Im Kampf gegen die USA zückt China nun die Rohstoff-Waffe

Der Streit zwischen den beiden grössten Volkswirtschaften hat sich noch einmal verschärft. Als Reaktion auf die Ausweitung der US-Strafzölle will China nun die Ausfuhr von Rohstoffen beschränken.

Felix Lee
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Blick in eine chinesische Mine, in der Seltene Erden abgebaut werden. (Bild: Reuters (16. Juli 2011))

Blick in eine chinesische Mine, in der Seltene Erden abgebaut werden. (Bild: Reuters (16. Juli 2011))

Wer in den USA eine neue Matratze kaufen möchte, erlebt in diesen Tagen einen Preisschock. Rund 200 Dollar kostete noch vor einer Woche eine Kaltschaummatratze, von denen die meisten in China hergestellt werden. Nun ist der Preis auf rund 3400 Dollar nach oben geschnellt.

Der Grund: Das US-Handelsministerium hat vergangenen Mittwoch Strafzölle von bis zu 1731,75 Prozent auf chinesische Matratzen erhoben. Und auch Bier dürfte deutlich teurer werden. Denn parallel zu den Matratzen hat das Handelsministerium zudem Stahl-Bierfässer mit einem Strafzoll von bis zu 79,71 Prozent belegt. Beide Produkte seien von chinesischen Anbietern zu Dumping-Preisen angeboten worden, lautet die Begründung.

Und auch das ist nur ein vorläufiger Höhepunkt im seit nunmehr anderthalb Jahre andauernden Streit zwischen den beiden grössten Volkswirtschaften der Welt. Zu den bereits erhobenen Strafzöllen auf fast die Hälfte aller chinesischen Importe in die USA droht US-Präsident Donald Trump mit einer Ausweitung der Zölle auf sämtliche Einfuhren aus der Volksrepublik. Das entspricht einem Warenwert von über einer halben Billion Dollar.

Zunächst keine Verhandlungen mehr

Die chinesische Führung, die bis vor zwei Wochen noch fest mit einer Einigung gerechnet hatte, hat bereits zum Gegenschlag ausgeholt. Sie hat per 1. Juni Sonderabgaben in Höhe von bis zu 25 Prozent auf Waren aus den USA im Wert von insgesamt 60 Milliarden Dollar erhoben.

Das Problem: China importiert bei weitem nicht so viel aus den USA wie umgekehrt. 2018 führten die Chinesen Waren aus den USA im Wert von gerade einmal rund 120 Milliarden Dollar ein. Diese extrem ungleiche Handelsbilanz ist Teil des Konfliktes. Den USA geht es zugleich auch darum, Chinas Aufstieg zum weltweiten Technologieführer zu stoppen und fordert von der Führung in Peking, auch ihre Subventionspolitik im Hochtechnologiesektor zu stoppen.

Offiziell war die chinesische Führung darum bemüht, auf Trumps Attacken nicht allzu aggressiv zu kontern. «China will keinen Handelskrieg», heisst es in einem Positionspapier des chinesischen Staatsrats. Das Land sei weiter gesprächsbereit. In den Staatsmedien verschärft sich der Ton in Peking nun aber: Die USA wandele sich von einem «Gründer zu einem Saboteur der globalen Ordnung», heisst es im Leitartikel des KP-Organs «Global Times». Ein Kommentator der etwas moderateren «China Daily» schreibt von «Unterdrückung der Entwicklung Chinas». Darauf könne und dürfe Peking sich nicht einlassen.

Inzwischen geht die Führung in Peking von einem lange andauernden Konflikt aus, weitere Verhandlungen sind zunächst einmal nicht mehr angesetzt. Vergangene Woche gab der Staatsrat ein sogenanntes «Weissbuch» bekannt, in dem «unzuverlässige» ausländische Firmen aufgelistet werden, die «den Interessen chinesischer Unternehmen schaden». Den US-Paketdienst Fedex hat es bereits getroffen. Chinas Behörden ermitteln gegen das Unternehmen, das mehrere Pakete des chinesischen Telekom-Riesen Huawei in die USA umgeleitet hatte. Fedex sprach von einem Versehen und entschuldigte sich. Trump wiederum hatte den Handelskrieg in den vergangenen Wochen verschärft, indem er Huawei aus Sicherheitsgründen auf eine «schwarze Liste» gesetzt hatte. Geschäfte mit dem chinesischen Technologie-Riesen, der derzeit weltweit dabei ist, die Mobilfunknetze 5G-tauglich zu machen, müssen seitdem gesondert von der US-Regierung genehmigt werden. Trump wirft Huawei vor, im Auftrag der chinesischen Regierung Spionage zu betreiben. Beweise für diese Vorwürfe hat die US-Regierung, zumindest öffentlich, bislang keine geliefert.

Preise für Seltene Erden könnten explodieren

Trumps Dekret zeigte umgehend Wirkung. Nicht nur Chiplieferanten wie Qualcomm oder Intel haben ihre Zusammenarbeit mit dem chinesischen Tech-Riesen gestoppt. Auch Google kündigte an, Huawei das Betriebssystem Android und andere Google-Angebote bis auf weiteres nicht mehr zur Verfügung zu stellen. Zwar ist Huawei darum bemüht, möglichst rasch ein eigenes Betriebssystem für seine Geräte zu entwickeln. Doch ob die Zeit ausreichen wird? Vodafone in Grossbritannien und Amazon Japan haben Huawei-Geräte bereits aus dem Handel genommen. Und in gewissen Ländern fallen die Preise für Huawei-Smartphones bereits.

In Peking baut die kommunistische Führung derweil eine weitere Drohkulisse auf. Sie erwägt offenbar die Ausfuhr Seltener Erden in die USA zu beschränken. Diese heiss begehrten Rohstoffe sind zentral für die Fertigung so ziemlich sämtlicher moderner Elektronikgeräte wie Smartphones, aber auch E-Autos. Eigentlich wollten die USA sich schon vor Jahren unabhängiger machen von China. Weil der Abbau dieser speziellen Metalle sehr arbeitsintensiv ist und massiv zur Umweltverschmutzung beiträgt, beziehen die meisten Länder aber auch weiter den Grossteil aus China, wo die Bestimmungen oft sehr viel laxer gehandhabt werden, allein die USA rund 80 Prozent ihres Bedarfs. Diese Abhängigkeit könnte sich nun für die USA rächen, aber auch für den Rest der Welt. Denn beziehen die USA ihre Seltenen Erden nicht mehr aus China, werden sie auf die Bestände anderer Ländern zurückgreifen. Die Preise für Seltene Erden drohen weltweit zu explodieren.

China hat amerikanische Staatsanleihen abgestossen

Und noch eine weitere Drohung steht im Raum: Theoretisch könnte China seinen gewaltigen Bestand an Währungsreserven als Waffe im Handelskrieg einsetzen. Auf gigantische drei Billionen Dollar beläuft sich dieser Devisenschatz. Der liquideste Teil von derzeit rund 1,12 Billionen Dollar steckt in US-Staatsanleihen. China ist damit der mit Abstand grösste ausländische Gläubiger der US-Regierung.

China hat in den letzten Monaten bereits so viele US-Staatsanleihen abgestossen wie seit zwei Jahren nicht. Das sollte eigentlich die Zinskosten für die US-Regierung in die Höhe treiben – passierte aber nicht. Washington hat auch weiter ausreichend Abnehmer für seine Schuldpapiere gefunden. Das ist das Privileg, die Stellung als Leitwährung zu halten. China hingegen stehen harte Zeiten bevor.