Im Bann der Minuszinsen

Die Einführung von Negativzinsen für Grosskunden: Was in normalen Zeiten für Banken kein Thema ist, wird seit dem jüngsten Nationalbank-Entscheid verstärkt ins Auge gefasst.

Thorsten Fischer
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Die Auswirkungen der Entscheide der Nationalbank in Bern finden zusehends ihren Weg in den Alltag. (Bild: ky/Peter Klaunzer)

Die Auswirkungen der Entscheide der Nationalbank in Bern finden zusehends ihren Weg in den Alltag. (Bild: ky/Peter Klaunzer)

An tiefe Zinsen für Sparguthaben, im Einklang mit dem tiefen Leitzins der Nationalbank SNB, hatten sich die Konsumenten irgendwie gewöhnt. Nach den überraschenden Massnahmen der SNB von letzter Woche – inklusive –0,75% Strafzins – macht nun der Begriff Negativzinsen verstärkt auf der Ebene einzelner Banken die Runde. Doch die bisherigen Stellungnahmen zeigen, dass die Banken differenziert vorgehen wollen.

Für die St. Galler Kantonalbank (SGKB) hat der SNB-Negativzins von 0,75% vorerst keinen Einfluss, wie SGKB-Sprecherin Yildiz Asan sagt. Das Guthaben der SGKB bei der Nationalbank bewege sich im Rahmen des Freibetrags. Somit sei es von der Negativzinsregelung nicht betroffen. Die Verzinsung der Kundenguthaben sei bereits auf sehr tiefem Niveau. Die Einführung von Negativzinsen auf Sparguthaben sei nicht vorgesehen. Wie sich der Nationalbank-Entscheid mittelfristig auf das Bankgeschäft auswirke, werde laufend analysiert. Weitere Informationen zu den Auswirkungen auf die SGKB stellte Asan für die Bilanzmedienkonferenz vom 11. Februar in Aussicht.

Bei der Thurgauer Kantonalbank (TKB) sind Negativzinsen für Gewerbe- und Privatkunden kein Thema. Bei Grosskunden, die über sehr hohe Beträge verfügen, sei die Einführung von Negativzinsen nicht auszuschliessen, sagt auf Anfrage TKB-Sprecherin Anita Schweizer. Man beobachte laufend die Marktsituation und prüfe allfällige Massnahmen. Ein Entscheid sei aber noch nicht gefallen.

Blick nach Europa

Die Migros Bank hielt an ihrer gestrigen Jahreskonferenz fest, über Negativzinsen für Grosskunden nachzudenken. «Bei Grossanlegern können wir uns das vorstellen», sagte Migros-Bank-Chef Harald Nedwed laut Agentur SDA. Bei Kleinsparern und Kleinfirmen sei die Einführung von Negativzinsen im Moment jedoch «nicht vorstellbar». Die Negativzinsen würden pro Grosskunde ab einem gewissen Schwellenwert gelten. Gleichsam wurde auch hier betont: Der Schritt sei noch nicht beschlossen. Die Migros Bank will erst den Entscheid der Europäischen Zentralbank vom Donnerstag abwarten. Auf ihren Giroguthaben bei der SNB muss die Migros Bank selber keine Negativzinsen gewärtigen. Sie liege um 1,5 Mrd. Fr. unter dem Freibetrag, sagte Nedwed. Postfinance bestätigte laut Agentur hingegen einen Bericht der «Berner Zeitung», wonach ihre Guthaben bei der SNB den Freibetrag um «weniger als» 4 Mrd. Fr. übersteigen. Postfinance und andere Finanzinstitute wie UBS und ZKB erwägen ebenfalls, Negativzinsen auf Grosskunden zu überwälzen. Die CS bestätigte am Sonntag, dass Konzerne und Pensionskassen bald «eine Guthabenkommission» zahlen müssten.

Geld unters Kopfkissen?

Insgesamt erfordert der Entscheid viel Fingerspitzengefühl. Der Schweizer Finanzvergleichsdienst moneyland.ch schrieb bereits anlässlich der ersten Negativzinsen der SNB vom 18. Dezember 2014, dass je nach Szenario das sprichwörtliche «Geld unter dem Kopfkissen» wieder populärer werden könnte – zumindest in einer ersten spontanen Reaktion. Allerdings sei auch Bargeld nicht unbedingt kostenlos – denkt man beispielsweise an die sichere Lagerung.