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In der Sodastream-Fabrik nahe Gaza arbeiten 2100 Muslime und Juden

Sodastream propagiert in seiner Wüsten-Fabrik die heile Welt - doch es gibt Fragezeichen.
Benjamin Weinmann
Muslimische Sodastream-Mitarbeiter beim Abendgebet vor der Produktionshalle. (Bild: Jim Hollander/EPA/Keystone, Rahat, 13. Juni 2018)

Muslimische Sodastream-Mitarbeiter beim Abendgebet vor der Produktionshalle. (Bild: Jim Hollander/EPA/Keystone, Rahat, 13. Juni 2018)

Es ist das Lieblingsthema von Firmenchef Daniel Birnbaum: Die friedliche Zusammenarbeit von 2100 Muslimen und Juden, von Palästinensern und Israelis in der Sodastream-Fabrik in der Negev-Wüste, eine Fahrstunde südlich von Tel Aviv und nur 22 Kilometer vom Kriegsgebiet Gaza entfernt. Diese «Island of Peace» (Deutsch: Friedensinsel) ist der Anlass, weshalb Birnbaum internationale Medienvertreter nach Israel eingeladen hat.

Tatsächlich ist die Fabrik ein Ausnahmefall. Im Alltag gibt es wenige Israelis, die Palästinenser kennen und umgekehrt. Bei der Führung durch das 86'000 Quadratmeter grosse Fabrikgelände - auch die «Huffington Post» und der «Stern» sind anwesend - gibt Birnbaum den Patron und Friedensstifter in Personalunion. Den fastenden Muslimen an den Fliessbändern ruft er ein euphorisches «Ramadan Kareem» zu. Viele nennt er beim Namen. Alle Mitarbeitende erhielten den gleichen Einstiegslohn und die gleichen Aufstiegschancen, sagt Birnbaum. In der Fabrik gibt es Gebetsräume für Muslime und eine Synagoge für Juden. Auch Frauen aus nahe gelegenen Beduinen-Dörfern arbeiten hier.

Popsongs und Friedenstauben

Den Medienvertretern werden Angestellte präsentiert, die berichten, wie froh sie sind, bei Sodastream arbeiten zu dürfen, und wie friedlich hier Araber und Israelis miteinander umgehen. Man sei eine grosse Familie, betont Birnbaum. An den Esstischen in der Kantine wird aber ersichtlich, dass auch in der «Friedensinsel» die Durchmischung Grenzen kennt.

Birnbaum ist der geborene Verkäufer, der aus dem löblichen Sodastream-Modell eine pazifistische Werbeshow veranstaltet. Beim riesigen Fastenbrechen-Abendessen lässt er den «Bubbles of Hope»-Chor, bestehend aus Angestellten, auf einer Multimedia-Bühne Friedenslieder singen. Auch Kinder treten auf und lassen weisse Tauben in den Nachthimmel fliegen. Den anwesenden US-Botschafter freuts. Zum Schluss singt Birnbaum selbst den Frieden herbei, nachdem er zuvor in einer pathetischen Rede die Politiker kritisiert hat, da sie keine Konfliktlösung herbeiführen, so wie das Sodastream geschafft habe. Und immer wieder: «The time for peace is now!» – jetzt ist die Zeit für Frieden!

Die Heilsbringershow führt bei den Journalisten zu Diskussionen: Wie viel pazifistische Überzeugung steckt dahinter und viel davon ist PR-Kalkül? Oder bereitet da einer gar seinen Einstieg in die Politik vor? Die Kampagne könnte Birnbaum locker selbst finanzieren: Mit dem Verkauf von Sodastream an Pepsi dürfte er je nach Geschäftsverlauf bis zu 60 Millionen Dollar verdienen.

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