Im Dschungel der Gesetze

Trotz schwierigem Umfeld sehen sich die Schweizer Privatbankiers auf Kurs. Sorgen bereiten ihnen die Frankenstärke und der steigende Aufwand wegen zunehmender Regulierung.

Sabrina Dünnenberger
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Konrad Hummler warnt vor einer Paragraphenflut. (Bild: EQ Images/Christian Pfander)

Konrad Hummler warnt vor einer Paragraphenflut. (Bild: EQ Images/Christian Pfander)

Bern. Konrad Hummler gibt seiner Branche gute Noten bei der Bewältigung der Krise. Das Modell der Privatbank sei so aktuell wie nie, sagte der Präsident der Vereinigung der Schweizer Privatbankiers (VSPB) gestern vor den Medien. Er spielte damit unter anderem auf den Fakt an, dass Privatbankiers mit ihren eigenen Mitteln uneingeschränkt haftbar gemacht werden können und so auch nicht in Versuchung geraten, unverhältnismässige Geschäfte zu betreiben. Privatbanken seien «das Gegenteil von too big to fail». Die der Vereinigung angehörenden 13 Institute mit rund 6000 Mitarbeitenden belasteten nicht das System und zahlten zudem Steuern.

Treue Kunden trotz allem

Hummler nannte es des weiteren «bemerkenswert, dass uns die ausländischen Kunden trotz all der schlechten Nachrichten, die den Finanzplatz belastet haben, treu geblieben sind». Gewisse Institute hätten sogar bedeutende Nettogeldzuflüsse verbuchen können – wenn auch diese durch Kursschwankungen des Vermögensanteils in Fremdwährungen beeinträchtigt wurden.

Doch es ist nicht alles eitel Sonnenschein. Eine Reihe von Entwicklungen sei «beunruhigend», hielt Hummler fest. Eine bedeutende Herausforderung für die Privatbanken ist die Frankenstärke. So zeigte sich VSPB-Vizepräsident Nicolas Pictet «besorgt über die möglichen Auswirkungen des starken Frankens auf die Exportindustrie». Die Banken seien ein Teil dieses Exportgeschäfts, da sie Dienstleistungen für ausländische Institute und Privatkunden erbrächten. Dies werde oft vergessen, sagte Pictet. Die starke Abschwächung des Euro und Dollar gegenüber dem Franken liessen jedoch auch die verwalteten Vermögen und damit die Einnahmen der Finanzindustrie schrumpfen.

Obwohl die Frankenstärke laut Pictet schwerwiegende Probleme aufwirft, sieht er keine rasche Lösung. Die Aufwertung könnte so lange anhalten, als die USA an ihrer lockeren Geldpolitik festhielten und Europa keine Lösung für seine Probleme gefunden habe.

«Problem liegt nicht bei uns»

Die in jüngster Zeit besprochenen «Interventionen und Massnahmen» könnten die Aufwertung nicht aufhalten. «Das Problem liegt nicht bei uns; es liegt bei den anderen», sagte Pictet. Es sei illusorisch, zu glauben, «dass wir uns in einer offenen Wirtschaft wie der unseren vor den indirekten Folgen der Schwierigkeiten unserer mächtigen Handelspartner schützen können». Die Staaten Europas seien gezwungen, den Gürtel enger zu schnallen.

Eine weitere grosse Herausforderung sei die zunehmende Reglementierung des Bankensektors. «Das Risiko, dass sich der Finanzplatz in Paragraphen verliert, ist sehr ernst zu nehmen», sagte Hummler. Ins gleiche Horn stiess Yves Mirabaud von der Genfer Privatbank Mirabaud & Cie. Die Finanzmarktaufsicht (Finma) neige unter politischem Druck aus dem In- und Ausland zu Aktivismus. Es sei schwierig, sich im Dschungel von Mitteilungen, Rundschreiben und Stellungnahmen zurechtzufinden. Die Rechtsabteilungen der Banken hätten alle Hände voll zu tun, um die Dokumente zu verstehen und zu analysieren.

Attraktivität nicht gefährden

Zu dieser aufsichtsrechtlichen Verunsicherung, die nicht der helvetischen Tradition entspreche, komme eine angespannte Konkurrenzsituation hinzu. Nicht zu unterschätzen seien die zusätzlich anfallenden Kosten. Genaue Zahlen gibt es laut Hummler zwar nicht. Doch die Ausgaben für den administrativen Mehraufwand seien «klar gestiegen». Die Privatbankiers plädieren laut Mirabaud dafür, bei all den Regulierungen die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes Schweiz im Auge zu behalten.