Im Spinnennetz der Oligarchen

Im Kampf um die Kontrolle über den russischen Rohstoffkonzern Norilsk Nickel zieht Milliardär Oleg Deripaska sämtliche Register – bisher erfolglos. Auch die Hyposwiss Privatbank greift er an.

Thomas Griesser Kym
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ST. GALLEN. Hyposwiss sieht sich in einen Machtkampf zwischen zwei russischen Oligarchen hineingezogen. Oleg Deripaska wirft seinem Rivalen Wladimir Potanin vor, er habe mit umstrittenen Aktientransaktionen den Rohstoffkonzern Norilsk Nickel, bei dem beide Oligarchen Grossaktionäre sind, um 1 Mrd. $ erleichtert. Bei den Transaktionen habe es sich um Scheingeschäfte gehandelt mit angeblichem Verkauf von 8% der Norilsk-Aktien an den Rohstoffkonzern Trafigura und anschliessendem, teurerem Rückkauf. Ausserdem habe Potanin mit Hilfe von Hans Bodmer zwischen Dezember 2010 und März 2011 Hunderte Millionen Franken auf Konten von Offshore-Gesellschaften hin- und hergeschoben, um die Transaktionen zu verschleiern. Die Konten, deren Adressat Bodmers Anwaltskanzlei ist, waren bei der Hyposwiss eingerichtet. Bodmer wurde später, im Juni 2011, in den Hyposwiss-Verwaltungsrat gewählt. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen ihn trat er Anfang November zurück.

Hyposwiss-Organe angezeigt

Deripaska hat gegen Bodmer Strafanzeige wegen Geldwäscherei eingereicht, ist damit aber bei der Bundesanwaltschaft abgeblitzt. Gegen diesen Entscheid hat Deripaska Beschwerde erhoben beim Bundesstrafgericht, wo der Fall hängig ist. Bei der Finanzmarktaufsicht (Finma) hängig ist die Anzeige Deripaskas gegen die verantwortlichen Hyposwiss-Organe wegen Verletzung der Sorgfaltspflicht. Der 24seitige Bericht der Revisionsfirma PWC, der Hyposwiss und deren Mutter St. Galler Kantonalbank (SGKB) tadelloses Verhalten attestiert, liegt nun ebenfalls bei der Finma. Diese will sich zum Fall nicht weiter äussern.

Rätselraten um Aktienpaket

Sollte Deripaska mit seinen bisherigen Anzeigen auf der ganzen Linie scheitern, wie ihm dies zuvor schon zwei Dutzend Mal in anderen Ländern rund um die Welt passiert ist, erwägt er eine Zivilklage auf Schadenersatz in Milliardenhöhe gegen Hyposwiss, wie er Ende November drohte.

Pikant am Mysterium des 8%- Aktienpakets von Norilsk ist, dass deren Revisionsfirma KPMG sich im Prüfbericht zum Geschäftsjahr 2010 ausserstande sah, den wirtschaftlich Berechtigten der Transaktion zu ermitteln. Laut Deripaska gingen die Aktien nicht an Trafigura, sondern für 18 $ das Stück an Potanins Holding Interros – und später für 25 $ zurück an Norilsk. Ins obskure Bild passt, dass Trafigura in der Jahresrechnung 2010/11 (per Ende September) einen Anteil von 0,9% an Norilsk ausweist. Einen finanziellen Profit jedoch, der aus einem Kauf und teurerem Rückverkauf eines weit umfangreicheren Norilsk-Aktienpakets hätte resultieren müssen, sucht man vergebens.

Und was sagt die kantonale Politik? SP-Fraktionspräsident Peter Hartmann behält sich vor, an die Adresse der SGKB weitere Fragen zu richten punkto Einhalten der Rechtsvorschriften (Compliance) und Sorgfaltspflicht.