Huber+Suhner feilt an seinen Strukturen und baut in der Schweiz 100 Stellen ab, davon ungefähr 55 in Herisau

Temporäre Massnahmen reichen nicht mehr, jetzt beschneidet Huber+Suhner die Strukturen. 250 Stellen werden abgebaut, davon 100 in der Schweiz. Der Abbau hierzulande dürfte absolut gesehen stärker den Standort Herisau betreffen und etwas weniger jenen in Pfäffikon ZH. Dabei «kann es zu vereinzelten Kündigungen kommen».

Thomas Griesser Kym
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Produktion von Glasfaserkabeln bei Huber+Suhner in Herisau.

Produktion von Glasfaserkabeln bei Huber+Suhner in Herisau.

Bild: Ralph Ribi

Die Märkte erholen sich langsamer als erwartet. Oder als erhofft. Das bekommt auch der Technologiekonzern Huber+Suhner zu spüren. Zwar habe sich die Lage im Zusammenhang mit der Bewältigung der Coronapandemie im dritten Quartal «weitestgehend» stabilisiert, und temporäre Massnahmen hätten «entscheidend» dazu beigetragen, die negativen Folgen der Pandemie «vorübergehend» abzufedern.

Wichtig hier ist das Wort «vorübergehend». Mittlerweile geht der Konzern, der Kabel, Stecker, Antennen, Sensoren usw. für die optische und elektrische Verbindungstechnik davon aus, dass das nicht mehr reicht. Die temporären Massnahmen umfassen eisernes Kostensparen seit Jahresbeginn, einen weitestgehenden Einstellungsstopp, Kurzarbeit und befristete Reduktion der Kaderlöhne im Umfang von 10 Prozent. Zudem wurden aufgrund coronabedingter Restriktionen Reise- und Marketingbudgets nur zu einem geringen Teil ausgeschöpft.

Aus in Brasilien, Abbau in der Schweiz

Nun aber schreibt Huber+Suhner von neuen, veränderten Rahmenbedingungen, und an diese müsse man die Strukturen anpassen. Das bedeutet Abbau. Bis Mitte 2021 sollen konzernweit 250 der weltweit fast 4700 Stellen wegfallen, sowohl in der Produktion als auch in der Administration.

Konkret werde der ertragsschwache Produktionsstandort in Brasilien mit gut 100 Arbeitsplätzen geschlossen. Weitere rund 50 Jobs sollen punktuell an anderen Auslandsstandorten abgebaut werden. In der Schweiz fallen an den beiden Hauptsitzen in Herisau und Pfäffikon ZH zeitlich gestaffelt rund 100 Stellen weg.

«Vereinzelte Kündigungen» seien möglich

Auf Anfrage sagt Konzernsprecher Patrick G. Köppe, Huber+Suhner habe in der Schweiz 1250 Mitarbeitende, davon annähernd 700 in Herisau und gut 550 in Pfäffikon. Vom Stellenabbau dürften «beide Standorte prozentual etwa gleich betroffen sein». Das liefe dann etwa auf 55 Stellen in Herisau und auf 45 Jobs am Zürcher Standort hinaus, die gestrichen werden dürften. Über das Vorgehen sagt Köppe:

«Wir werden den Abbau so vornehmen, dass ein Grossteil der Reduktion über natürliche Fluktuation und Frühpensionierungen erfolgen kann. Es kann zu vereinzelten Kündigungen kommen, was so sozialverträglich wie möglich erfolgen wird.»

Und auf die Frage nach einem allfälligen Sozialplan antwortet Köppe:

«Die Anzahl Kündigungen wird sich auf jeden Fall weit weg von einer Massenentlassung mit Sozialplan bewegen.»

Kurzarbeit soll bald ganz aufgehoben werden

Die strukturellen Einschnitte sollen zusammen mit den bereits ergriffenen Massnahmen jährliche Kosteneinsparungen von 15 bis 20 Millionen Franken bringen. Betreffend Kurzarbeit in der Schweiz sagt Köppe, nach Kurzarbeit im Mai und Juni werde in der Administration seither wieder voll gearbeitet. In der Produktion schaue man seit Juli von Monat zu Monat. Im Moment werde Kurzarbeit in drei sehr spezifischen Produktionsbereichen geleistet. Und:

«Nach heutiger Planung ist vorgesehen, ab Dezember 2020 auf Kurzarbeit ganz zu verzichten.»

Wie Huber+Suhner schreibt, liegt das Geschäftsniveau trotz Stabilisierung in den wichtigsten Märkten noch ein Stück weit entfernt von den Volumen, die man vor Ausbruch der Pandemie prognostiziert hatte. Aus heutiger Sicht geht das Unternehmen von einer schrittweisen Erholung aus, die sich auch ins nächste Jahr hinein erstrecken dürfte. Köppe sagt:

«Wir rechnen damit, dass sich das Geschäft mittelfristig wieder erholt.»

Huber+Suhner setze Investitionen in zukunftsgerichtete Anwendungen fort und werde von einem Aufschwung profitieren können. Köppe:

«Wir gehen davon aus, dass damit auch die Schaffung neuer Stellen verbunden sein wird.»

Rückstände etwas verringert

Für die ersten neun Monate 2020 meldet der Konzern einen Auftragseingang von 571 Millionen Franken, 9 Prozent weniger als in der Vorjahresperiode. Der Umsatz liegt mit 563 Millionen Franken um 13 Prozent tiefer. Damit sind die Rückstände nun etwas kleiner als sie es zur Jahresmitte waren. Alle drei Sparten – Fiberoptik, Hoch- und Niederfrequenz – liegen im Minus.