«In feindlicher Umgebung»

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Cybercrime «Digitale Kriegsführung» – so lautete am St. Gallen Symposium der Titel eines Panels. Das Thema Internetkriminalität und -sicherheit «ist in unserem täglichen Leben angekommen», sagte Expertin Shira Kaplan von Cyverse. Immer mehr Geräte sind digital miteinander verbunden. Folge: «Niemand ist immun gegen Cyberattacken», weiss auch Moderator Andrew Hill. So hat zum Beispiel Volkswagen 6000 solcher Angriffe gezählt – pro Woche. Für Kaplan ist klar: «IT kann nicht mehr als Silo behandelt werden, und IT-Sicherheit ist der zentrale Teil einer Organisation», etwa einer Firma, die sich «nicht nur vor Datendiebstahl schützen, sondern auch einen reibungslosen Geschäftsverlauf gewährleisten muss».

John Scarlett wies darauf hin, dass viele Cyberattacken von Nationalstaaten ausgeführt würden. Attacken im Internet seien «zahlreicher und viel effektiver» als Spionage- und andere Angriffe zu Zeiten des Kalten Kriegs, sagte der frühere Chef des britischen Geheimdiensts MI6. «Wer im In­ternet ist, ist in einer feindlichen Umgebung», pflichtete ihm Lance James bei, Chefwissenschafter bei Flashpoint. Vor 20 Jahren sei jeder isoliert an seinem Computer gesessen, heute seien Smartphone und E-Mail die wichtigsten Werkzeuge, sagte James.

Hill fragte Scarlett, inwieweit wir vorbereitet seien etwa auf ausländische Einmischung via Internet in politische Wahlen. Nach kurzem Zögern antwortete Scarlett bedächtig: «Wir sind besser vorbereitet als vor zwei, drei Jahren.» Was Hill zur Äusserung des Verdachts verleitete: «Wir sind nicht vorbereitet!» (T. G.)

Ein Interview mit Shira Kaplan und Anat Bar-Gera von Cyverse folgt in der Montagsausgabe.