Immobilienmarkt: «Preise waren lange unter dem Durchschnitt»

Ökonom Robert Weinert beobachtet bei Wüest Partner auch den Ostschweizer Immobilienmarkt.

Jürg Zulliger
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Robert Weinert, Wüest Partner. (Bild: PD)

Robert Weinert, Wüest Partner. (Bild: PD)

Anders als im Schweizer Durchschnitt steigen die Eigenheimpreise in der Ostschweiz weiter. Warum?

Über Jahre waren die Preise hier unter dem Durchschnitt. Wir haben es quasi mit einem «Aufholeffekt» zu tun. In Ostschweizer Gemeinden fand man eher Angebote zu zahlbaren Preisen als beispielsweise in Zürich. Dies führte zu einer verstärkten Nachfrage. Kommt dazu, dass die Leute bereit sind, etwas längere Pendlerwege in Kauf zu nehmen. Das führt zu einer Verlagerung vom Arbeitsplatzzentrum Zürich in Richtung Aargau und Solothurn, aber eben auch in Richtung Ostschweiz. In einzelnen Gemeinden im Kanton Appenzell-Innerrhoden spielen noch Steuereffekte eine Rolle.

Sind Eigenheime in der Ost- schweiz auch finanzierbar?

Ein durchschnittlicher Paarhaushalt mit Kindern muss wohl ein Einkommen von rund 150 000 Franken nachweisen. Dann erfüllt er die Anforderungen der Banken, um ein Objekt mittlerer Grösse zu erwerben. Das liegt leicht unter dem Schweizer Durchschnitt.

Die Neubautätigkeit bleibt hoch und verlagert sich stärker auf Mietwohnungen. Sehen Sie Anzeichen eines Überangebots?

Wir beobachteten für die Ostschweiz tatsächlich einen Anstieg leer stehender Mietwohnungen. Gewisse, meist grössere Projekte im Rheintal, im Oberthurgau oder in der Region Wil hatten Vermarktungsprobleme. Doch inzwischen hat die Branche reagiert. Die Neubautätigkeit geht zurück. Das führt zu einer Beruhigung. Die Überproduktion dürfte im kommenden Jahr abnehmen. Hier sind andere Regionen stärker im Fokus.