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Interview

Stadler-Rail-CEO entspannt sich beim Bähnlen mit seinem Sohn

Seit gut einem Jahr ist er Chef der Stadler Rail Group mit Sitz in Bussnang: Thomas Ahlburg über grosse und kleine Züge – sowie über Flirts und Jassen.
Bruno Scheible, Andreas Ditaranto
CEO Thomas Ahlburg im Stadler-Werk vor einer Spezialanfertigung für die britische «Greater Anglia». (Bild: Mareycke Frehner)

CEO Thomas Ahlburg im Stadler-Werk vor einer Spezialanfertigung für die britische «Greater Anglia». (Bild: Mareycke Frehner)

Fahren Sie lieber Auto oder Zug?

Thomas Ahlburg: Die Antwort ist klar: mit dem Zug. Früher bin ich manchmal belächelt worden, weil ich gerne mit dem Nachtzug gefahren bin. Ich finde es einfach entspannter, mit der Bahn unterwegs zu sein. In der Schweiz muss man sich ausserdem nicht sorgen, ob der Zug pünktlich ist. Das schafft er in der Regel. (lacht)

Hatten Sie als Kind eine Modelleisenbahn?

Nicht nur als Kind. Bei uns im Keller steht meine alte Märklin-Modelleisenbahn. Wir haben einen achtjährigen Sohn, der sich gewünscht hat, dass sie wieder aufgebaut wird. Das ist mittlerweile ein Wochenendvergnügen: Ich darf die Verkabelung machen, und er spielt mit der Bahn.

Sie sind im zweiten Jahr CEO von Stadler Rail. Peter Spuhler ist nicht nur VR-Präsident des Unternehmens, sondern auch Inhaber. Wie frei sind Sie in Ihrer täglichen Arbeit?

Peter Spuhler legt als Verwaltungsratspräsident die Strategie fest. Ich habe die Verantwortung über alle operativen Themen. Die Arbeitsteilung funktioniert. Peter Spuhler hat Stadler zu dem gemacht, was Stadler heute ist. Er ist naturgemäss sehr daran interessiert, wie sich das Unternehmen weiterentwickelt, sodass er bei wichtigen Themen genau zuhört und nachfragt. Aber es ist ein Mit- einander. Ich fühle mich nicht eingeschränkt.

Wie ist das neue Jahr für Stadler Rail angelaufen?

Das Jahr ist gut gestartet und wird anspruchsvoll sein. Wir machen einen Sprung, was den Umsatz betrifft. Die Werke sind gut ausgelastet.

Wo wird das Unternehmen in fünf Jahren sein?

Wir werden weiterhin den Beweis erbringen, dass wir einer, wenn nicht der leistungsfähigste Hersteller von Rollmaterial sind.

«Wir werden die Präsenz in Europa und in den USA deutlich ausbauen.»

Wir werden nicht fundamental anders sein, von der Kultur her bleiben wir ein mittelständiges Unternehmen. Für manche klingt das vielleicht langweilig, aber Mittelstand bedeutet Pragmatismus und echten Fokus auf Kunden. Und was unser Unternehmen zusätzlich auszeichnet, das sind die enormen handwerklichen Fähigkeiten in Verbindung mit der Hochtechnologie. Diese Kombination ist unschlagbar.

Was würde sich bei einem allfälligen Börsengang von Stadler Rail ändern?

Es ist eine von möglichen Varianten. Stadler hat ein erfolgreiches Geschäftsmodell, das sich über die letzten Jahrzehnte bewährt hat. Es gäbe als Unternehmen an der Börse keine signifikanten Änderungen. Die Anzahl Teilnehmer an der Generalversammlung würde aber wohl wachsen …

Unter einem Zug stellt man sich eine Kraftmaschine vor, einen Herkules. Die Züge von Stadler Rail dagegen tragen Namen wie Kiss, Flirt, Smile …

Wir haben nicht die Absicht, unsere Züge Dominator oder Herkules zu nennen. Wenn’s schwer und wuchtig daherkommt, denkt man eher an den Güterbereich. Ein Personenzug muss schon auch etwas Elegantes haben, Positives signalisieren. Nach dem Kiss und Flirt haben wir an einem Tag der offenen Türe in Bussnang einen Publikumswettbewerb für den Namen des neuen Zugs ausgeschrieben. Der meistgenannte Begriff war Smile.

Sie führen als CEO einen Konzern, Ihre Ehefrau Nora Ahlburg ist ausgebildete Pianistin und Harfenistin. Kann man voneinander lernen?

Absolut. Künstlern sagt man nach, dass sie ein gutes Gespür für Menschen haben. Meine Frau hat dieses Gespür, das über die Fakten hinausgeht und erfasst, was in einem Menschen emotional vorgeht. Von dieser Fähigkeit würde ich gerne ein Scheibchen mehr abschneiden.

Wie charakterisieren Sie sich selbst als Manager?

Da müssten meine Mitarbeiter Auskunft geben.

«Mein Anspruch als Chef ist, dass ich mit Sachkompetenz führe.»

Es gibt Chefs, die allein aufgrund der Hierarchie führen wollen. Das funktioniert nicht. Es entspräche auch nicht meinem Naturell. Im gemeinsamen Ringen um beste Entscheidungen wird von mir dort nachgebohrt, wo es Schwachstellen geben könnte. Es geht auch um Authentizität, man soll merken, woran man ist bei mir.

Wie entspannen Sie sich?

Ich entspanne mich beim Laufen, beim Marathon. Der nächste ist im April in den Vogesen, der letzte war in Valencia. Mein Ziel sind zwei Marathonläufe im Jahr. Zehn Wochen vor einem Start beginne ich jeweils zu trainieren, viermal in der Woche. Ich bin nicht gut, die Einbeinigen sind schneller, aber ich komme an. (lacht) Es geht mir ums Mitmachen.

Was machen Sie in der Freizeit?

Wir sind gerne in den Bergen und am See oder treffen Bekannte. Wir sind recht gut eingebunden in das Umfeld. Kürzlich waren wir bei Freunden beim Jassen, die Frauen gegen die Männer…

… ein Schieber?

Ja. Es könnte als Plattitüde wahrgenommen werden, dass wir gerne jassen. Aber das tun wir tatsächlich, und wir fühlen uns wohl hier. Die Art und Weise, wie man in der Schweiz miteinander umgeht, ist in vielen Punkten vom gegenseitigen Respekt geprägt. Das macht Freude. Und von der Landschaft her: Was will man mehr?

Sie sind Deutscher, leben mit Ihrer Familie seit einigen Jahren in Kreuzlingen. Haben Sie den Schweizer Pass schon beantragt?

Ja. Wir haben den Antrag gestellt und hoffen, dass wir bald eingebürgert werden.

Von Bombardier zu Stadler

Thomas Ahlburg (Jg. 1969) stiess 2012 zur Stadler Rail Group. Zuvor war er unter anderem für Bombardier und MT Aerospace tätig. Der Diplom-Ingenieur ist in Hamburg aufgewachsen und lebt mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn in Kreuzlingen.

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