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Drei Schweizer wegen Betrugs vor Gericht

Sie arbeiteten oder vermittelten Kapitalanlagen für den bereits verurteilten deutschen Millionenbetrüger Ulrich Engler. Nun stehen drei Schweizer wegen gewerbsmässigen Betrugs vor Bundesstrafgericht.
Gerhard Lob, Bellinzona
Das Bundesstrafgericht in Bellinzona. Bild: Alessandro Crinari/Keystone (Bellinzona, 25. Juli 2018)

Das Bundesstrafgericht in Bellinzona.
Bild: Alessandro Crinari/Keystone (Bellinzona, 25. Juli 2018)

Rund zehn Jahre nach Aufnahme der Ermittlungen begann gestern vor Bundesstrafgericht in Bellinzona die Hauptverhandlung gegen drei Schweizer wegen des Verdachts auf gewerbsmässigen Betrug in Millionenhöhe. Der Fall trägt bizarre Züge. Hauptbeschuldigte ist eine heute 59-jährige Frau aus dem Kanton Schaffhausen, die eher zufällig im Finanzgeschäft landete. Der zweite Beschuldigte ist 75 Jahre alt, Pensionär, und lebt mittlerweile in Thailand, weil er von seiner Rente in der Schweiz nicht leben kann. Der dritte Beschuldigte ist ein 58-jähriger Wirtschaftsprüfer aus dem Kanton St. Gallen.

Sie sollen massgeblich daran beteiligt gewesen sein, ein als Schneeballsystem konzipiertes Vertriebssystem für Kapitalanlagen aufgebaut zu haben. Die Vorfälle gehen auf die Jahre 2005 bis 2007 zurück. Die Beschuldigten köderten damals laut Anklage der Bundesanwaltschaft gegen Provision Anleger aus der Schweiz, Österreich und dem Fürstentum Liechtenstein für das sogenannte Daytrading-System des deutschen Staatsbürger Ulrich Engler, das dieser in betrügerischer Absicht mit seinen PCO-Gesellschaften in Florida aufgebaut hatte.

Monatlich fünfstellige Beträge verdient

Die Schadenssumme betrug insgesamt über 100 Millionen Dollar. Für die Kapitalanlagen wurden Traumrenditen von bis zu 72 Prozent im Jahr oder 6 Prozent im Monat versprochen. «Experten sagten mir, dass dies möglich sei», sagte die Hauptbeschuldigte, eine gelernte Hotelfachfrau mit einer zusätzlichen Ausbildung in Feng-Shui.

Die Hauptbeschuldigte hatte selbst im Mai 2005 mit einer kleinen Investition in Höhe 10 000 US-Dollar begonnen. Sie lernte Engler dann bei einem Besuch in dessen Anwesen in Florida persönlich kennen. «Er hat mich total umgehauen – nicht als Mann, aber mit seiner Art», sagte die Beschuldigte vor Gericht auf die Frage der Gerichtspräsidentin, warum sie für diesen Mann tätig wurde. Sie habe ihm total vertraut – baute ihm sogar das administrative System auf, «denn er war in Computerfragen eine Null».

Sie verdiente höhere fünfstellige Beträge pro Monat. Doch bald schon stellten sich die Traumrenditen von Englers Börsengeschäften als Fake heraus. Er hatte nicht einmal eine Zulassung als Trader an der Börse. Engler, der in Saus und Braus lebte, war ein Hochstapler, der bald schon polizeilich gesucht wurde. Nach fünfjähriger Flucht wurde er in den USA im Juli 2012 verhaftet und nach Deutschland ausgeliefert.

Das Landgericht Mannheim verurteilte ihn dann im März 2013 – nach einem Deal mit der Staatsanwaltschaft – zu acht Jahren und sechs Monaten Gefängnis. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Engler von den USA aus Anleger um gewaltige Millionenbeträge geprellt hatte. Rund 1300 Anleger vor allem aus Deutschland, Österreich und der Schweiz waren auf ihn hereingefallen.

Details nach zehn Jahren vergessen

Am ersten Prozesstag in Bellinzona wurde im Rahmen der Vorfragen die lange Verfahrensdauer diskutiert. Für die Verteidigung stellt sie einen krassen Verstoss gegen das Beschleunigungsgebot dar. Tatsächlich: Seit Eröffnung des Verfahrens durch die Bundesanwaltschaft (BA) sind bereits zehn Jahre vergangen. Inzwischen könne sich sein Mandant nicht mehr an alle Details erinnern. Die Verteidigerrechte seien dadurch eingeschränkt, sagte ein Verteidiger. Ein anderer zweifelte die Zuständigkeit der BA und des Bundesstrafgerichts an.

Das Bundesstrafgericht wies alle Anträge der Verteidigung zurück. Die Hauptverhandlung kann damit wie geplant erfolgen. Die Frage des langen Verfahrens – allfälliger Verstoss gegen das Beschleunigungsgebot – wird zu einem späteren Zeitpunkt des Verfahrens in der Hauptsache geprüft und gewürdigt.

Für die Hauptverhandlung vor Bundesstrafgericht, welche die Schweizer Ausläufer dieses spektakulären Betrugsfalls aufarbeitet, sind acht Verhandlungstage vorgesehen. Die Urteilseröffnung ist für den 29. November anberaumt. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

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