Im Bahnmarkt herrscht Hochbetrieb

In Österreich pocht Stadler Rail auf die Nachprüfung einer Auftragsvergabe, in Grossbritannien holen die Thurgauer einen Grossauftrag. Die Konkurrenz aus China punktet inzwischen ein weiteres Mal in Europa.

Thorsten Fischer
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58 Flirt – Stadlers bisher grösster britischer Auftrag. (Bild: PD)

58 Flirt – Stadlers bisher grösster britischer Auftrag. (Bild: PD)

Für die Gesamtsumme von zwei Mrd. € hatten die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) im September 300 Elektrotriebwagen bei Bombardier bestellt. Ausgeschieden im Rennen um den Auftrag waren Siemens und die Thurgauer Stadler Rail. Laut der Nachrichtenagentur APA hat einer der beiden unterlegenen Bieter einen Antrag auf Nachprüfung eingereicht. Stadler-Sprecherin Marina Winder bestätigte gestern auf Anfrage, dass Stadler Rail diesen Nachprüfungsantrag am Dienstag gestellt habe. Weitere Angaben dazu machte sie nicht, da es sich um ein laufendes Verfahren handle.

Die Österreichischen Bundesbahnen zeigten sich indessen überzeugt, dass das Vergabeverfahren «gut und wasserdicht» durchgeführt wurde.

Definitiv vorangekommen ist Stadler Rail in Grossbritannien: Ein soeben gewonnener Auftrag sieht die Lieferung von 58 Flirt für Abellio East Anglia Ltd im Wert von über 600 Mio. £ vor. Der Zuschlag sei ein Meilenstein in der Geschichte von Stadler, betonte das Unternehmen gestern. Es handle sich um den ersten Auftrag, den das Unternehmen für den britischen Fernverkehrsmarkt erhalten habe.

Interessiert ist Stadler Rail auch an einem Grossauftrag aus Israel. Es geht um einen 800 Mio. Fr. schweren Deal, wie die «Handelszeitung» schreibt. Die Order umfasse 60 Doppelstockzüge. Zum ausgeschriebenen Auftrag gehört auch der Bau einer Fertigungsstätte in Ashkelon. Der Auftrag ist offensichtlich begehrt: Neben Stadler bewerben sich Alstom, Bombardier, Siemens, Hitachi und Skoda.

In Europa macht sich inzwischen verstärkt die Konkurrenz aus China bemerkbar. Das tschechische Eisenbahnunternehmen Leo Express hatte 2012 fünf Züge bei Stadler gekauft. Nun erweitert Leo Express laut «Tages-Anzeiger» das Streckennetz – die neuen Züge kommen aber nicht mehr aus dem Thurgau, sondern von CRRC aus China.

Stadler Rail hatte für die Züge zur Erweiterung des Streckennetzes kein Angebot eingereicht, wie Stadler-Sprecherin Winder gestern auf Anfrage sagte. Dies, weil es keine entsprechende Ausschreibung gegeben habe. Erstmals direkt auf chinesische Konkurrenz traf Stadler in Europa bereits im Jahr 2014. Ein in Mazedonien ausgeschriebener Auftrag ging damals an die China South Railways. Wie Stadler-Chef Peter Spuhler schon vor Jahresfrist vor den Medien deutlich gemacht hatte, will man sich der neuen Konkurrenz in Europa selbstbewusst stellen und flexibel im Bahnmarkt agieren. Denn auch die Konkurrenz koche nur mit Wasser.