Hoteliers sind unzufrieden

Die Wettbewerbskommission weist Onlineportale für Hotelzimmerbuchungen in die Schranken. Doch laut Hotelbranche bewirkt die Behörde das Konträre und stärkt die Marktmacht der Portale.

Thomas Griesser Kym
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Im Kampf um Gäste für ihre Betten sind Hotels auch auf Buchungsplattformen angewiesen. (Bild: ky/Jean-Christophe Bott)

Im Kampf um Gäste für ihre Betten sind Hotels auch auf Buchungsplattformen angewiesen. (Bild: ky/Jean-Christophe Bott)

BERN. Seit vergangenem Dezember hat die Wettbewerbskommission (Weko) drei Onlineportale für die Buchung von Hotelzimmern untersucht. Im Zentrum stand die Frage, ob Booking.com, Expedia und HRS mit ihren Vertragsklauseln, wonach Hotels auf keinem anderen Vertriebskanal tiefere Preise festlegen oder eine grössere Anzahl Zimmer anbieten dürfen, gegen das Kartellgesetz verstossen.

In ihrer Untersuchung ist die Weko nun zum Schluss gekommen, dass die Buchungsplattformen mit ihren Vertragsklauseln den Wettbewerb beschränken. Als Folge verbietet die Weko den Betreibern dieser Plattformen, die Hotels in deren Angebotspolitik «umfassend einzuschränken», wie die Behörde mittelt.

Wegen dieser Klauseln könnten die Hotels nämlich auf Vertriebskanälen mit tieferen Kommissionen keine vorteilhafteren Angebote offerieren, schreibt die Weko. Auch ist es nicht möglich, die Preise, sobald diese einmal festgelegt sind, kurzfristig oder für einzelne Zimmer zu reduzieren. Die Hotels müssten dann vielmehr sämtliche Zimmerpreise senken.

Keine Bussen verhängt

Die Weko hat deshalb die Verwendung «solcher umfassender Vertragsklauseln» verboten. Die weltgrösste Buchungsplattform Booking.com mit Sitz in Amsterdam und die US-Agentur Expedia haben diese widerrechtlichen Vertragsklauseln bereits angepasst. HRS mit Sitz in Köln wird verpflichtet, dies noch zu tun. Booking.com und Expedia haben zudem kürzlich europaweit als Folge kartellrechtlicher Untersuchungen in diversen anderen Ländern weniger restriktive Bestimmungen eingeführt. Bussen hat die Weko keine verhängt, weil das Verhalten der Plattformen nicht direkt sanktionierbar sei und sich Hinweise auf den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung nicht erhärtet hätten.

Hoteliers bleiben eingeschränkt

Der Verband Hotelleriesuisse ist allerdings mit dem Weko-Entscheid ganz und gar nicht zufrieden. Zwar bekämen die Hotels auf den ersten Blick mehr Freiheit, weil sie die Garantien für die gleich günstigen Preise für alle (Preisparitätsgarantie) nicht mehr absolut einhalten müssten. «Sie haben jedoch weiterhin keine Möglichkeit, auf ihrer eigenen Webseite ihren Gästen direkt Buchungsvorteile anzubieten und sind somit in ihrer unternehmerischen Freiheit eingeschränkt.» Denn interne Vertriebskanäle wie die hoteleigene Homepage unterstünden weiterhin den umstrittenen Klauseln. «Die Marktmacht der Buchungsplattformen ist damit nicht gebrochen, sondern sogar noch gestärkt», schreibt Hotelleriesuisse.