In der Küche brennen die Preise an: Bekanntes Geschäft für Kücheneinrichtungen schliesst 

Das Krienser Kücheneinrichtungsgeschäft Waser gibt im Sommer den Betrieb auf. Die Schliessung macht den unerbittlichen Preiskampf deutlich, der in der Branche tobt.

Rainer Rickenbach
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«Nun gilt es, für die Mitarbeitenden eine Lösung zu finden»: Inhaber Damian Hunkeler im Ausstellungsraum in Kriens. (Bild: Dominik Wunderli, 16. Mai 2019)

«Nun gilt es, für die Mitarbeitenden eine Lösung zu finden»: Inhaber Damian Hunkeler im Ausstellungsraum in Kriens. (Bild: Dominik Wunderli, 16. Mai 2019)

Ende Juli gehen in den Räumen des Familienunternehmens Waser die Lichter aus. Der Entscheid, den Betrieb einzustellen, sei ihm sehr schwergefallen, sagt Damian Hunkeler. Er führt zusammen mit seiner Frau Daniela den Kücheneinrichtungsbetrieb im Krienser Gewerbegebiet Sternmatt/Nidfeld seit gut 16 Jahren. Der Firmenname Waser stammt vom Vorbesitzer, der wegen fehlender Nachfolgeregelung das Unternehmen 2003 verkaufte. Für Hunkeler bot der Kauf die Gelegenheit, einen eigenen Familienbetrieb zu führen.

Heute sagt Hunkeler: «Hätte ich den Betrieb einfach weiterlaufen lassen, wären wir bald einmal nicht mehr in der Lage gewesen, unsere Qualität zu kostendeckenden Preisen zu halten und unseren Mitarbeitern faire Anstellungsbedingungen zu bieten.» Darum habe er sich zum geordneten Rückzug entschlossen.

Von den früher elf Mitarbeitenden haben bereits einige eine Anschlussstelle gefunden, andere stehen mit neuen Arbeitgebern in Verhandlungen. Hunkeler: «Wir unterstützen sie natürlich bei der Neuorientierung intensiv.» Auf der Webseite der Firma wird für Ausstellungsküchen zu Schnäppchenpreisen geworben, nächste Woche geht am Freitag und Samstag «ein grosser Abverkauf» über die Bühne.

Im Sandwich zwischen Grossen und Kleinen

Das KMU stellt die Wohnungsküchen und Haushaltsgeräte nicht selber her. Dafür arbeitet es mit Schweizer Herstellern zusammen. Es entwirft Pläne und besitzt in Hergiswil eine eigene kleine Schreinerei für Anpassungsarbeiten. Dort ist auch der Montagetrupp angesiedelt. In Kriens befinden sich die Ausstellungsräume, wo die Kunden beim Kauf und für die Zeit danach etwa bei Garantiearbeiten beraten werden. Das Geschäftsmodell funktionierte lange Zeit gut. Das Unternehmen verkaufte jährlich rund 400 Küchen für Privathaushalte. Bis sich 2012 auf einen Schlag mit der Euro-Krise die Preisschere zwischen ausländischen Anbietern und inländischen Küchenspezialisten weit zu öffnen begann.

«Es besteht ein strukturelles Überangebot. Wo viele Anbieter sich konkurrieren, steht der Preis und nicht mehr die Qualität im Mittelpunkt»: Rainer Klein, Branchenverband Küche Schweiz

«In der Schweiz gab es schon immer importierte Küchen. Doch mit dem Wertzerfall des Euro erhöhte sich der Preisdruck enorm. In Deutschland entstanden entlang der Grenze zahlreiche Möbelhäuser, die gezielt auf den Schweizer Markt ausgerichtet sind», so Hunkeler. Sie hatten nicht nur wegen der Währung und den grossen Mengenserien einen Preisvorteil, auch die Montage konnten sie günstiger verrechnen. Hunkeler: «In Deutschland verdient ein Monteur vielleicht 1800 Euro im Monat. In der Schweiz liegt der Mindestlohn bei 4500 Franken.» Die Firma Waser reagierte auf den verschärften Preiskampf, indem sie die eigenen Kosten senkte und bei den Zulieferern Rabatte herausholte. Nur: Der Bauboom hat in der Schweiz seinen Höhepunkt überschritten. Die Zahl der Baugesuche ist leicht rückläufig, die Zahl der leer stehenden Wohnungen wächst. «Natürlich entstehen weitere Überbauungen mit 300 oder 400 Wohnungen. Doch diese werden von General- und Totalunternehmen gebaut, bei denen der Preis oft Vorrang gegenüber der Qualität hat. Diese Entwicklung dehnt sich auch in zunehmendem Masse auf den Bau kleinerer Siedlungen aus.»

Am andern Ende des Spektrums haben sich auch Schweizer Schreinereien im Küchengeschäft etabliert. Sie bieten die Holzarbeiten, die ein Fünftel bis ein Viertel der Kosten ausmachen, zu tieferen Preisen an. Da sie nebst Küchen noch andere Holzarbeiten ausführen, können sie mit Mischrechnungen preislich mithalten. Für kleine, spezialisierte Anbieter wie Waser bietet sich in diesem Umfeld hingegen wenig Spielraum.

Marktanteil der ausländischen Küchen beträgt 60 Prozent

Rainer Klein vom Branchenverband Küche Schweiz bestätigt Hunkelers Einschätzung. «Es besteht ein strukturelles Überangebot. Wo viele Anbieter sich konkurrieren, steht der Preis und nicht mehr die Qualität im Mittelpunkt», sagt er. Der Schweizer Küchenmarkt erreicht ein Volumen von jährlich rund 2 Milliarden Franken. 850 Millionen Franken entfallen auf Neubauten, der grosse Rest auf Umbauten. Der Marktanteil der im Ausland angefertigten Küchen beträgt 60 Prozent. Es sind vor allem deutsche Küchenbauer, die in der Schweiz ihre Geschäfte betreiben. Sie produzieren in ihrem Heimatland industriell und in grossen Mengen. Ihre Filialen nahe der Grenze locken im Internet mit Küchen schon ab 5000 Franken – doch die Angebote sagen wenig darüber aus, was der Kunde letztlich erhält. Kommt hinzu: Kosten für Sanitär, Strom, Transport und Montage sind bei den Lockvogelangeboten nicht berücksichtigt. Klein bezweifelt, ob es sich für die Eigenheimbesitzer wirklich lohnt, im Ausland einzukaufen.

«Wir haben Angebote verglichen. Die Preise haben sich seit 2015 stark angeglichen. Von einem eigentlichen Preisvorteil im grenznahen süddeutschen Raum kann nicht mehr ausgegangen werden», sagt Klein.

Auch Marktführer Veriset muss hart kalkulieren

Kommt hinzu: Die Nutzungsdauer einer in der Schweiz verbauten Küche beträgt rund 30 Jahre. Das ist wesentlich länger als bei der ausländischen Konkurrenz. Der Grund: Die Ansprüche an Fertigungs- und Servicequalität der ­Schweizer Küchenprofis sind hoch. «Vor diesem Hintergrund lohnt sich eine Investition von 25'000 Franken in die eigene Küche», sagt Klein.

Den Markt schätzt er als stark ­fragmentiert ein. «Der Umbaumarkt ist robust. Bei den Neubauten hingegen haben General- und Totalunternehmen mit klaren Renditevorgaben das Sagen. Dort bleibt nicht immer, aber oft die Qualität auf der Strecke», so Klein. Diese Unterscheidung macht auch Peter Holliger, Verkaufschef bei Veriset in Root, dem grössten Schweizer Küchenunternehmen für Privathaushalte. Das Familienunternehmen liefert im Jahr rund 20'000 Küchen an Endkunden und Händler aus und beschäftigt 270 Mitarbeitende. Trotz der beträchtlichen Grösse muss auch Veriset genau kalkulieren. «Der Konkurrenzkampf wird hart geführt. Wir optimieren, wo es nur geht, um in der Lage zu sein, mit den Preisen der ausländischen Küchenverkäufer mitzuhalten.» Andere grössere Anbieter sind an diesem Dauer-Kraftakt gescheitert: In den zurückliegenden zwei Jahren mussten mit Bruno Piatti und Alno zwei Branchengrössen Konkurs anmelden.

Ein derart unschönes Ende hat Damian Hunkeler rechtzeitig abgewendet. Wie es für ihn nach der Betriebsschliessung weitergeht, weiss der der 55-jährige Stadtluzerner FDP-Kantonsrat noch nicht. «Zuerst einmal geht es darum, für die Mitarbeitenden eine Lösung zu finden, die noch keine neue Stelle haben, und das Unternehmen sauber abzuwickeln. Was danach folgt, wird sich weisen», sagt er.

V-Zug soll eigenständig werden

Das Geschäft mit den V-Zug-Haushaltsgeräten soll an die Börse. Dies prüft der Mutterkonzern Metall Zug. Die Kotierung könnte bereits 2020 erfolgen.
Raphael Bühlmann