Icesave-Bankdebakel: Island muss nicht zahlen

Island muss nicht für die Entschädigung britischer und niederländischer Kunden der kollabierten Icesave-Bank aufkommen. Das hat der Efta-Gerichtshof entschieden.

André Anwar
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STOCKHOLM. Unter dem Jubel der Reykjaviker Regierung hat der Efta-Gerichtshof in Luxemburg gestern überraschend geurteilt: Island muss die 340 000 niederländischen und britischen Sparer der Icesave-Bank, die 2008 zusammengebrochen war, nicht entschädigen. Die Sparer erhielten damals ihre Einlagen vom britischen und vom niederländischen Staat zurückerstattet. Die beiden Staaten verklagten Island danach für die Summen, die sie ihren Bürgern vorgestreckt hatten, auf Schadensersatz. Das hätte Island schätzungsweise 3,5 Mrd. € (4,4 Mrd. Fr.) gekostet.

Entgegen aller Erwartungen entschied nun der Efta-Gerichtshof, der unter Leitung des St. Galler Professors Carl Baudenbacher steht, Island habe nicht gegen die EU-Richtlinien zum Schutz von Bankkunden verstossen.

Im Zuge der Finanzkrise von 2008 waren die drei führenden isländischen Banken zusammengebrochen. Dazu zählte auch die Landsbanki, Mutter der Online-Bank Icesave, die Sparer mit hohen Zinsen angelockt hatte. Island übernahm die Inlandgeschäfte der Banken und entschädigte ausschliesslich die isländischen Sparer mit den jeweiligen Garantiesummen. Die Reykjaviker Regierung sagte zunächst zu, die Milliarden bei London und Den Haag abzustottern, doch wurde dieses Abkommen und ein zweites in Volksabstimmungen abgelehnt.

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