Hummlers Heimspiel

Vom feuchtfröhlichen Trubel der Offa eine Halle weiter war gestern abend in der Olma-Halle 2 wenig zu sehen. Die gegen 50 geladenen Gäste, die sich beim Podium beim Bücher-Stand von Orell Füssli versammelt haben, sind auch nicht wegen der Offa hier.

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Konrad Hummler spricht mit Philipp Landmark (l.) über sein Buch. (Bild: Urs Jaudas)

Konrad Hummler spricht mit Philipp Landmark (l.) über sein Buch. (Bild: Urs Jaudas)

Vom feuchtfröhlichen Trubel der Offa eine Halle weiter war gestern abend in der Olma-Halle 2 wenig zu sehen. Die gegen 50 geladenen Gäste, die sich beim Podium beim Bücher-Stand von Orell Füssli versammelt haben, sind auch nicht wegen der Offa hier. Sie kamen, um Konrad Hummler zu sehen, Teilhaber der St. Galler Privatbank Wegelin & Co. und seit kurzem Verwaltungsratspräsident der NZZ-Gruppe, zu der auch diese Zeitung gehört. Deren Chefredaktor Philipp Landmark stellt fest: «Damit ist er auch mein oberster Chef.» Auf dem Podium befragte er Hummler über dessen Buch «Versuch, Irrtum, Deutung», einer Auswahl aus seinen Anlagekommentaren aus 20 Jahren, das kürzlich im Orell Füssli Verlag erschienen ist.

Biotop und Blase

«Ihn einer Fangemeinde vorstellen, ist wie Wasser in den Rhein tragen», eröffnet Philipp Landmark das Podium. Eine Fangemeinde erarbeitete sich Hummler nicht nur als Banker, sondern auch als Verfasser der Anlagekommentare, die er alle sechs bis sieben Wochen verfasst. Wer die liest, weiss allerdings nachher selten, welche Aktien er nun kaufen soll und welche nicht. Darin gibt es Geschichten wie die vom Biotop, das Hummler als Junge im Garten grub. Dieses wurde der Reihe nach von immer neuen Spezies von Würmern und anderem Getier überschwemmt, bis sich nach einigen Jahren ein Gleichgewicht einstellte. Damit habe er die Internet-Blase um die Jahrtausendwende beschreiben wollen, erklärt Hummler den Zuschauern: Bis ein Gleichgewicht erreicht sei, müssten erst ein paar Blasen platzen.

Grobschlächtige Banken

Mit dem Schreiben begann Konrad Hummler nicht erst als Teilhaber von Wegelin & Co. Bereits als Student war er Chefredaktor der «Schweizerischen Hochschulzeitung». Nun ist er auch Präsident eines Medienunternehmens. Kommunikation sei spannend. «Wie kommt eine Information an den, den sie interessiert?» Die Medien wie die Banken stünden vor einer Umwälzung, glaubt er. Angetrieben wird sie durch das Internet, und die «Sozialisierung des Wissens». Die Kunden der Banken sind nicht mehr ahnungslos. So müsse sich auch die Bank verändern. «Eine Bank ist eine grobschlächtige Antwort auf das Problem der Kapitalallokation», also die bestmögliche Verwendung des vorhandenen Kapitals. Aber auch die Zeitung sei ein «grobschlächtiges Möbel» – nicht jeder Leser interessiere sich für alles, was darin steht.

Derivate für die Offa

In der anschliessenden Fragerunde wollen die Zuhörer dann doch mehr über Banken wissen – und die Nachwirkungen der Finanzkrise. Das Problem für Hummler: Die implizite Staatsgarantie für die Grossbanken. Damit könne man geschäften wie mit einem «unendlich reichen Onkel im Hintergrund». Zum Schluss zollt Hummler dann doch noch der Offa Tribut. «Es gibt kaum eine adäquatere Metapher für die gegenwärtige Kreditmarktkrise als die Wurst», liest er vor. Denn «die Wurst ist ein Fleischderivat».

Kaspar Enz