Igel in der Ostschweiz wachen zu früh auf

Der milde Winter lässt Igel nicht schlafen. Das könnte zum Problem für die Tiere werden.

Ines Biedenkapp, Lea Köppel
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In den Bildern ein Teil der fast leeren Igelstation. Zum Zeitpunkt der Aufnahme am 4. April waren noch drei Igel bei Margrit Kobel. Zwei hat sie am 5. April in die Freiheit entlassen, der Letzte ist noch im Winterschlaf. In den Bildern mit Igel zu sehen ist der zweitletzte Igel, wieder putzmunter.

In den Bildern ein Teil der fast leeren Igelstation. Zum Zeitpunkt der Aufnahme am 4. April waren noch drei Igel bei Margrit Kobel. Zwei hat sie am 5. April in die Freiheit entlassen, der Letzte ist noch im Winterschlaf. In den Bildern mit Igel zu sehen ist der zweitletzte Igel, wieder putzmunter.



Michael Küng / LZB

Diesen Winter spielt das Wetter verrückt und setzt auch den Igeln zu. Sie erwachen teils zu früh aus ihrem Winterschlaf oder haben gar keinen gemacht. Denn aufgrund der warmen Temperaturen sind die stacheligen Insektenfresser gar nicht erst in den Tiefschlaf gefallen. Das Problem dabei ist, dass die Tiere in den kalten Monaten nichts zu fressen finden und folglich an Mangelernährung sterben können.

So gab es in diesem Winter auch bei der Igelstation Frauenfeld vermehrt Anfragen aus der Bevölkerung. Um den Tieren zu helfen, rät Ursula Graf, Ansprechperson der Igelstation, den Tieren eine Schale Wasser sowie Katzen- und Trockenfutter hinzustellen. Denn Ziel sei es, die Tiere in der Natur zu lassen und ihnen, falls notwendig, Unterstützung zu geben.

Ungewöhnlich milde Temperaturen

Auch beim Projekt Stadtwildtiere gingen in diesem Winter vermehrt Meldungen über Sichtungen von Igeln ein. «Auch zu Zeiten, in denen es eher unnormal ist», sagt Sandra Gloor, Sprecherin von «Stadtwildtiere». Das könne an den ungewöhnlich milden Temperaturen liegen. Grundsätzlich sei es jedoch so, dass auch ein Igel während seines Winterschlafs aufwachen könne, etwa um sich zu erleichtern.

Allerdings koste es das Tier sehr viel Energie. «Und eigentlich ist der Winterschlaf dazu da, Energie zu sparen», sagt Gloor. Derzeit seien die milden Temperaturen für die kleinen stacheligen Tiere allerdings nicht gefährlich, solange sie Futter finden. «Schlimmer wäre es, wenn der Winter nochmals einbrechen würde», sagt Gloor. Denn dies wäre für die Tiere sehr kräfteraubend, zumal es bei heftigem Schneefall auch wenig Futter zu finden gäbe.

Igel ewacht Ende März

Auch in Gossau gibt es eine Igelberatungsstelle. Diese wird von Liliane Männlein betrieben. Ob auch sie vermehrt Anrufe bekam? Im Februar seien zwei Anrufe eingegangen. «Das ist aber normal», sagt sie. Ob derzeit mehr Igel unterwegs seien, kann sie noch nicht beurteilen. Denn der Igel wacht normalerweise Ende März auf. Männlein beobachtet, dass die Tiere mittlerweile etwas früher aufwachen, wie etwa im vergangenen Jahr.

Sicher sei aber: «Derzeit sind alle Igel geschwächt.» Das liegt vor allem daran, dass die Stacheltiere während ihres Winterschlafs rund ein Drittel ihres Körpergewichts verlieren.

«Wachen die Igel auf, brauchen sie daher erst einmal Futter», sagt Männlein.

Auch sie rät, die Igel mit Katzen- oder auch speziellem Igelfutter zu unterstützen – allerdings müsse das Futter unzugänglich für Katzen und Hunde sein. Dafür eigne sich eine geschützte Box mit kleinem Eingang.

Nachtaktiv und hungrig

Würde man derzeit einen Igel in seinem Garten finden, müsse das aber nicht unbedingt etwas Schlechtes heissen. «Denn es kommt vor allem darauf an, zu welcher Zeit der Igel herumläuft», sagt Männlein. Igel sind nachtaktiv. Es sei nicht ungewöhnlich, dass einem die Kleinen während ihrer Suche nach Insekten in der Dunkelheit begegnen würden. Tagsüber sei dies kritischer:

«Wenn ein Igel am Tag herumläuft, dann stimmt etwas nicht.»

Dieses Verhalten könne an zu wenig Futter, an einer Krankheit oder an Verletzungen liegen. Findet man einen solchen Igel, kann man bei Igelstationen oder Tierärzten Rat holen.

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