Levallois und Massy – beide bei Paris gelegen – will GE nach eigenen Angaben 765 Stellen abbauen. Trotzdem bleibt das Versprechen von «netto tausend neuen Jobs» aufrecht, behauptet Alstom. Das heisst, dass GE-Alstom in Frankreich insgesamt 1765 Stellen schaffen müsste. Macron sagte gestern, diese «Überkompensierung» finde weiterhin statt.

Die französischen Gewerkschaften bezweifeln, dass Alstom in seinem ehemaligen Stammland jemals so viele Jobs schaffen wird. Die CGT kritisiert, dass GE jetzt einen drastischen Sparplan mit «Börsenentlassungen» vorlege, aber keinerlei Strategie- oder Investitionsabsichten formuliert habe. Deshalb sei es höchst ungewiss, dass wirklich netto tausend Jobs entstünden.

Kampf gegen Umschichtungen

Wahrscheinlich, so argwöhnt die CGT, würden einfach einige Zulieferfirmen übernommen und deren Personal als neue Stellen gerechnet; dazu würden sicherlich Stellen aus anderen europäischen Ländern nach Frankreich «repatriiert». Gegen diese Umschichtung zwischen Standorten verschiedener Länder ist die CGT, die bei Alstom den Ton angibt, aus Prinzip. CGT-Vertreter Laurent Santoire kündigte deshalb an, er wolle den europäischen Zweig des globalen Gewerkschaftsbundes IndustriALL einschalten.

Manager sind mobil

Über inoffizielle Kanäle liessen GE und Alstom schon durchblicken, die tausend neuen Jobs in Frankreich würden zur Hälfte durch zwei neue Forschungs- und Servicezentren geschaffen; die andere Hälfte entfalle auf die Anstellung von Managern und einer «Re-Internationalisierung» einzelne Sparten. Gewerkschafter fragen sich, was sich dahinter verberge. Die meisten Manager seien ohnehin international tätig, weshalb es kaum eine Rolle spiele, wo ihr Arbeitsplatz formell angesiedelt werde. Anders gesagt, profitieren auch die Franzosen kaum von der Umlagerung zugunsten Frankreichs.

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