Hotelsektor im Umbruch

Die Starwood-Hotels gehen in einem Milliardendeal an Marriott. Die US-Kette, herausgefordert durch das Internet, wird nun zur grössten der Welt. Mitgeboten hatten auch chinesische Firmen.

John Dyer
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Das W Hotel in New York, das zur Starwood-Gruppe gehört, die von Marriott International übernommen wird. (Bild: epa/CJ Gunther)

Das W Hotel in New York, das zur Starwood-Gruppe gehört, die von Marriott International übernommen wird. (Bild: epa/CJ Gunther)

BETHESDA. Mitte 2016 sollen Starwood und Marriott zur grössten Hotelkette der Welt vereint werden. Nach langem Bieten verschiedener Hotelgruppen für die zur Fusion bereite Starwood Hotels & Resorts-Gruppe kam die Nachricht vom Zuschlag für Marriott zu Wochenbeginn doch überraschend. Für die Übernahme von Starwood muss Marriott 12,2 Mrd. $ bezahlen.

«Die Grösse zählt»

Bei Starwood ist man mit dem neuen Partner zufrieden. «Als wir uns die Zukunft der Branche angesehen haben, wurde uns klar: die Grösse zählt», erläutert der vorübergehend als Chef amtierende Adam Aron im Business-Kanal CNBC die Entscheidung von Starwood. «Das mit Abstand grösste Hotelunternehmen in der Welt zu sein, passte strategisch genau.» Denn Starwood ist in den letzten Jahren nicht mehr gewachsen. Die Fusion macht Sinn. Ein Zimmer bei Starwoods Sheraton bringt durchschnittlich 114,40 $ pro Nacht. Marriott nimmt pro Nacht und Zimmer dagegen 150 $ ein. Marriott bringt neben dem eigenen weitere grosse Namen in das neue Hotelimperium ein, von Ritz-Carlton, dem Inbegriff für Luxushotels, über Sheraton bis St. Regis. Hinzu kommen Aloft, die preiswerten Marriott Courtyard Hotels, Residence Inn, W Hotels und Westin.

1,1 Millionen Zimmer weltweit

Zur in Bethesda (Maryland) ansässigen Marriott-Gruppe gehören 4300 Hotels, die meisten sind Franchise-Unternehmen. Starwood aus Connecticut hat etwa 1200 Hotels, davon sind etwa die Hälfte Franchise-Hotels. Zusammen wird das neue Imperium 5500 Hotels mit 1,1 Millionen Zimmern in über 100 Ländern umfassen. Zahlreiche Hotelketten hatten für Starwood geboten, seit man dort im April Fusionsbereitschaft signalisiert hatte. Vor allem chinesische Häuser versuchten, ihre US-Konkurrenten zu überbieten. Die besten Chancen waren Hyatt Hotels aus Chicago eingeräumt worden, doch Marriott machte schliesslich das Rennen.

Der heftige Bieterwettstreit macht die Veränderungen im Hotelsektor deutlich. Neuerdings setzten Investoren auch immer mehr auf Neulinge in der Branche wie den privaten Zimmervermittler AirBnB, der auf einen Wert von 25 Mrd. $ geschätzt wird, auch, weil er keine eigenen Liegenschaften mit den entsprechenden Kosten hat. Die Preise der grossen Hotelketten sind ebenfalls derzeit unter Druck. Dafür sorgen Online-Vermarkter wie Expedia oder Booking.com. Umso grösser eine Hotelgruppe ist, umso besser kann sie diesem Druck zur Preissenkung widerstehen.

Globale Präsenz erhöht

In den Vereinigten Staaten wird Marriott-Starwood nur 15% aller Hotelzimmer besitzen, aber in lukrativen Märkten wie New York City oder Washington D. C. immerhin 25%. Die Hälfte der Starwood-Hotels stehen in Europa und im Nahen Osten. In Asien hat Starwood seinen Marktanteil jüngst ausbauen können. Für Marriott bietet das die Gelegenheit, sich international noch mehr auszuweiten. «Starwood ist globaler aufgestellt als Marriott», räumte Marriott-Chef Arne Sorenson ein.

Alan Reay von Atlas Hospitality Group in Kalifornien meint, dass dies auch andere grosse Hotelgruppen dazu bringen wird, sich Partner zu suchen. «Es wird alle anderen dazu bringen, zumindest über Fusionen zu reden.»

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