In der digitalen Welt daheim

Die Computerwelt wandelt sich immer noch rasant. Zahlreiche Unternehmen sind gekommen und verschwunden. Die Ostschweizer Abacus Research hingegen ist mit ihrer Firmensoftware in den letzten 25 Jahren fortlaufend gewachsen.

Thorsten Fischer
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Leiten Abacus Research (von links): Daniel Senn, Martin Riedener, Eliano Ramelli, Ursula Beutter, Claudio Hintermann und Thomas Köberl. (Bild: Urs Jaudas)

Leiten Abacus Research (von links): Daniel Senn, Martin Riedener, Eliano Ramelli, Ursula Beutter, Claudio Hintermann und Thomas Köberl. (Bild: Urs Jaudas)

Wittenbach. Ein Vierteljahrhundert ist in der Softwarebranche eine lange Zeit. Die Computer etablierten sich vor 25 Jahren gerade erst in der Arbeitswelt. Rechner für zu Hause waren noch die Ausnahme. Heute sind Computer schneller, platzsparender, und im Innern werkeln neue Technologien. Die Ostschweizer Abacus Research – eine der ersten Softwarefirmen der Schweiz – hat den Wandel in der Bürowelt mitgeprägt.

«Heute sind wir mit unserer Business-Software in zahlreichen Branchen vertreten», sagt Thomas Köberl, Geschäftsleitungsmitglied und zuständig fürs Marketing.

Auf Abacus-Produkte greifen schweizweit Klein- und Mittelunternehmen (KMU), Treuhandfirmen, aber auch Gemeinden, Städte, Schulen oder Energieversorger zurück. Die Lohnbuchhaltung kommt auch in Grossbetrieben zum Einsatz.

Dabei geht es längst nicht mehr nur um Salärabrechnungen oder Finanzbuchhaltungen, sondern um die gesamte Planung von Ressourcen, Auftragseingängen usw. Aktuell sind bei 35 000 Kunden mehr als 76 000 Softwaremodule von Abacus installiert.

Unabhängige Tüftler

Die Geschäftsleitung ist fast immer noch in Originalbesetzung – wie zum Zeitpunkt der Gründung in den 80er-Jahren. Eliano Ramelli, Claudio Hintermann und Thomas Köberl fanden während ihrer HSG-Studienzeit zusammen.

Begeistert von der Idee, selbst eine neue Buchhaltungssoftware zu programmieren. In den Anfangsjahren stiess auch der heutige Entwicklungsleiter Daniel Senn dazu. Seit acht Jahren ausserdem in der Geschäftsleitung mit dabei sind Ursula Beutter und Martin Riedener. Die im Lauf der Zeit immer stärker expandierende Firma ist bis heute unabhängig geblieben.

Zu tüfteln angefangen haben die Gründer allerdings nicht in einer Garage – wie es dem gängigen Gründungsmythos in der Branche entspricht – sondern in ihrer Studentenbude. Es folgte ein kleines Büro im Osten St. Gallens. Mittlerweile arbeiten die 200 Mitarbeitenden an einem eigenen Firmensitz in Wittenbach: Ein kühn geschwungener Glasbau mit italienischer Handschrift, der auch im kalifornischen Silicon Valley stehen könnte. Seit letztem Jahr besteht zudem eine Tochterfirma in München.

Auch das Arbeitsumfeld am Ostschweizer Hauptsitz erinnert an internationale Standards. Fürs Personal stehen Fitnesscenter, Bar und Musikraum zur Verfügung. Hinzu kommen zwei öffentlich zugängliche Restaurants – eine Pizzeria sowie ein Gourmetrestaurant mit höheren gastronomischen Weihen.

Hinter alledem steht aber nicht knallhartes, geschäftliches Kalkül.

«Eigentlich wollten wir nur unser Umfeld so angenehm wie möglich gestalten», erklärt Claudio Hintermann, der das operative Geschäft leitet. Vorangekommen ist die einstige Studentenfirma meist durch spontane Entscheide und viel kreatives Ausprobieren.

Vernetztes und papierloses Büro

Von Zeit zu Zeit stehen dennoch strategische Weichenstellungen an. Etwa, wenn es darum geht, welche Ideen umgesetzt werden.

Laut Finanzchef Eliano Ramelli kommt die Hälfte der Vorschläge von innen, die andere basiert auf Inputs von Kunden. Mitunter gibt es auch technische Kooperationen wie bei der digitalen Signatur, welche die Echtheit von elektronischen Dokumenten bestätigt. Auf dieser Grundlage konnte eine Software-Version geschaffen werden, die ein vollständig papierloses Büro ermöglicht.

Auch das Phänomen der intensiven digitalen Vernetzung, die immer mehr Lebensbereiche durchdringt, wird bei Abacus sichtbar. In der neusten Produktfamilie müssen Software und Daten nicht mehr lokal installiert werden. Sie sind via Internet von überall her abrufbar. Auch künftig bleibt das frühe Aufspüren von Trends eine Herausforderung: Denn der technologische Fortschritt verläuft noch temporeicher als früher.

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