Hürden für Frauen in der Chefetage bleiben hoch

Sie lassen sich an einer Hand abzählen, die Chefinnen der grossen Schweizer Konzerne. Da wäre etwa Monika Ribar (52), die den Logistikkonzern Panalpina führt. Oder ABB-Schweiz-Chefin Jasmin Staiblin (42), die ab 2013 das Ruder beim Energiekonzern Alpiq übernimmt.

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Post-Chefin Susanne Ruoff. (Bild: ky)

Post-Chefin Susanne Ruoff. (Bild: ky)

Sie lassen sich an einer Hand abzählen, die Chefinnen der grossen Schweizer Konzerne. Da wäre etwa Monika Ribar (52), die den Logistikkonzern Panalpina führt. Oder ABB-Schweiz-Chefin Jasmin Staiblin (42), die ab 2013 das Ruder beim Energiekonzern Alpiq übernimmt. Auch der Mitbewerber BKW bekommt mit Suzanne Thoma (50) eine Frau zur Chefin. Seit dem 1. September hat auch die Post mit Susanne Ruoff (54) eine Frau an der Spitze. Sie sind jene wenigen Frauen, die hierzulande als erfolgreiche weibliche Führungskräfte bekannt sind.

Schweiz europaweit abgeschlagen

Tatsache ist aber, dass Schweizer Unternehmen im europäischen Vergleich am wenigsten Frauen in Führungspositionen aufweisen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). In der EU geben 29 Prozent der Arbeitnehmer an, eine Frau als Vorgesetzte zu haben, in der Schweiz sind es 20 Prozent. Der Frauenanteil in Geschäftsleitungen der 115 grössten Schweizer Unternehmen beträgt 5 Prozent. Dies geht aus einer Studie des Personalvermittlers Guido Schilling hervor. Die Studie hält weiter fest, dass der Frauenanteil seit sieben Jahren stagniert.

Ist dies ein Zeichen dafür, dass alle Diskussionen und Anstrengungen unnütz sind und die Quote das einzige Mittel ist, die Männerdomäne Management zu knacken? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Auffällig ist, dass sich viele erfolgreiche Managerinnen wie Swatch-Verwaltungsratspräsidentin Nayla Hayek gegen Quoten aussprechen. Alleine die Leistung sei entscheidend, sagen sie. Studien sagen anderes. Etwa, dass Frauen im Vergleich zu gleich qualifizierten Männern immer wieder Benachteiligungen – in Form von familiären und gesellschaftlichen Verpflichtungen – erfahren, egal wie viele Hürden sie überwinden. Folglich müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt sein, damit es Frauen an die Spitze von Firmen schaffen. Und hier setzen die durchaus gewillten Unternehmen den Hebel an bei der Anstrengung, den Frauenanteil im Kader zu erhöhen.

Krippen, Arbeitszeitmodelle, Vorbilder

Eines der zentralen Themen für die Unternehmen ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, wie eine Umfrage bei Firmen zeigt. Raiffeisen (26 Prozent Frauenanteil im Kader) und Helvetia (17 Prozent) unterhalten Kinderkrippen an ihren Hauptsitzen. Weiter nennen die Unternehmen flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, als Mittel, um Beruf und Familie zu vereinbaren. Das Umdenken beginnt aber bereits in den Köpfen, bei der Definition der Geschlechterrollen. So müssten sich auch Männer mit Familien- und Hausarbeit anfreunden, heisst es in Studien. Immer wieder thematisiert wird das Interesse respektive Desinteresse der Frauen für gewisse Themen.

Industriekonzerne tun sich besonders schwer damit, Frauen zu rekrutieren. Bühler (6 Prozent Frauen im Kader) und Huber + Suhner (2 Prozent) reagieren darauf mit der direkten Ansprache von Frauen in der Nachwuchsrekrutierung. Netzwerke für Mitarbeiterinnen, wie sie etwa die Thurgauer Kantonalbank und die UBS kennen, und Mentoring-Programme für talentierte Frauen – Vorbilder spielen eine zentrale Rolle – sind weitere Instrumente, mit denen die Firmen die Frauenquoten erhöhen wollen. Und schliesslich liegt es auch an den Frauen, Entschlussfähigkeit und Ausdauer zu beweisen, sich zu trauen, Stolz, Ehrgeiz und Mut zu zeigen. Sabrina Dünnenberger