IMMOBILIEN: Ein Schwarm von Hausbesitzern

Mit Crowdli hat in Frauenfeld das zweite Immobilienportal dieser Art in der Schweiz seine Arbeit aufgenommen. Es bietet Immobilien als Kapitalanlagen an. Das erste Liegenschaftsprojekt steht in St. Margarethen.

Stefan Borkert
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Felix Helling, Sophie Hundertmark und Reto Fierz (v.l.) gehören zum Startteam der Frauenfelder Crowdli AG. (Bild: Andrea Stalder)

Felix Helling, Sophie Hundertmark und Reto Fierz (v.l.) gehören zum Startteam der Frauenfelder Crowdli AG. (Bild: Andrea Stalder)

Stefan Borkert

Immobilienfonds bekommen Konkurrenz. Crowdli, ein Start-up- Unternehmen aus Frauenfeld, ist im Sommer letzten Jahres gegründet worden und hat nun mit der ersten Immobilie seine Arbeit aufgenommen. Weitere Objekte sind bereits in der Pipeline. «Wir wollten wenigstens die zweiten in der Schweiz sein», sagt Felix Helling, der die Idee zur Schwarmfinanzierung von Liegenschaften schon 2010 aus den USA mitgebracht hatte. Zusammen mit Freund Raphael Hagspiel hat er einen Businessplan und die Geschäftsidee entwickelt. Helling arbeitet bei der Vermögensberatung Azemos AG in Frauenfeld. In Azemos-Gründer Roger Bigger, ehemaliger Präsident des FC Wil, und Azemos-Verwaltungsrat Reto Fierz hatten Hagspiel und Helling zwei weitere Mitgründer von Crowdli gefunden. Ausserdem unterstützen drei Business-Angel das Start-up. «Wir finden die Geschäftsidee viel versprechend», sagt Reto Fierz.

Crowdfunding wächst stark in der Schweiz

Doch zunächst rutschte Crowdli wieder in die zweite Reihe. «Als wir sahen, dass der Zürcher Mitbewerber Crowdhouse erfolgreich losgelegt hatte, haben wir das Projekt wieder aufgenommen», betont Helling. Tatsächlich hat Crowdhouse in kurzer Zeit Start-up-Preise eingeheimst, und auch die Luzerner Kantonalbank hat sich an dem Unternehmen beteiligt. Durch Crowdfunding beschaffen Unternehmen und Private Mittel über das Internet, um Projekte zu finanzieren. Das Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern hat mit einer Studie zum ersten Mal aufgezeigt, wie verbreitet Crowdfunding in der Schweiz ist, und stellt nun mit einem jährlichen Monitoring die Veränderungen dar. Das Potenzial ist enorm. Waren es 2013 noch 11,6 Mio. Fr., so wurden 2014 bereits 15,8 Mio. Fr. durch Crowdfunding vermittelt, und 2015 stieg das Volumen um 73% auf 27,3 Mio. Fr. an. Tendenz weiter steigend. «Ende 2015 registrierten wir in der Schweiz deutlich über 30 Plattformen, und bis April 2016 ist dieser Wert sogar auf etwa 40 angestiegen», schreibt Institutsleiter Andreas Dietrich im Vorwort zur Studie 2016. Im Vergleich mit dem Ausland, insbesondere mit Grossbritannien oder den USA, sei die Relevanz von Crowdfunding als Finanzierungsquelle in der Schweiz aber als noch eher tief einzustufen. «Gleichzeitig können wir jedoch feststellen, dass sich die Struktur des Marktes und damit auch die Wachstumserwartungen deutlich geändert haben», heisst es weiter.

Bei Crowdli ist man sich sicher, auf das richtige Pferd oder gemäss dem Firmenlogo auf die richtigen Fische zu setzen. Bis Ende 2018 peilt Geschäftsführer Helling sechs Häuser im Portfolio an. Marketingchefin Sophie Hundertmark weiss um das teils angeschlagene Image der Immobilienbranche. Umso wichtiger seien deshalb Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Glaubwürdigkeit, sagt sie. Denn im Internet würden sich negative Kommentare extrem schnell verbreiten, und das sei Gift für diese Form der Finanzierung. Reto Fierz doppelt nach, bei Crowdli gebe es keine versteckten Kosten. Crowdli-Liegenschaften seien selbsttragend, und daher sei auch keine Amortisation durch eine Hypothekarschuld vorgesehen.

Das System funktioniert relativ einfach. Wer über Crowdli investiert, wird Miteigentümer an Mehrfamilienhäusern oder Gewerbeliegenschaften. Das erste Objekt, ein Mehrfamilienhaus, steht in St. Margarethen. 2,2 Mio. Fr. müssen hier zusammenkommen. Mit einem Mindestbetrag von 50000 Fr. ist man dabei mit Grundbucheintrag und allem Drum und Dran. Die erwartete Rendite beträgt 5,4%.