Hügli schöpft leise Zuversicht

Starker Franken und unerwartete Ereignisse haben der Ostschweizer Nahrungsmittelherstellerin Hügli ein ungemütliches Jahr 2011 beschert. Trotz rückläufiger Ergebnisse bleibt die Ertragskraft aber solide. Neues Wachstum ist in Aussicht.

Thorsten Fischer
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ZÜRICH. Der starke Franken bleibt ein Dauerbrenner. Auch am Umsatz der Steinacher Nahrungsmittelgruppe Hügli hat er sichtbar genagt. 2011 ist die Herstellerin von Suppen, Saucen, Fertiggerichten, Desserts und Antipasti organisch zwar um 1,4% gewachsen. Doch in Franken ausgewiesen zeigt sich ein anderes Bild. Die in verschiedenen europäischen Ländern tätige Hügli erlitt ein Umsatzminus von 11% und einen Gewinnrückschlag von 29% (siehe Tabelle).

«Wir sind mit dem Resultat nicht zufrieden», sagte Unternehmenschef Thomas Bodenmann an der Bilanzmedienkonferenz. Was für Schweizer Firmen in vielen Branchen gilt, ist nun auch bei Hügli der Fall: 2012 wird wohl «ein Übergangsjahr» werden. Bereits ergriffene Kostensenkungen sollen sich finanziell auszahlen, und im Markt will Hügli 4% bis 5% organisch wachsen.

Überraschungen im Ausland

Nicht nur ungünstige Wechselkurse oder hohe Rohstoffpreise haben 2011 die Ergebnisse gedämpft. 12 Mio. Fr. Umsatz fielen – kalkuliert – weg, weil sich Hügli in Osteuropa von der Produktlinie schokoladehaltige Brotaufstriche und Couverturen getrennt hat.

Andere, äussere Einflüsse lassen sich weniger planen. In Ungarn wird, quasi als staatliche Gesundheitsförderung, seit Herbst eine Steuer auf Getränke und Nahrungsmittel erhoben, die gewisse Mengen an Zucker, Salz oder Kohlehydraten enthalten. Im Volksmund wird sie auch «Chipssteuer» genannt.

Mit der Abgabe dürften sich in Ungarn jedoch auch bestimmte rasch zubereitbare Convenience-Produkte verteuern. Als eigentlichen Hintergrund sieht Bodenmann in diesem Fall die Wirtschaftskrise. Für die Zubereitung von Convenience-Produkten werde in Kantinen oder Grossküchen letztlich weniger Personal benötigt; dem solle die Sonderabgabe offensichtlich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten entgegenwirken. Trotz dieses Umfelds habe sich Hügli mit seinen Convenience-Produkten überdurchschnittlich gut behauptet.

Direkt Einfluss nehmen musste Hügli letztes Jahr in seinem Italien-Geschäft: «Entgegen unseren Planungen stellte sich der Geschäftsgang in Italien komplett anders dar», heisst es im Geschäftsbericht. Deutliche Umsatzverluste waren aufgetaucht. Laut Bodenmann hatte man italienische Produkte innerhalb Italiens über Agenten vertrieben. Der Kundenkreis wuchs zwar rasch – allerdings kam es nach und nach zu Zahlungsproblemen respektive Delkredere-Ausfällen.

Inzwischen hat Hügli den Kundenbestand akribisch durchforstet und «die Organisation gesundgeschrumpft». Nicht davon betroffen war die Ausfuhr italienischer Produkte in den Norden. Sie verlief weiterhin erfolgreich.

Das inneritalienische Geschäft wegen des Zwischenfalls aufzugeben ist für den Hügli-Chef kein Thema. «Der Markt Italien ist sehr interessant und sehr gross.» Weil sich bei den Spezialitäten vor allem kleinere Anbieter tummeln, stehen die Chancen für Neueinsteiger gut, Marktanteile zu gewinnen.

Neue Gliederung eingeführt

Auch insgesamt überwiegt bei der Hügli-Spitze die Zuversicht. Mit einer soliden, operativen Gewinnmarge von 8,6% im Rücken sollen weitere Marktanteile dazu gewonnen werden. Hilfe erhofft man sich von den neu aufgeteilten Vertriebsdivisionen. Die Division Food Industry beschäftigt sich gezielt mit Geschäftspartnern der Lebensmittelindustrie, die an Halbfabrikaten interessiert sind. Die Division Brand Solutions kümmert sich um Produkte für Markenunternehmen, denen der Vertrieb besonders wichtig ist. Die Division Consumer Brands verschreibt sich dem Verkauf eigener Hügli-Marken, vorab in Bioqualität, an Konsumenten.

Die Zuversicht lässt der Verwaltungsrat auch bei der Dividende für das schwierige Jahr 2011 durchscheinen. Sie soll zum Vorjahr unverändert 15.50 Fr. pro Inhaberaktie betragen.

Abfüllerei von Hügli in Steinach: Lebensmittel entwickeln, fertigen und in ausgewählten Ländern vertreiben. (Bild: pd)

Abfüllerei von Hügli in Steinach: Lebensmittel entwickeln, fertigen und in ausgewählten Ländern vertreiben. (Bild: pd)