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HSG-Ökonom zur neuen Note: «Hatte noch nie einen 200er im Portemonnaie»

Die neue 200er-Note ist da. Demnächst kommt der Geldschein in Umlauf. Doch: Wer bezahlt heutzutage noch mit einer so grossen Note? Tobias Trütsch, St.Galler HSG-Ökonom, über den Gebrauch von Bargeld und das Zahlungsverhalten von Herrn und Frau Schweizer.
Alexandra Pavlovic
Die neue 200er-Note der Schweizerischen Nationalbank kommt am 22. August in Umlauf. (Bild: Keystone)

Die neue 200er-Note der Schweizerischen Nationalbank kommt am 22. August in Umlauf. (Bild: Keystone)

Tobias Trütsch Sie sind Ökonom. Welchen Bezug zum Geld haben Sie?

Geld kann natürlich verschiedene Funktionen haben. Für mich persönlich ist Bargeld hauptsächlich Mittel zum Zweck.

Wie gefällt Ihnen die neue 200er-Note und wie häufig haben Sie diese in Ihrem Portemonnaie?

Die Farbgebung finde ich suboptimal. Die neue 200er-Note hat eine braun-grüne Färbung, das irritiert, weil sie doch sehr der 50-Franken-Note ähnelt und somit leicht verwechselt werden kann. Das Sujet interpretiere ich auf den ersten Blick als Rütlischwur, das gefällt, weil die Werte der Schweiz aufgenommen werden. Die Hand zeigt aber gemäss Nationalbank verschiedene Koordinatenachsen. Die Gefahr einer solchen Fehlinterpretation hätte man vermeiden können. Ich persönlich habe noch nie eine 200er-Note im Portemonnaie gehabt, und so schnell wird das wohl auch nicht der Fall sein.

Tobias Trütsch, Wissenschaftler und Ökonom an der Universität St.Gallen. (Bild: PD)

Tobias Trütsch, Wissenschaftler und Ökonom an der Universität St.Gallen. (Bild: PD)

Dann gehören Sie vermutlich zum Grossteil der Schweizer, die ebenfalls kaum 200er-Noten haben. Wie viel Franken besitzen die meisten eigentlich im Portemonnaie?

Herr und Frau Schweizer haben im Durchschnitt 20 bis 120 Franken im Portemonnaie. Wie eine unserer Studien gezeigt hat, beträgt der durchschnittliche Betrag, der im Laden bezahlt wird, 24 Franken. Höhere Beträge werden eher mit Debit- und Kreditkarten beglichen.

Braucht es die 200-Franken-Note überhaupt?

Ja, die braucht es.

Inwiefern?

Trotz ihres hohen Wertes ist die 200er-Note relevant für gewisse Personen. Noch immer werden über die Hälfte der Zahlungen im Laden in bar abgewickelt. Was wir zudem beobachtet haben, ist, dass bei Beträgen über 500 Franken vermehrt bar bezahlt wird. Hierzu wird die 200er-Note gerne benützt. Und nicht zu vergessen ist die Tatsache, dass Personen ab 45 Jahren eher hohe Bargeld-Beträge zur Hand haben sowie ein Grossteil der über 60-Jährigen Bargeld statt auf der Bank zu Hause liegen hat.

Seit 1997 ist der Geldschein nun im Umlauf. Wird es diesen in 10 Jahren noch geben?

Bestimmt. Die Schweizer Nationalbank wird auch weiterhin an ihrer Stückelung mit 10er-, 20er-, 50er-, 100er-, 200er- sowie 1000er-Note festhalten. Wenn dann muss man sich fragen, ob es die 1000er-Note noch lange geben wird.

Wieso?

Die 1000er-Note steht schon seit jeher in der Kritik. Als Note mit dem höchsten Nennwert wird sie von vielen eher als Wertobjekt, denn als Zahlungsmittel eingesetzt. Kritiker lamentieren zudem, dass die Funktion des Geldscheins immer mehr in den Hintergrund rückt, da mit dieser Note kaum noch bezahlt wird und sie vor allem für illegale Geschäfte und in der Schattenwirtschaft verwendet wird.

Sie haben erstmals in einer Studie das Zahlungsverhalten der Schweizer eruiert und festgestellt, dass Debitkarten noch vor Bargeld und Kreditkarten das umsatzstärkste Zahlungsmittel sind. Überrascht Sie das?

Zum Teil. Wenn wir Zahlungen in Läden betrachten, war das absehbar. Bargeld wurde zusehends ersetzt, die meisten nutzen immer häufiger Debitkarten. Dies, weil die Debitkarten dem Bargeld in ihrer Funktion und ihren Eigenschaften am ehesten gleichen. So wird mit der Debitkarte nicht nur bezahlt, sondern auch Geld abgehoben, und auch der Kontostand ist einsehbar. Die Karte wirkt auf viele vertraut und praktisch, erfüllt ihre Zahlungsfunktion und wird geschätzt, weil man das Budget jederzeit unter Kontrolle hat. Im Gegensatz dazu, ist bei den Kreditkarten die Transparenz der Zahlungen kaum vorhanden.

Im Zeitalter der Digitalisierung ist doch klar, dass Bargeld immer weniger gebraucht wird.

Ja, das ist so. Seit 1990 hat der Bargeldanteil im Laden deutlich abgenommen. Wurden 1990 noch 90 Prozent des Umsatzes in bar bezahlt, waren es 2016 nur noch rund 50 Prozent. In der gleichen Zeitspanne hat der Umsatz der Debitkarten von 0,4 auf 28 Prozent zugenommen, derjenige der Kreditkarten von 6 auf 17 Prozent. Diese Werten werden auch in Zukunft steigen. Zunehmen wird auch das Mobile Payment, also auch das Bezahlen per Handy.

Wie bezahlen Herr und Frau Schweizer eigentlich hauptsächlich?

Unsere Studie hat gezeigt, dass es rund 44 Prozent Mischzahler gibt. Je nach Betrag, Ort und Situation wird eher mit Bargeld oder Karte gezahlt. Beim Bäcker ist das Zahlungsverhalten beispielsweise ein anderes als im Restaurant. Den sogenannten Monozahler, also zum Beispiel nur Bargeldzahler, gibt es kaum noch.

Schauen wir in die Zukunft. Wie wird sich das Zahlungsverhalten der Schweizer entwickeln?

Es zeichnet sich ein eindeutiger Trend zu mehr Kartenzahlungen ab. Pro Kopf wird mehr mit der Karte bezahlt und auch mehr ausgegeben. Der Bevölkerung werden immer mehr Möglichkeiten geboten Beträge schneller und einfacher zu bezahlen. Und wir sehen, dass schon heute das Zahlen kleinerer Beiträge ohne Pin möglich ist.

Wird Bargeld eines Tages Geschichte sein und wir bezahlen künftig nur noch per Fingerabdruck?

Das kann durchaus so kommen. Erste Technologien in diese Richtung gibt es bereits. Dass eines Tages biometrische Zahlungsmöglichkeiten vorhanden sein werden, davon ist auszugehen. Doch trotz aller Neuerungen: Das Bargeld wird nicht aussterben. Denn noch immer erfüllt es für viele Menschen eine wichtige Funktion.

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