Im Banne Griechenlands

Die Schweizerische Nationalbank dürfte übermorgen anlässlich ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung abwarten. Ein wichtiger Grund ist das Tauziehen um Griechenland.

Thomas Griesser Kym
Merken
Drucken
Teilen
Die Siemens Building Technologies in Zug hat Anfang Woche den Abbau von 150 Stellen angekündigt und dies mit der Frankenstärke begründet. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

Die Siemens Building Technologies in Zug hat Anfang Woche den Abbau von 150 Stellen angekündigt und dies mit der Frankenstärke begründet. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

ZÜRICH. Morgen Donnerstag informiert das Direktorium der Schweizerischen Nationalbank (SNB) über seine jüngsten geldpolitischen Entscheide. Der Termin fällt just auf den Beginn des Treffens der Finanzminister der Euroländer in Sachen Griechenland. Die Zeit wird knapp, denn Ende Monat endet das laufende Hilfsprogramm für Athen, und ob die Regierung die ebenfalls dann fällige Schuld von 1,6 Mrd. € gegenüber dem Internationalen Währungsfonds begleichen kann, steht in den Sternen.

«Reduktion der Freibeträge»

Vor diesem Hintergrund geht Felix Brill, Chefökonom der Beratungsfirma Wellershoff & Partners, davon aus, dass die SNB am Donnerstag keine wesentlichen Neuigkeiten präsentieren wird. «Die SNB steht sehr stark unter dem Eindruck, was um sie herum passiert», spielt Brill vor allem auf die Krise um Griechenland an. Dieser Ansicht ist auch Laurent Bakhtiari, Marktanalyst der Genfer IG Bank. «Die SNB könnte zum Beispiel ihr Zielband für den 3-Monats-Liborsatz noch tiefer ins Negative drücken. Falls aber Griechenland dann doch nicht zahlungsunfähig wird, hätte die SNB ihr Pulver verschossen.» Auch Brill erwartet, dass die SNB stillhält und die Negativzinsen von 0,75% nicht weiter verschärft. «Wenn SNB handelt, dann würde ich prinzipiell eher eine Reduktion der relativ grosszügigen Freibeträge erwarten, die vom Negativzins ausgenommen sind», sagt Brill. Allerdings hebe sich die SNB einen allfälligen solchen Schritt wohl auch für später auf. Brill verweist aber auch auf Nebenwirkungen stark reduzierter Freibeträge und/oder höherer Negativzinsen: «Wenn die Banken dann die Negativzinsen auf immer mehr Kunden überwälzen, könnten diese massenhaft Gelder von ihren Konten abziehen.»

Frankenstärke als Beschleuniger

Punkto Frankenstärke sagt Brill, diese sei für einige Branchen und Firmen «nicht angenehm, aber es könnte schlechter stehen». Jüngste Fälle von Stellenabbau und Verlagerungen sind laut Brill oft nicht nur auf die Frankenstärke zurückzuführen, sondern diese beschleunige solche Prozesse einfach. Zudem gebe es auch Profiteure, etwa Schweizer Firmen, die im Euroraum Vorleistungen einkaufen. Der Detailhandel spüre zwar einen Druck auf die Preise, dafür hätten aber die Konsumenten dank der Frankenstärke und der negativen Inflation eine höhere Kaufkraft zur Verfügung.