Hügli wächst ein weiteres Mal

Die Ostschweizer Nahrungsmittelherstellerin Hügli investiert in ihre Standorte und ihr Sortiment. Nach der Rückkehr zum Wachstum im Vorjahr hat sie auch 2014 in einem schwierigen europäischen Marktumfeld zugelegt.

Thorsten Fischer
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Hügli stellt Convenience-Produkte für Restaurants und Betriebsverpflegung her, bedient aber auch Lebensmittelindustrie und Detailhandel. (Bild: Ralph Ribi)

Hügli stellt Convenience-Produkte für Restaurants und Betriebsverpflegung her, bedient aber auch Lebensmittelindustrie und Detailhandel. (Bild: Ralph Ribi)

STEINACH. Auch Klassiker bleiben von einem stagnierenden Markt nicht verschont: Trockenmischprodukte wie Suppen, Saucen oder Bouillons, die aus Pulver angerührt werden, konnten 2014 in Europa insgesamt nicht weiter zulegen. Dafür stieg die Nachfrage nach High-Convenience-Produkten, beispielsweise Flüssigprodukte, die in den Küchen direkt verwendet werden können. Wie die Ostschweizer Nahrungsmittelherstellerin Hügli an ihrer Bilanzmedienkonferenz in Zürich erklärte, hat der technologische Fortschritt diese Produkte erst möglich gemacht, die es in dieser Form vor fünf Jahren noch nicht gab.

Dem schwierigen Markt getrotzt

Hügli begegnet dem Wandel in der Branche aktiv, wie Unternehmenschef Thomas Bodenmann deutlich machte. Dort, wo sich der Markt konsolidiert, tritt Hügli bei passender Gelegenheit als Käuferin auf. Zuletzt übernahm die Gruppe Vermögensteile der deutschen PrimaVita GmbH. Erworben wurden die Marken Eden und GranoVita. Weil diese Namen in vielen Sprachen verständlich sind, will Hügli damit verstärkt international expandieren – im wachsenden Markt für gesunde Ernährung.

Zwar trat der Markt bei klassischen Trockenmischprodukten in Europa auf der Stelle, aber Hügli konnte dennoch punkten. In der Division Private Label (Marken für den Lebensmitteldetailhandel), beschleunigte die vorübergehende Absenz eines Mitbewerbers das Hügli-Wachstum. Ebenso half, dass Hügli anders als gewisse Konkurrenten ihre Vertriebsmannschaften nicht abgebaut hat und damit nah an den Kunden blieb. In Italien wurden die im Vorjahr eingeleiteten Massnahmen, dazu gehörte auch ein Personalabbau, im Geschäftsjahr 2014 zunehmend ertragswirksam. Wie Bodenmann weiter zeigte, wird einiges in Technologien investiert. Am grössten Produktionsstandort der Gruppe im süddeutschen Radolfzell ist für Herbst 2016 eine neue Mischfabrik mit Hochregallager geplant. 2014 wurden laut Hügli 16,3 Mio. Fr. in moderne und leistungsfähige Maschinenparks an allen Standorten investiert.

Das Investitionsvolumen am Standort Schweiz war dabei 2014 deutlich höher als 2013. Unter anderem wurde in Steinach eine Mischanlage für die Pastenproduktion in Betrieb genommen. Am Standort St. Gallen wurde in ein Verfahren investiert, das die Herstellung von säuremilden aseptischen Dressings ermöglicht. Laut Geschäftsbericht trägt der Standort Schweiz «seit Jahren massgeblich zum positiven Hügli-Ergebnis bei und behauptet sich trotz herausfordernder Kosten- und Währungssituation sehr gut».

Wie Hügli-Chef Bodenmann vor den Medien sagte, betrifft die Währungssituation nicht die gute Betriebsleistung Hüglis. Allerdings entsteht in der Folge ein Translationseffekt – wenn die ausserhalb der Schweiz erzielten Umsätze und Erträge mit einem Anteil von über 80% der Hügli-Gruppe tiefer in den Franken umgerechnet werden.

Opting-Up-Klausel soll fallen

Der Generalversammlung vom 20. Mai wird eine höhere Dividende von 16 (i. V. 14) Fr. pro Aktie vorgeschlagen. Zudem soll das Opting Up wegfallen. Gegenüber der Agentur SDA bestätigte Hügli-Finanzchef Andreas Seibold, dass der Sika-Fall – dort geht es um die weiterführende Klausel Opting Out – die Diskussion ausgelöst habe. «Wir kamen zum Schluss, dass eine solche Klausel nicht mehr zeitgemäss ist.» Es sei stossend, wenn Publikumsaktionäre schlechter gestellt seien als der Ankeraktionär. Bei Hügli klaffe aber ohnehin keine zu grosse Lücke zwischen Kapital- und Stimmenanteil.

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