Homeoffice kann nicht alles: «Im Büro gestaltet man gemeinsam die Zukunft»

An einer Online-Veranstaltung des Thurgauer Technologieforums gab es Tipps fürs Homeoffice. Dabei wurde klar: Auch die Arbeit über Distanz braucht Übung.

Kaspar Enz
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Wieder sitzt ein grosser Teil der Schweizer Angestellten im Homeoffice.

Wieder sitzt ein grosser Teil der Schweizer Angestellten im Homeoffice.

Bild: ky/Gaetan Bally

Dass die Zusammenarbeit über längere Distanzen als eine Sitzungszimmerlänge auch Tücken hat, bewies die Sonderveranstaltung des Thurgauer Technologieforums letzte Woche selber. Ursprünglich war die Veranstaltung zum Thema Homeoffice im Betriebszentrum der TKB angekündigt, nun fand sie per Video-Livestream statt. Doch wer die Vorträge live mitverfolgen wollte, wurde enttäuscht. Der Stream war voller Unterbrechungen, erst im Nachgang war die Aufzeichnung vollständig einsehbar.

Technik und Sicherheit

Damit die Arbeit im Homeoffice funktioniert, muss die Technik stimmen. Was die Anforderungen sind, beleuchtete Anfangs Michael Tantau, Produktmanager bei Swisscom. Dabei sei die Sicherheit besonders wichtig. Denn beim Homeoffice könnten sich private und berufliche Anwendungen vermischen, zum Beispiel weil die Mitarbeitenden zu Hause eigene Geräte nutzen. Die Daten der Firma gelte es unbedingt zu schützen, sagte Tantau.

Michael Tantau, Produkt-Manager bei der Swisscom

Michael Tantau, Produkt-Manager bei der Swisscom

Bild: PD

Die Voraussetzungen für den modernen Arbeitsplatz seien aber nicht rein technischer Natur. «Es braucht eine Digitalisierungsstrategie», sagte Tantau. So müssten die Mitarbeitenden von zu Hause aus auch auf die wichtigen Daten zugreifen können. Nicht nur das. Der moderne Arbeitsplatz, flexibel und ortsunabhängig, ist nicht nur eine technische Herausforderung. Auch Führung und Kultur müssen sich in den Unternehmen ändern. «Es braucht Modelle für die virtuelle Teamarbeit. Das muss man lernen».

Flexibilität ist Kulturfrage

Das machte auch Danny Schweingruber klar, Leiter der Office-Akademie bei der Frauenfelder Witzig AG. «Die Transformation der Arbeitswelt ist weniger eine Frage der Technologie oder des Büros. Sie ist eine Frage der Kultur.»

Dass die Flexibilisierung der Arbeit und des Arbeitsortes überhaupt möglich wurde, sei eine recht neue Entwicklung. «Wissen und Technologie war lange an den Arbeitsort gebunden», sagte Schweingruber. Die Digitalisierung und damit die zunehmende Vernetzung führt dazu, dass der Zugang zu Wissen nicht mehr Ortsgebunden ist. Viele Arbeitnehmende haben deshalb die Möglichkeit, auch zu Hause, im Café oder im Coworking Space zu arbeiten. «Es gibt nicht mehr so viele Gründe, ins Büro zu gehen.»

Danny Schweingruber, Leiter Office Akademie, Witzig AG; Co-Präsident Smart Work Initiative

Danny Schweingruber, Leiter Office Akademie, Witzig AG; Co-Präsident Smart Work Initiative

Bild: PD

Denn es gibt viele Gründe, weshalb Arbeitnehmer zu Hause arbeiten wollen: Zeitersparnis, Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Manche können zu Hause konzentrierter und ungestörter arbeiten. Viele sind motivierter. Aber es gibt auch Herausforderungen: Viele identifizieren sich weniger mit dem Unternehmen, sagte Schweingruber. «Deshalb sollen Unternehmen ein angenehmes Arbeitsumfeld schaffen. So sind die Leute motiviert, um ins Büro zu kommen.» Die Zusammenarbeit im Team kann schwieriger werden. Deshalb brauche es auch Vertrauen, und klare Regeln für die Arbeit im Homeoffice.

Es geht nicht ganz ohne Büro

Am meisten aber fehlt der informelle Austausch mit den Kollegen. Das war laut einer Umfrage nach dem ersten Lockdown der meist genannte Nachteil des Homeoffice. «Diese Kontakte sind wichtig, dass ein Team funktioniert», sagte Schweingruber.

Deshalb brauche es auch weiterhin Büros, sagt Schweingruber. Zwar zeige eine Studie der CS, dass die Ausbreitung des flexiblen Arbeitens zu einer deutlichen Reduktion der Büroflächen führen dürfte. «Aber die Frage ist nicht nur, wie viel Büro es noch braucht», sagt Schweingruber. Eine ebenso wichtige Frage sei, wofür es noch Büros braucht. «Das Büro bleibt ein Ort der Begegnung», macht er klar. Es sei auch der Raum für gelebte Unternehmenskultur – und für kreative Prozesse. «Es ist der Raum, in dem man gemeinsam die Zukunft gestaltet.»

Und trotz der Vorteile des Homeoffice. «Die Corporate Offices bleiben wichtig.» Es werde dort auch noch gearbeitet, sagt Schweingruber. Denn hier seien die Kollegen schneller erreichbar, die technischen Voraussetzungen seien oft besser.