IN DER THURAU WIRD WENIGER GEGESSEN: Frischetheke als Geheimrezept

An der Autobahn wollen sich Gäste zunehmend schnell und gesund verpflegen. Das geht zu Lasten der traditionellen Gastronomie. Die Gruppe Thurau gibt Gegensteuer.

Thomas Griesser Kym
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Nach der Raststätte Thurau Süd muss auch jene auf der Nordseite ihr Gastronomiekonzept anpassen. (Bild: Michel Canonica (4. Juni 2017))

Nach der Raststätte Thurau Süd muss auch jene auf der Nordseite ihr Gastronomiekonzept anpassen. (Bild: Michel Canonica (4. Juni 2017))

Thomas Griesser Kym

Vor gut drei Jahren hat die Gruppe Thurau die Raststätte Thurau Süd an der Autobahn A1 zwischen Oberbüren und Wil umgebaut. Seither gibt es dort kein bedientes Restaurant mehr, dafür aber eine Frischetheke und, als ein­gemieteten Systemgastronomen, einen McDonald’s.

Nun lässt die Gruppe Thurau, die 250 Angestellte hat, erneut die Baumaschinen auffahren, aber in ungleich grösserem Stil. Zum einen wird in absehbarer Zeit die Thurau Nord erneuert. Zum anderen ist zwischen Buchs und Sevelen gerade die Raststätte Rheintal Ost abgebrochen worden. Die Neueröffnung ist auf kommenden 1. November vorgesehen. An der Raststätte Rheintal hält die Raststätte Thurau AG als Muttergesellschaft der Gruppe gut 50%. Zum Dritten haben schon gegen Ende vergangenen Jahres in Vorarlberg die Arbeiten begonnen, um die Raststation Hörbranz zu bauen. Für dieses Projekt hatte die Gruppe Thurau nach längeren rechtlichen Auseinandersetzungen vergangenen Sommer nach höchstrichterlichem Entscheid die Baubewilligung erhalten. Geplant ist, dass die Raststätte Hörbranz rechtzeitig auf die Sommersaison 2018 hin eröffnet.

Die Frischetheke als Vorbild bei Um- und Neubauten

Mit der Einrichtung der Frischetheke in der Thurau Süd hatte man, wie Verwaltungsratspräsident Erwin Scherrer sagt, einem Trend Rechnung getragen. Dieser zeigt eine Verschiebung «weg von der klassischen Gastronomie hin zu rascher, frischer Ver­pflegung über die Theke». Laut Scherrer hält dieser Trend «unvermindert» an. An der Rast­stätte Thurau etwa sank der Gastronomieumsatz 2016 um über 5% (siehe Grafik). Dieser Rückgang sei weitgehend auf das bediente Restaurant auf der Nordseite zurückzuführen. Die Frischetheke auf der Südseite habe dagegen die Umsätze knapp gehalten. Dass die Bilanz nicht besser ausfiel, erklärt Scherrer auch mit der Frankenstärke, die ausländische Durchreisende zu weniger Konsumation verleitet, und dem «immer dichter werdenden Netz an Tankstellenshops».

Als Folge hat die Gruppe Thurau weitere Schritte eingeleitet. So wurde die Abendkarte des Restaurants der Thurau Nord gestrafft, was die Einsatzzeit des Personals «spürbar» und damit die Personalkosten «markant» reduziert hat. Zudem wird das Konzept der Frischetheke bei allen Erneuerungen und Neubauten, also Thurau Nord, Rheintal Ost und West sowie Hörbranz, weiterentwickelt. Gleichzeitig verhandelt man mit Systemgastronomen über mögliche Kooperationen. Ferner sei es an der Thurau Nord zwingend, dieses Jahr die Tanksäulen zu erneuern. Scherrer betont, die Treibstoffe an den Raststätten der Gruppe Thurau würden zu Marktpreisen verkauft; sie seien also nicht teurer als an Tankstellen in der Umgebung abseits der Autobahn.

Auffallend ist, dass die Raststätte Rheintal ihre Umsätze und den Treibstoffabsatz vergangenes Jahr gesteigert hat. Man habe auch dort den Personaleinsatz optimiert und profitiere von besseren Margen auf Treibstoff. Zuvor hatte die Raststätte Rheintal «schwierige Vorjahre mit einschneidenden Umsatzrückgängen» hinter sich. Mit ein Grund dafür ist die Grenzlage. «Wie ein Leuchtturm in der Brandung» steht dagegen die Raststätte Walensee da, an der die Raststätte Thurau AG ebenfalls gut 50% hält. Die Raststätte Walensee bei Unterterzen könne auf eine sehr treue Kundschaft zählen.

Verstärkung in der Geschäftsleitung

Insgesamt hat die Gruppe Thurau vergangenes Jahr einen Betriebsertrag (Umsatz) von 27,5 Mio. Fr. erarbeitet, knapp 100000 Fr. weniger als 2015. Beim Betriebsergebnis zeigt sich ein Anstieg von 1,2 Mio. Fr. auf 1,75 Mio. Fr., und der Jahresgewinn wurde von 700000 Fr. auf gut 1 Mio. Fr. gesteigert. Weil die Bauprojekte Peter Hofstetter als Geschäftsleiter der Gruppe Thurau zusätzlich fordern, wurde per Anfang Februar Sandra Lipinski als seine Stellvertreterin neu eingestellt.