Im Winter eine leichte Rezession

Nach den Auguren des Bundes und Ökonomen anderer Forschungsinstitute sieht auch die ETH-Konjunkturforschungsstelle KOF eine Rezession auf die Schweiz zukommen.

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ZÜRICH. Glaubt man den Beobachtungen und Prognosen der KOF, schleicht sich die Rezession bereits an. Schon im laufenden 4. Quartal 2011 dürfte die Wirtschaft um 0,2% leicht schrumpfen, und im 1. Quartal 2012 werde die Wirtschaftsleistung um 0,1% nochmals geringfügig zurückgehen. Damit wäre die Schweiz, per Definition, mit zwei rückläufigen Quartalen in Folge technisch gesehen in einer Rezession, sagen die beiden KOF-Forscher Willy Roth und Yngve Abrahamsen.

Danach soll es aber wieder aufwärtsgehen, wenn auch zunächst so gemächlich, wie die Schweizer Wirtschaft in die Rezession geglitten war und unter dem Vorbehalt, dass die Euroschuldenkrise nicht noch intensiver wird. Aber auch im günstigeren Fall werde die Schweizer Wirtschaft im ganzen kommenden Jahr kaum wachsen: Die KOF geht in ihrer aktuellen Prognose von einer Zunahme des realen Bruttoinlandprodukts um 0,2% aus. Vor zweieinhalb Monaten, im Herbst, hatte sie noch 1,5% vorhergesagt (siehe Grafik). Deutlicher aufwärts gehen werde es erst 2013 – doch gleichen Prognosen für derart ferne Zukunft erst recht dem Blick in die Glaskugel.

Exporte im Schritttempo

Kaum Impulse verleiht derzeit der Aussenhandel. Die Exporte sind seit dem 2. Quartal 2011 rückläufig; sie «hielten dem Druck des hohen Frankens sowie der nachlassenden Auslandnachfrage nicht mehr stand», befindet die KOF. Für das 1. Halbjahr 2012 erwartet die KOF wieder ein zaghaftes Wachstum der Ausfuhren mit einer Belebung im 2. Semester. Im ganzen 2012 soll der Export um 0,8% zunehmen. Weil gleichzeitig die Importe gut dreimal stärker expandieren dürften, nehme der Beitrag des Schweizer Aussenhandels im kommenden Jahr ab.

Der getrübte Ausblick lässt die Schweizer Firmen mit Investitionen in Ausrüstungen (Maschinen, Fahrzeuge) zurückhaltend sein (–1,4%). Weiterhin stabil wachse die Bauwirtschaft (+1,8%), gestützt vor allem vom Wohnungsbau.

Höherer Mindestkurs mit Risiko

Bis zum 2. Quartal 2012 rechnet die KOF mit einem Abbau von 13 000 Stellen, bevor sich der Arbeitsmarkt zögerlich zu erholen beginne. Im Jahresschnitt 2012 rechnet die KOF mit einer Arbeitslosenquote von 3,3% (nach 3,1% 2011). Die KOF want zudem vor einer Anhebung des Mindestkurses von 1.20 Fr. auf 1.30 Fr. pro Euro: Dies könnte die Nationalbank zu massiven Devisenkäufen zwingen, verbunden mit längerfristiger Inflationsgefahr. (T. G.)