Imageschaden für Londoner UBS- Investmentbank

LONDON. Vor dem Londoner High Court hat die UBS eine Niederlage und erneut erheblichen Imageschaden erlitten. Die Grossbank hatte die Stadt Leipzig auf Gebühren von über 300 Mio. € verklagt, die aus dubiosen Finanztransaktionen entstanden waren.

Drucken
Teilen

LONDON. Vor dem Londoner High Court hat die UBS eine Niederlage und erneut erheblichen Imageschaden erlitten. Die Grossbank hatte die Stadt Leipzig auf Gebühren von über 300 Mio. € verklagt, die aus dubiosen Finanztransaktionen entstanden waren. Dabei handle es sich um «ein Musterbeispiel dafür, wie man ehrliches und faires Investmentbanking nicht betreiben sollte», lautete das vernichtende Urteil von Richter Stephen Males. Die UBS betonte, keine der kritisierten Angestellten seien noch für die Bank tätig: «Wir finden dieses Urteil nicht rechtens.»

Mehrjährige Haftstrafen

In dem Fall ging es um Verpflichtungen der Leipziger Wasserwerke (KWL) aus Kreditgarantien von 2006. Diese hochgiftigen verbrieften Derivate sollten angeblich die Kommune gegen Risiken aus waghalsigen Leasing-Geschäften absichern. In Wirklichkeit verlagerte sich das Risiko von der Bank auf die Stadt Leipzig. Laut Ermittlungen der US-Börsenaufsicht SEC meldete die UBS-interne Revisionsstelle Bedenken gegen das Geschäft an: Es bestehe ein «Reputationsrisiko im Falle von Verlusten». Mit Hilfe deutscher Mittelsmänner, deren Firma Value Partners in der Schweiz ansässig war, kam das Geschäft dennoch zustande; dabei flossen Bestechungsgelder in Millionenhöhe. Die zwei Vermittler und der frühere KWL-Chef Klaus Heininger wurden dafür in Deutschland zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

«Kein Unschuldslamm»

Leipzigs Anwalt Tim Lord sagte, Heininger habe hinter dem Rücken des Aufsichtsrats gehandelt. Vor allem aber habe die UBS der KWL «ein komplexes Finanzderivat ohne jeden kommerziellen Zweck» verkauft. Im Namen der UBS-Investmentbank beharrte der frühere britische Justizminister Charlie Falconer auf Zahlungen aus Leipzig: «Die KWL ist kein Unschuldslamm.»

Males kritisierte tatsächlich den KWL-Aufsichtsrat für dessen «ausserordentliche Nachlässigkeit». Wichtiger sei aber das Fehlverhalten der UBS. Deren Geschäftsbeziehung zu Value Partners sei «unangemessen eng» gewesen; daher müsse das korrupte Verhalten der Berater auch der Bank zugerechnet werden. Auch hätte die UBS wissen müssen, dass Heininger die Millionenspekulationen gar nicht hätte abschliessen dürfen. (sbo)

Aktuelle Nachrichten