Im Ländle laufen die Geschäfte

Autobauer setzen immer stärker auf elektrisch unterstützte Lenksysteme. ThyssenKrupp Presta, der grösste Arbeitgeber des Fürstentums Liechtenstein, schafft deshalb in den kommenden Jahren bis zu 140 neue Arbeitsplätze.

Patrick Stahl
Drucken
Teilen
Montageroboter helfen bei der Produktion von Bauteilen der Lenksysteme in Eschen. Trotz Automatisierung entstehen neue Arbeitsplätze. (Bild: pd)

Montageroboter helfen bei der Produktion von Bauteilen der Lenksysteme in Eschen. Trotz Automatisierung entstehen neue Arbeitsplätze. (Bild: pd)

ESCHEN. ThyssenKrupp Presta hat in den vergangenen Monaten mehrere Grossaufträge mit einem Gesamtvolumen von umgerechnet 7,2 Milliarden Franken an Land gezogen. Noch kaum jemals zuvor hat der Zulieferer der Automobilbranche auf einen Schlag derart grosse Einzelaufträge erhalten. Die Autobauer wollen voraussichtlich ab 2017 jährlich bis zu drei Millionen Lenkungssysteme in ihre neuen Serienmodelle integrieren, teilte das Unternehmen mit. Die Bestellungen stammen von Autobauern aus Europa, Asien und Amerika.

Herz schlägt in Eschen

Das Herz von ThyssenKrupp Presta schlägt in Eschen. Dort tüfteln mittlerweile knapp 2000 Mitarbeiter an der Zukunft des Autofahrens – und haben dabei alle Hände voll zu tun. Bereits heute lenkt jedes vierte Auto mit einer Lenkungssystemkomponente der liechtensteinischen Firma. Im Jahr 2014 lieferte das Unternehmen rund 20 Millionen Lenksäulen weltweit aus – Tendenz steigend. Dabei setzen die Autobauer bei der Wahl der Technologie immer stärker auf elektrisch unterstützte Lenksysteme.

Mehr Personal und Platz

«Die von uns entwickelten elektromechanischen Lenksysteme sind ein ganz wesentlicher Teil unserer Wachstumsstrategie», sagt Guido Durrer, CEO der Geschäftseinheit Steering bei ThyssenKrupp. Die Auftragsbücher sind angesichts der neuen Aufträge gut gefüllt. Rund 60 Prozent des geplanten Umsatzes im Jahr 2020 sind bereits gesichert. Die Zukunft der Mobilität wird in Eschen massgeblich mitgestaltet.

Die jüngsten Bestellungen der Autobauer lösen denn auch am Hauptsitz in Liechtenstein Freude aus: «Im Zuge der Grossaufträge werden die Entwicklungskapazitäten am Standort Eschen erweitert», sagt ThyssenKrupp-Presta Sprecherin Alexandra Tichy. Der grösste Arbeitgeber des Landes dürfte deshalb in den kommenden Jahren weiter wachsen. 140 neue Arbeitsplätze dürfte der Grossauftrag allein in Liechtenstein schaffen. Bereits heute hat das Unternehmen 60 offene Stellen am Standort Eschen ausgeschrieben. Ausserdem sind Investitionen im Bereich der Prüffelder für die Neuaufträge geplant. Um dieses Wachstum bewältigen zu können, wird das Unternehmen weitere Flächen anmieten müssen.

Zentrale in Liechtenstein

Die Kundenprojekte werden von der ersten Auslegung zu den Mustern bis hin zur Serienlieferung zentral in Liechtenstein koordiniert. Auch die Prozessentwicklung und die Qualitätsplanung sind im Ländle angesiedelt.

Der Firmenstandort Budapest steuert die Software- und Elektronikbestandteile bei, während die elektrisch unterstützten Lenksysteme in einem globalen Produktionsverbund hergestellt werden. Einzelne Komponenten für die Lenksysteme liefert ebenfalls der Hauptsitz in Eschen an die Produktionswerke.

Neue Massstäbe gesetzt

Nach Angaben von ThyssenKrupp Presta setzt die Technologie neue Massstäbe bei der Energieeffizienz. Durch den Einsatz von elektrisch unterstützten Lenksystemen kann der Kraftstoffverbrauch massiv reduziert werden. Fahrzeuge benötigen mit der neuen Technologie bis zu einen halben Liter weniger Benzin pro hundert Kilometer als ein Auto mit herkömmlichen hydraulischen Lenksystemen. Ausserdem sind sie technologische Voraussetzung für moderne Fahrerassistenzsysteme wie automatisiertes Parken oder autonomes Fahren. Die Vorteile sind derart gross, dass die Autobauer auch im volumenstarken Segment der Klein- und Mittelwagen immer öfter auf die neuen Lenksysteme setzen.

Globales Wachstum

Dadurch wächst die Nachfrage vor allem in den absatzstarken Märkten in Asien und Nordamerika. In Übersee werden die Produkte in Serie produziert. ThyssenKrupp Presta folgt dabei seinen Kunden. Das Unternehmen beschäftigt heute global über 7000 Mitarbeiter an 16 Standorten in Europa, Nord- und Südamerika sowie Asien. Das Unternehmen investierte in den vergangenen drei Jahren bereits eine Milliarde Franken in neue Werke und will bis 2020 eine weitere halbe Milliarde allein in Nordamerika ausgeben. Im mexikanischen Puebla soll schon bald ein neues Werk eröffnet werden. Dort investiert ThyssenKrupp Presta 70 Millionen Franken in ein Produktionswerk für Lenkungssysteme. Ab Frühjahr 2017 sollen dort mehr als 400 Mitarbeiter jährlich rund 1,4 Millionen elektrisch unterstützte Lenksysteme für deutsche und amerikanische Automobilhersteller produzieren.

Bereits im vergangenen Jahr nahm es in Puebla ein Werk für Lenkungskomponenten und einen Montagestandort für Achssysteme in Betrieb. Zwei weitere Werke in Mexiko sollen in den kommenden Monaten folgen.

Aktuelle Nachrichten