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Büromöbel: Das St.Galler Traditionsunternehmen Lista Office flüchtet sich unter die Fittiche chinesischer Investoren

Der St. Galler Büromöbelherstellerin Lista Office ist der Heimmarkt Schweiz zu eng geworden. Die Inhaberfamilie Lienhard sieht die Lösung im Verkauf der Firma an den chinesischen Henglin-Konzern, der global aktiv ist und neue Vertriebskanäle öffnen soll.
Thomas Griesser Kym
Stellen mit dem Verkauf der Lista Office die Weichen für ihr Unternehmen: die bisherige Verwaltungsratspräsidentin Franziska Lienhard Nava und ihr Vater Fredy A. Lienhard. (Bild: Ralph Ribi (Gossau, 3. Juni 2019))

Stellen mit dem Verkauf der Lista Office die Weichen für ihr Unternehmen: die bisherige Verwaltungsratspräsidentin Franziska Lienhard Nava und ihr Vater Fredy A. Lienhard. (Bild: Ralph Ribi (Gossau, 3. Juni 2019))

Eine Ostschweizer Unternehmerfamilie verkauft ihre alteingesessene Firma an ein chinesisches Unternehmen und erntet dafür bei der Bekanntgabe vor versammelter Belegschaft einen «Riesenapplaus». So jedenfalls beschreibt es Fredy A. Lienhard, der die Lista Office Group nach dem Tod seines Vaters, des Firmengründers Alfred Lienhard, der 1970 starb, kontinuierlich weiterentwickelt hat.

Fredy A. Lienhard und seine Tochter Franziska Lienhard Na­va, der er 2014 das Verwaltungsratspräsidium der Lista Office übergeben hat, haben die Übergabe von langer Hand und sorgfältig vorbereitet. Den Mitarbeitenden – 200 an den beiden Produktionsstandorten Degersheim und Arnegg sowie 130 in zwölf Verkaufsniederlassungen und an sieben Logistik-Drehscheiben – wurde früh reiner Wein eingeschenkt. Diese waren informiert, dass die Familie Lienhard einen strategischen Partner für die Lista Office Group suchte. Nun ist dieser gefunden in der chinesischen Zhejiang Henglin Chair Industry Co. Ltd. mit Sitz in Anji. Das Unternehmen entwickelt, produziert und verkauft vor allem Stühle. Es wurde 1998 von der Familie Wang gegründet und 2017 an die Börse gebracht, wird aber weiterhin von der Familie geführt, und diese kontrolliert nach wie vor eine Mehrheit.

Werkplatz Schweiz soll ausgebaut werden

Über die Beweggründe für den Komplettverkauf der Lista Office Group per Ende Mai an Henglin sagt Franziska Lienhard Nava, mit Blick in die Zukunft wäre ein weiterer Alleingang zu schwierig zu bewältigen gewesen. Denn Lista ist auf den Schweizer Büromöbelmarkt mit einem Volumen von 400 bis 500 Millionen Franken konzentriert. Dieser aber sei seit zehn Jahren rückläufig, ausländische Rivalen drängten verstärkt auf den Schweizer Markt, die Margen stünden unter Druck, und Lista Office sei bereits Marktführer. «Unter all diesen Voraussetzungen ist weiteres Wachstum aus eigener Kraft sehr schwierig», sagt Fredy A. Lienhard.

Die Lösung fand die Familie deshalb in der Internationalisierung. Dafür aber hätte man selber Firmen zukaufen müssen, denn «der Büromöbelmarkt ist ein sehr lokales Geschäft», und «neue Produkte allein hätten keinen internationalen Durchbruch gebracht», sagt Franziska Lienhard Nava. Expansion durch Akquisitionen aber hätte die eigenen Möglichkeiten überstiegen, und Versuchen in früheren Jahren mit Vertriebsgesellschaften in Österreich, Deutschland und Grossbritannien war kein Erfolg beschieden. Weshalb sich die Familie Lienhard vor zwei Jahren auf die Suche nach Investoren machte.

Nach Kontakten zu diversen Unternehmen aus Europa, Amerika und Asien fiel die Wahl schliesslich auf Henglin. Das Unternehmen hat über 3000 Mitarbeitende, setzt über 300 Millionen Franken um und exportiert in gut 80 Länder weltweit. Angetan zeigt sich Franziska Lienhard Nava ausserdem von der Unternehmerfamilie Wang, die «sehr engagiert und offen» sei. «Wir haben uns sofort verstanden», erzählt Franziska Lienhard über ihre Reise nach China. Generell seien Chinesen «dynamisch, ehrgeizig und erfolgs­getrieben». Die Familie Wang plane denn auch, den Werkplatz Schweiz nach der Übernahme der Lista Office auszubauen. «Die Chancen auf mehr Arbeitsplätze sind sicher höher als bei jeder anderen Lösung», blickt Fredy A. Lienhard voraus. «Aber es wird kein Spaziergang.»

Lista Office könnte den Umsatz verdoppeln

Denn noch ist völlig offen, inwieweit sich die Büromöbel der Lista Office in die Absatzkanäle von Henglin einspeisen und verkaufen lassen. Im Visier hat man etwa China selber, wo es eine schmale, aber angesichts der schieren Grösse des Marktes eben doch bedeutende Käuferschicht für hochwertige und hochpreisige Büromöbel gebe. «Wir haben gute Produkte und eine starke Marke», sagt Fredy A. Lienhard. Und: «Chinesen sind sehr interessiert an Swissness und an Design.»

Bei Henglin kommt hinzu, dass dieses Unternehmen bisher lediglich Eigenmarken für seine Kunden produziert und noch keine Erfahrung mit Markenprodukten hat. Hier könne Henglin ebenso von Lista Office lernen wie von deren Vorsprung im Metallbau. Potenzial jedenfalls sieht Fredy A. Lienhard für Lista Office genügend, auch von der Kapazität her: «Der Umsatz an den beiden Produktionsstandorten Degersheim und Arnegg könnte verdoppelt werden. Und in Arnegg haben wir noch Landreserven.»

Die andere Lista ist bereits chinesisch

Schon einmal ist ein Lista-Unternehmen nach China verkauft worden. Mitte vergangenen Jahres veräusserte die Beteiligungsgesellschaft Capvis ihren Mehrheitsanteil an der Lista Betriebs- und Lagereinrichtungen mit 500 Mitarbeitenden und Sitz in Erlen an den chinesischen Maschinenbau- und Werkzeugkonzern Great Star. Capvis hatte die Lista Betriebs- und Lagereinrichtungen 2006 mehrheitlich von Fredy A. Lienhard übernommen, der zwei Jahre zuvor seine Lista-Gruppe in zwei Firmen aufgetrennt hatte: in die Lista Betriebs- und Lagereinrichtungen und in die Lista Office, die nun an die chinesische Henglin geht.

«Ungenügende Ergebnisse»

Lista Office habe 2013 bis 2016 «ungenügende Ergebnis­se» erarbeitet, mit operativen Margen von unter 10 Prozent des Umsatzes, aber immer mit positivem Cashflow. In den beiden vergangenen Jahren habe sich das Unternehmen wieder erholt. Dieses Jahr sollten 120 Millionen Franken Umsatz drinliegen nach «über 100 Millionen» vergangenes Jahr. (T. G.)

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