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Im Dschungel von Libor und Saron: Wenn Banken Libor-Hypotheken nicht verlängern

Der globale Libor-Skandal hat Folgen für Eigenheimbesitzer: Libor-Hypotheken werden ihnen von den Banken nicht mehr verlängert. Doch Beharrlichkeit könnte sich auszahlen.
Niklaus Vontobel und Beat Schmid
Wohnen könnte je nach Hypothek für Haus- und Wohnungsbesitzer teurer werden. Bild: Stefan Kaiser (Zug, 9. Mai 2016)

Wohnen könnte je nach Hypothek für Haus- und Wohnungsbesitzer teurer werden. Bild: Stefan Kaiser (Zug, 9. Mai 2016)

Schock für Hans Müller. Er war sehr zufrieden mit der Raiffeisenbank bis zu jenem Beratungstermin. Nun wird ihm vom stets freundlichen Berater beschieden, er könne nicht auf eine ­Libor-Hypothek wechseln. Unmöglich. Leider. Wie ihm wohl bekannt sei, werde der Referenzzins Libor im Jahr 2021 abgeschafft und vom Saron abgelöst (siehe Box). Der Kunde könne seine Festhypothek verlängern, zu sehr guten Konditionen. Doch ein kurzer Vergleich zeigt: Die Festhypothek käme deutlich teurer. Die Bank wechseln, kann Müller nicht: Er hat noch eine weitere Festhypothek laufen, deren vorzeitige Auflösung teuer würde. Müller steckt fest.

Derlei Szenen strapazierter Kundenbeziehungen spielen sich in diesen Monaten in vielen Schweizer Beratungszimmern ab. Banken teilen ihren Kunden mit, sie könnten den Rahmenvertrag für ihre Libor-Hypothek nur bis Ende 2021 laufen lassen. Also nur noch zwei Jahre, länger gehe nicht. Der Kunde ärgert sich: Er kann die aktuellen guten Konditionen nicht wie erhofft über fünf Jahre fixieren. Nach zwei Jahren hätte die Bank die Möglichkeit, ihre aktuell eher tiefe Marge zu erhöhen – also auf den Saron mehr als die aktuell üblichen ein Prozent draufzuschlagen.

Wieder anderen Kunden wird verweigert, ihre laufende Libor-Hypothek verlängern zu können. Mit der manchmal etwas flapsig vorgetragenen Begründung, der Libor werde ja abgeschafft, also könne man dem Kunden leider nicht entgegenkommen. Der Wettbewerb hilft in diesem Fall auch nicht weiter. «Nahezu alle Banken handhaben dies so – der Kunde kann nur in den sauren Apfel beissen», sagt Lorenz Heim vom Vermögenszentrum. Hingegen hilft oft ein wenig Beharrlichkeit, sagt ein Berater. «Man muss nachsetzen. Meist hilft schon das Argument, es werde nach wie vor einen Geldmarktzins über drei Monate geben – nur heisse er neu Saron, nicht Libor.»

Vielleicht sollte auch Hans Müller, der in Wahrheit anders heisst, bei seiner Raiffeisen-Bank energischer auftreten. Auf Anfrage der Zentrale in St. Gallen heisst es jedenfalls: «Raiffeisen Schweiz empfiehlt den Raiffeisenbanken LiborFlex-Hypotheken mit einer Laufzeit von drei und von fünf Jahren anzubieten.» Von einem Verbot ist keine Rede. Aber: Die Zentrale in St. Gallen kann ihren unabhängigen Banken in den Regionen keine verbindlichen Vorgaben machen, sondern, wie erwähnt, nur Empfehlungen.

Folgen eines globalen Skandals

Leidvolle Kundenerfahrungen wie jene von Hans Müller sind die letzten Nachwirkungen einer gigantischen Finanzmanipulation. Der Libor-Skandal wird 2011 öffentlich mit einer Razzia in einem noblen Londoner Bankenhauptsitz. Die Europäische Kommission hatte ihre Beamten ausgesendet. Die Spezialisten durchsuchten unangemeldet die Räumlichkeiten der alt ehrwürdigen Royal Bank of Scotland. Weltweit werden in den folgenden Jahren hohe Bussen verhängt, auch gegen die UBS. Ein Trader der Schweizer Grossbank wird als Einziger verurteilt, zu einer Haft von elf Jahren. Im zürcherischen Opfikon, wo die UBS ihren Handel untergebracht hat, wurden etliche Trader entlassen.

Sieben Jahre nach jener Razzia in London stellen schweizerische Kunden verwundert Zickzackkurse ihrer Bank fest. Lange hatte diese gar keine Rahmenverträge zu Libor-Hypotheken angeboten. Dann führte sie diese ein, und der Kunde griff zu. Er band sich damit für drei Jahre an die Bank, die Zinszahlungen schwankten alle drei Monate. Doch als er die Libor-Hypothek verlängern wollte, richtete ihm der Berater aus: die Rahmenverträge seien abgeschafft. Eine Begründung gibt es nicht. Vermutlich, so ein Experte, wolle die Bank den Wechsel zum Saron für Margen-Erhöhungen nutzen – und sich nicht durch Rahmenverträge einschränken.

Mulmiges Gefühl bei den Banken

Mit solchen Manövern verfolgen schweizerische Banken ihre eigenen Interessen. Werden etwa Libor-Hypotheken nicht mehr angeboten oder nicht verlängert, gelangen mehr Kunden zu einer mehrjährigen Festhypothek. Und solche sind den meisten Banken lieber, sagt ein Finanzberater. «Mit Festhypotheken ist ein Geschäft für einige Jahre fixiert: Die Bank kann alles kalkulieren, mit Eigenkapital unterlegen und damit planen.» Mit Libor-Hypotheken hätten sie vergleichsweise mehr Arbeit. Letzten Endes wollen sich die Banken jedoch auch selbst schützen. Auch ihre Fi-nanzingenieure können nicht genau vorhersehen, was der Wechsel zum Saron alles an Unlieb-samkeiten nach sich zieht.

So wäre etwa diese Überraschung möglich: Die negativen Zinsen verschwinden bis Anfang 2022; der Saron kommt etwas tiefer zu liegen als der Libor, wenn dieser fortgeführt würde. Der Unterschied müsste nicht gross sein, aber 0,15 Prozentpunkte wären durchaus möglich. «Die Banken hätten dann auf einen Schlag tiefere Erträge», sagt Experte Heim. Solches wollen die Banken tunlichst vermeiden.

Libor endet 2021

Im Juli 2017 gab die britische Finanzmarktaufsicht bekannt: Sie würde ab dem 31. Dezember 2021 den Referenzzins Libor nicht mehr erheben (London Interbank Offered Rate). Spätestens dann war in der Schweiz klar: Es musste Ersatz her, eine nationale Arbeitsgruppe wurde damit beauftragt. Bereits im Herbst konnte diese Gruppe einen Nachfolger empfehlen: Den Saron, was für «Swiss Average Rate Overnight» steht. Zu diesem Zins dürfen Banken ihre Gelder «über Nacht» bei der Schweizerischen Nationalbank parkieren. Gemäss der Arbeitsgruppe sollte sich der Saron nicht so leicht manipulieren lassen. Es wird täglich aufgrund echter Transaktionen berechnet, mithilfe von Filtern werden Extremwerte herausgefiltert. Der Libor konnte vergleichsweise einfach beeinflusst werden. (nik/bs)

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