Im Zentrum der Aufmerksamkeit

Auch 2015 dürften viele Impulse für die Märkte von den Zentralbanken ausgehen. Die Herausforderungen für die Anleger bleiben voraussichtlich weitgehend die gleichen.

Santosh Brivio, Economist Raiffeisen Schweiz
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Auch 2015 dürften viele Impulse für die Märkte von den Zentralbanken ausgehen. Die Herausforderungen für die Anleger bleiben voraussichtlich weitgehend die gleichen.

Schon im Jahr 2014 standen aus Anlegersicht die Zentralbanken im Mittelpunkt. Die US-Notenbank liess im Herbst ihr drittes quantitatives Lockerungsprogramm auslaufen. Während die Zeichen in den USA dementsprechend auf eine geldpolitische Normalisierung stehen, bekräftigte die EZB ihren expansiven Kurs. Hervorzuheben sind vor allem die gezielten Langfristtender (TLTRO) sowie der Ankauf von Covered Bonds und Asset Backed Securities, womit eine Bilanzausweitung um eine Billion Euro angestrebt wird. Für mehr oder weniger starke Impulse sorgten auch die Bank of Japan durch anhaltend geöffnete Geldschleusen, die Bank of England mit dem etwas unsteten Kurs hinsichtlich der Zinsanhebungserwartungen, die russische Zentralbank in ihrem Kampf gegen den Rubelzerfall sowie zuletzt die SNB mit der Einführung des Negativzinses.

Was macht die EZB?

Die Aufmerksamkeit der Anleger wird auch 2015 zu einem grossen Teil auf den Notenbanken liegen. Besonderes Interesse gilt dabei dem erwarteten ersten Zinsanhebungsschritt der Fed und der Bank of England. Ebenfalls im Fokus bleibt die EZB. Aufgrund des allfälligen Anleihekaufprogramms sind die Erwartungen weiter gestiegen. Mario Draghis Rhetorik nach zu urteilen, ist ein solches Programm nur eine Frage der Zeit. Damit dürften die Renditen europäischer Staatspapiere weiterhin unter Druck bleiben. Während die niedrigen Notierungen für Öl importierende Länder positive Impulse auf die Konsumnachfrage bewirken, sorgt das gegenwärtige Ölpreisumfeld, vor allem für auf Rohölerlöse angewiesene Volkswirtschaften, für erhebliche Schwierigkeiten. Diese dürften sich zusehends auf deren Finanzierungsbedingungen auswirken.

Aktien und Obligationen

Neben den Anstrengungen gegen die Disinflations- oder gar Deflationstendenzen findet 2015 eine ganze Reihe von bekannten wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen ihre Fortsetzung. Beispielsweise dürften die angespannte Lage zwischen Russland und dem Westen sowie ungenügende Reformanstrengungen in Italien und Frankreich auch im neuen Jahr Bestand haben. Die Krise in Griechenland ist wohl auch nach den Neuwahlen nicht ausgestanden. Zusammen mit der abnehmenden Konjunkturdynamik in China und mit den zwar intakten, aber gedämpften Wachstumsaussichten im Euroraum halten diese Umstände den Druck auf den Schweizer Franken aufrecht. Vorsichtig agierende Zentralbanken sowie ein weiterhin solider Geschäftsgang der Unternehmen dürften jedoch dafür sorgen, dass Aktien auch 2015 eine positive Rendite abwerfen – trotz anhaltender Risiken. Aktien- und Obligationeninvestoren müssen sich aber darauf einstellen, dass sich Gewinne wie 2014 nur schwer wiederholen lassen.