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Im sommerlichen Hoch

Nach einem schwachen ersten Halbjahr verleihen Roche, Nestlé und Novartis dem Aktienmarkt neuen Aufwind. Doch ob sich eine anhaltende Schönwetterlage für die Blue Chips installiert, ist fraglich.
Daniel Zulauf
Positiver Leitindex – auch dank Novartis-Aktien. Bild: Georgios Kefalas/Keystone (Basel, 30. März 2017)

Positiver Leitindex – auch dank Novartis-Aktien. Bild: Georgios Kefalas/Keystone (Basel, 30. März 2017)

Die Euphorie der letzten Jahre hat sich heuer an allen Aktienmärkten dieser Welt merklich abgekühlt. Die Mixtur aus währungs- und handelspolitischen Spannungen innerhalb der Eurozone und zwischen den weltgrössten Handelsmächten verträgt sich schlecht mit der Aussicht auf eine zunehmend restriktive Versorgung der Finanzmärkte mit frischen Notenbankgeld.

Die kritische Grosswetterlage hat sich im ersten Sommermonat weiter verschlechtert. Das Risiko, dass sich die konfrontative Handelspolitik Amerikas zu einem globalen Handelskrieg ausweiten könnte, wird von den meisten Beobachtern zwar immer noch als gering eingestuft. Aber die Gefahr einer für das Wirtschaftswachstum spürbar schädlichen Eskalation ist inzwischen fester Bestandteil der Dispositionen aller Investmentstrategen.

Dreigestirn beflügelt den Leitindex

Just in diesem Klima erlebt die Schweizer Börse ihre beste Phase im bisherigen Jahresverlauf. Der Swiss-Market-Index, der die Aktien der 20 höchstkapitalisierten Unternehmen repräsentiert, hat in den letzten vier Wochen 1,6 Prozent zugelegt und damit alle anderen grossen Aktienmärkte hinter sich gelassen. Selbst der US-Leitindex S&P 500, der seit Jahresbeginn mit einem Plus von 3,3 Prozent immer noch klar die Führungsposition innehat, konnte mit der jüngsten Performance des SMI nicht Schritt halten. Der deutsche DAX, der im bisherigen Jahresverlauf zwar ebenfalls nicht brillieren konnte, hat in den letzten vier Wochen einen schönen Teil seines Vorsprungs auf den SMI eingebüsst. Von einem breit abgestützten Aufschwung der Schweizer Börse kann allerdings nicht die Rede sein. Ausschlaggebend für den Zwischensprint sind allein die drei Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis, die zusammen mehr als 50 Prozent des ganzen Index repräsentieren. Während die drei Titel im bisherigen Jahresverlauf zwischen 5 Prozent (Nestlé) und 10 Prozent (Roche) an Wert verloren haben, legten sie in den vergangenen 30 Tagen über 7 Prozent (Roche, Nestlé) bzw. mehr als 3 Prozent (Novartis) zu. Mehr als die Hälfte aller SMI-Titel notieren sowohl seit Jahresbeginn wie auch im 30-Tage-Vergleich im Minus, und dies zum Teil sehr deutlich. Die zuletzt überraschend gute Performance des SMI ist deshalb weniger ein Beleg für die guten Aussichten der Schweizer Unternehmen als vielmehr ein Zeichen für die angespannte Situation auf den Finanzmärkten. In den Portfolios der Genfer Privatbank Pictet werden Aktien in Anbetracht der gestiegenen Risiken weiterhin untergewichtet. Doch sektoriell setzt die Bank neuerdings einen Schwerpunkt auf Aktien von defensiven, nicht zyklischen Konsumgüterherstellern, zu denen typischerweise Nestlé gehört.

Mit dem gleichen Argument und dem Hinweis auf die im ­internationalen Vergleich über­durchschnittlich grosszügige Divi­dendenausschüttungspolitik favorisierten jüngst auch die Credit-Suisse-Strategen die heimatlichen Werte. Doch nach der «signifikanten» Preisbewegung erachtet man dort die Bewertung der drei tonangebenden helvetischen Blue Chips aber nicht mehr als ganz so attraktiv. Für den Fall einer weiteren Eskalation des Handelskonfliktes, der zu einer Aufwertung des Frankens führen könnte, seien die Aktien von kleineren und mittelgrossen Unternehmen am besten positioniert.

Klima kann schnell umschlagen

Was wie ein Widerspruch tönt, ist nicht unbedingt einer. Die Genfer Investmentgesellschaft Unigestion schätzt, dass die USA mit einer Erhöhung ihrer Importzölle auf ein Niveau von 10 Prozent und unter Berücksichtigung der Gegenmassnahmen einen Rückgang des Weltwirtschaftswachstums über zwei Jahre von lediglich 0,23 Prozent bewirken würde. Die Folgen eines solchen Handelskrieges tönen nicht schrecklich genug, um Investoren aus den Aktienmärkten zu verscheuchen. Trotzdem sehen die Credit-Suisse-Ökonomen die Wahrscheinlichkeit, dass sich noch eine panikartige Stimmung ausbreiten könnte. Ein Grund dafür ist, dass viele Investoren auf der Suche nach höheren Renditen entsprechende Risiken eingegangen sind, die im gegenwärtigen Klima schnell bedrohliche Züge annehmen könnten.

Realwirtschaftlich gibt es für diese Ökonomen aber keinen Grund für eine Panik. Sollte diese trotzdem um sich greifen, könnte sich der schöne Sommer am Schweizer Aktienmarkt tatsächlich noch weit in den Herbst fortsetzen und auch Titel ausserhalb des dominanten Dreigestirns erfassen. Allerdings ist dies eine relative Betrachtung, denn wirklich schön kann ein Sommer hierzulande nicht werden.

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