SYMPOSIUM
In der Pandemie wird es eng im Kleinstaat

In der Coronakrise rissen Verbindungen ab: Grenzen wurden geschlossen, Lieferketten stockten - und jedes Land schaute erst mal für sich selbst. Eine Diskussionsrunde am St.Gallen Symposium ging diesen Effekten nach. Und frage, wie man wieder enger zusammen arbeiten kann.

Kaspar Enz
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Bundesrätin Karin Keller-Sutter am St.Gallen Symposium.

Bundesrätin Karin Keller-Sutter am St.Gallen Symposium.

Bild: Ralph Ribi

«Was haben Sie aus der Pandemie gelernt?» Die Frage des kanadischen Botschafters in China, Dominic Barton, war an die Schweizer Justizministerin gerichtet. «Zuerst hatte man die Pandemie in Europa unterschätzt», antwortete Karin Keller-Sutter. Das ging auch ihr selbst so, erinnert sie sich. «Im Januar noch schaute ich die Nachrichten, es ging um den Virus in China. Mein Mann, ein Arzt, sagte, der Virus komme bald zu uns. Ich glaubte ihm nicht.» Trotz Pandemieplänen und Risikobewertungen: Gerade in Europa war man kaum vorbereitet, sagte sie.

Etwas anders formuliert es Christoph Heusgen, ständiger Vertreter Deutschlands bei der UNO in New York. Man habe auch in Europa gewusst, dass eine solche Pandemie möglich sei. Aber das reiche nicht. «Man muss auch bereit sein, zu handeln», sagt Heusgen, der in den 1970er Jahren an der HSG studierte. Was bedeute, dass man sich vorbereite, dass man auch in ruhigen Zeiten in Kapazitäten investiere, um der Krise zu begegnen. Das habe gefehlt. Ähnliches befürchtet Heusgen auch in der Klimafrage. «Es scheint, dass wir erst handeln, wenn die Krise schon da ist.»

UNO war blockiert

Auch beim Klima wäre es wichtig, dass die Weltgemeinschaf gemeinsam handelt. Doch in der Coronakrise war das Anfangs kaum möglich. «Die UNO war praktisch blockiert», sagt Heusgen. Der Gegensatz zwischen den USA und China und Differenzen über die Rolle der Weltgesundheitsorganisation habe die Zusammenarbeit erschwert.

Nicht nur hier brachen Verbindungen ab. Grenzen wurden geschlossen, Lieferketten stockten, Flughäfen sowieso. Schwierig für ein Land wie die Schweiz, die stark mit den Nachbarländern verbunden ist, wie Keller-Sutter betonte. Auch in der Ostschweiz: Die Beziehungen über die Grenzen, wirtschaftliche wie familiäre oder freundschaftliche, seien eng. Das habe sich auch daran gezeigt, dass es Proteste gegen die Grenzschliessungen gegeben habe. «Eigentlich ein gutes Zeichen.»

Die Lebensadern des Inselstaates

Das gilt noch mehr für den Singapur. Dort unterschätze man Covid-19 nicht. «Wir hatten Erfahrungen mit SARS», sagte Transportminister Ong Ye Kung. Doch Corona traf die beiden Lungen der Insel: Den Flughafen und den Seehafen. Beide sind für den Kleinstaat überlebenswichtig. Diese Verbindungen wieder zum Laufen zu bringen, sei eine der wichtigsten Herausforderungen in der Pandemie gewesen - und ist es weiterhin.

Doch es gibt Zuversicht, dass die Verbindungen wieder hergestellt werden können. «Anfangs schauten alle Länder für sich selbst», sagte Keller-Sutter. Aber mit der Zeit habe man eingesehen, dass man einander helfen muss, sagte sie.

Fortschritte gibt es auch in Singapur. Der Seehafen, der zweitgrösste der Welt, laufe wieder, wenn auch mit aufwendigen Schutzkonzepten. Auch der Austausch von Crews sei wieder möglich. Weitgehend still ist es weiterhin auf dem Flughafen. «Die Herausforderung ist es, den Flugverkehr ohne Quarantäne zu ermöglichen», sagte Ong Ye Kung. Dafür gebe es in Singapur bereits die Möglichkeit, Sitzungen am Flughafen abzuhalten - in mit Glas getrennten Räumen. Helfen könnten auch Tests und Impfstoffe. «Man muss sich auch überlegen, den Flugverkehr mit sicheren Staaten wieder aufzunehmen.»

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