IMMOBILIEN: Wohnen in einer Schuhschachtel

Nach Jahren des Rückgangs erfreuen sich Kleinwohnungen wieder grösserer Beliebtheit. Künftig sollen vor allem Mikroapartments eine wichtige Rolle spielen.

Simon Hofstetter
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Leben auf kleinstem Raum: Grundriss eines Mikroapartments. (Bild: PD)

Leben auf kleinstem Raum: Grundriss eines Mikroapartments. (Bild: PD)

Simon Hofstetter

Seit knapp 30 Jahren sind Einpersonenhaushalte in der Schweiz die häufigste Wohnform. Sie machen rund 35% aller Haushalte aus. Zwischen 1960 und 2000 ist ihr Anteil kontinuierlich gewachsen, bevor er in den letzten Jahren etwas stagnierte. Trotzdem sagen die Experten der Credit Suisse (CS) in ihrem neusten Bericht über den Schweizer Immobilienmarkt *voraus, dass die Zahl bis 2030 weiter steigen wird. Einzelpersonen bleiben deshalb auch in Zukunft eine wichtige Nachfragegruppe auf dem Wohnungsmarkt.

Nebst vielen älteren Personen, die oft als Folge des Todes ihrer Lebenspartner zum Alleinleben gezwungen werden, entscheiden sich heute auch immer mehr junge Erwachsene für ein Leben alleine. So wohnen knapp 40% der 25- bis 30-jährigen Männer und Frauen in einem Einpersonenhaushalt. Das liege unter anderem an der Urbanisierung, die den einfacheren Kontakt mit Gleichgesinnten erlaube. «Eine wichtige Rolle spielen dabei moderne Kommunikationsformen, dank derer man jederzeit und überall mit Mitmenschen in Kontakt treten kann», schreiben die CS-Autoren um Ökonom Fredy Hasenmaile.

Bedingt durch die teuren Wohnkosten in den Zentren der Schweizer Städte sowie platzsparenden technologischen Entwicklungen wächst neuerdings auch die Akzeptanz von Kleinwohnungen wieder. Nach Jahren der Stagnation ist die Anzahl neu gebauter 1- und 2-Zimmer-Wohnungen zuletzt gestiegen. Richtig Fuss fassen konnten sie in der Schweiz im Gegensatz zum Ausland aber noch nicht. Nur etwa jede zehnte Wohnung, die seit 2000 gebaut wurde, fällt unter die Kategorie Kleinwohnung.

Von Studenten bis Senioren

Die Experten der CS sagen trotzdem einen Trend zu Mikroapartments voraus. Definiert werden damit Wohnungen mit maximal 30 m2 Fläche. Trotz des begrenzten Raums sind Mikroapartments voll ausgestattet mit Kochmöglichkeit, Bad sowie Schlaf- und Wohnbereich.

Diese neue Wohnform ist laut CS-Studie in vielerlei Hinsicht attraktiv: Mikroapartments sind eine ideale Antwort für das Platzproblem in den Schweizer Zentren. Sie befriedigen zudem die Bedürfnisse einer vielfältigen Zielgruppe: Sowohl Studenten als auch Senioren, Berufseinsteiger oder Wochenaufenthalter kommen als potenzielle Mieter in Frage. Letztlich sind auch Investoren an solchen Wohnformen interessiert, da die Mieterträge pro Quadratmeter höher sind als bei klassischen Neubauwohnungen. Die Ersteller der Studie rechnen deshalb damit, dass die Nachfrage weiterhin steigen wird.

In der Ostschweiz sind die Mikroapartments jedoch momentan noch kaum ein Thema. «Die Region ist dafür zu ländlich», sagt Elias Zürcher, Geschäftsleiter des St. Galler Immobilienentwicklers Fortimo. Es überrascht deshalb nicht, dass es für die Mikroapartments in der Schweiz vor allem in Städten wie Zürich oder Genf Absatzpotenzial gibt, wo Wohnraum eher knapp und folglich auch teuer ist. «Trotzdem ist grundsätzlich auch bei uns wieder eher ein Trend in Richtung Kleinwohnungen festzustellen», fügt Zürcher an.

Kooperation mit Thurgauer Firma

Das generelle Potenzial von Mikroapartments hat auch Markus Kellermüller, Chef von i Live Schweiz, erkannt. Das Unternehmen, das in mehreren deutschen Städten bereits solche Kleinstwohnungen für Studenten anbietet, hat kürzlich mit der Thurgauer Firma Methabau aus Amriswil ein Gemeinschaftsprojekt gegründet und will nun auch in der Schweiz durchstarten. Geplant sind Mikroapartments von etwa 25 m2 für Studenten, Geschäftsleute, aber auch Mikrowohnformen für Singles jeden Alters.

In einem ersten Schritt stehe dabei vor allem das studentische Wohnen in Schweizer Universitätsstädten im Fokus. Die Ostschweiz ist dabei in den Überlegungen von Kellermüller durchaus von Bedeutung. «Neben Zürich, Basel, Winterthur, Luzern, Bern, Genf oder Lausanne kommt mit Sicherheit auch St. Gallen für unsere Mikroapartments in Frage.»

Hinweis

* www.credit-suisse.com/

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