«Ich halte nichts von Tariflöhnen»

Herr Tomasi, Ihr Unternehmen ist rasant gewachsen. Wird es in einigen Jahren nur noch die Flyerline in der Schweiz geben?

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Steffen Tomasi CEO und Mehrheitsaktionär Flyerline Schweiz AG

Steffen Tomasi CEO und Mehrheitsaktionär Flyerline Schweiz AG

Herr Tomasi, Ihr Unternehmen ist rasant gewachsen. Wird es in einigen Jahren nur noch die Flyerline in der Schweiz geben?

Sicher nicht, aber die Druckereien dürften es künftig immer schwerer haben, Schritt zu halten. Insbesondere wenn sie sich nicht den heutigen Kundenbedürfnissen anpassen. Dies gilt nicht nur für die Druckereien, sondern aus meiner Sicht für viele Arten von Handwerksbetrieben.

Was heisst das, den Kundenbedürfnissen anpassen?

Der heutige Kunde weiss, was er will. Er informiert sich im Internet, stellt Preisvergleiche an, kauft dort, wo er das beste Preis-Leistungs-Verhältnis vermutet. Er erwartet Innovation, Dynamik und Service. Dies gilt nicht nur für die Druckbranche. In einigen Jahren werden wir beispielsweise per Internet ein Dach bestellen, indem wir die gewünschten Masse eingeben und den gewünschten Ziegel anklicken. Warum soll man mit einer persönlichen Besichtigung Zeit verschwenden, die schliesslich dem Kunden verrechnet wird.

Braucht es künftig also keinen persönlichen Kontakt mehr?

Bei Bedarf sollte natürlich auch der persönliche Kontakt möglich sein. Aber da erwartet ein Kunde mehr als nur die Präsentation einer Offerte. Bei uns in Altnau steht Kunden bei Bedarf die Tür offen. Zudem haben wir bei der Flyerline ein Team, welches individuelle Kundenansprüche löst. Weit ab vom Standard. Im September hat Flyerline den ersten Flyerline-Store in Konstanz eröffnet. Weitere werden folgen.

Billig um jeden Preis? Um Papier für die Druckereibranche zu produzieren, holzen Papierhersteller ganze Urwälder ab.

Das möchten wir natürlich auch nicht, deshalb beziehen wir nur umweltzertifiziertes Papier von Schweizer Lieferanten. Bei unserem Papierbedarf bekommen wir natürlich andere Konditionen wie kleine Druckereien.

Sie bezahlen keine Tariflöhne?

Ich halte wenig von Tariflöhnen. Wer gut arbeitet, wird bei uns gut bezahlt. Zufriedene Mitarbeiter sind mir wichtig. Würden wir uns an Tarifrichtlinien halten, wären die Mitarbeiter im Gesamten schlechter gestellt.

Sie bilden keine Lehrlinge aus, benötigen aber ausgebildete Mitarbeiter. Wie vereinbaren Sie dies mit Ihrer Firmenphilosophie?

Wir hatten in der Vergangenheit mit dem extremen Wachstum viel zu tun, was uns nicht erlaubte, Lehrlingen auch die Aufmerksamkeit zu geben, die eine gute Ausbildung erfordert. Wir haben nun ein Konzept erarbeitet und werden mit der Lehrlingsausbildung beginnen.