St.Galler Wissenschafter haben festgestellt: Homeoffice bremst die Folgen eines Lockdowns

Unter der Federführung der HSG St. Gallen haben Forscher Coronamassnahmen und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft unter die Lupe genommen.

Stefan Borkert
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Ein Mutter arbeitet im Homeoffice.

Ein Mutter arbeitet im Homeoffice.

Hanspeter Bärtschi

Massnahmen haben weltweit erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaft. Eine neue Forschungsarbeit der Hochschule St.Gallen (HSG) dokumentiert, dass die potenziellen Folgen von Lockdown-­Massnahmen für Beschäftigung und Bruttoinlandprodukt (BIP) in Ländern mit niedrigem und hohem Einkommen ein ähnliches Ausmass aufweisen.

In Ländern mit mittlerem Einkommen sind die Auswirkungen demnach am stärksten. Die Autoren der Studie haben ausserdem einen Online-Lockdown-Simulator entwickelt, mit dem Lockdown-Massnahmen für bestimmte Branchen simuliert werden können. Damit wolle man die politische Debatte über die Gestaltung von Lockdown-Massnahmen in Ländern mit niedrigem, mittleren und hohem Einkommen anregen, heisst es im Fazit der Studie.

Massnahmen wegen ­Corona in 114 Ländern

Zum Team, das die Studie erstellt hat, gehören Forscher der Universität St.Gallen, der University of Edinburgh sowie der McGill University und der Duke University. Mit dabei ist auch Charles Gottlieb vom Schweizerischen Institut für Empirische Wirtschaftsforschung (SEW) der HSG. Als Reaktion auf den Ausbruch von Covid-19 haben 114 Länder Massnahmen umgesetzt, schreiben die Autoren. Diese Massnahmen sehen, abgesehen von systemrelevanten Arbeitsplätzen, Schliessungen oder Homeoffice vor. In Branchen, die zur Schliessung gezwungen werden, könne die Tätigkeit nur von Heimarbeitsplätzen der Mitarbeiter aus fortgesetzt werden.

Unterschiede zwischen den Ländern bei der Fähigkeit zum Homeoffice seien entscheidend, um die wirtschaftlichen Auswirkungen von Lockdown-Massnahmen zu bewerten. Gleichzeitig unterscheiden sich Länder erheblich in ihrer Branchenzusammensetzung, weshalb auf die gleichen Branchen abzielende Lockdown-Massnahmen in verschiedenen Volkswirtschaften zu abweichenden Ergebnissen führen können, heisst es in der Studie weiter.

Frauen können Homeoffice besser

Handwerker können kaum im Homeoffice arbeiten. Sie müssen auf die Baustelle.

Handwerker können kaum im Homeoffice arbeiten. Sie müssen auf die Baustelle.


Gaetan Bally / GAETAN BALLY

Die Untersuchung zeigt auf, dass die Fähigkeit zum Homeoffice je nach Beruf und Demografie stark variiert. Bei rund 60 Prozent der Stellen auf Führungsebene, in freien Berufen sowie für Bürotätigkeiten ist demnach Homeoffice möglich. Aber nur etwa 30 Prozent der Tätigkeiten von Hilfsarbeitskräften, Handwerkern oder Anlagen- und Maschinenbedienern können aus der Ferne ausgeführt werden. Frauen sind erheblich besser in der Lage, von zu Hause aus zu arbeiten (51,5 Prozent) als Männer (37,4 Prozent). Homeoffice ist laut Studie in städtischen Gebieten in armen Ländern deutlich weniger möglich. Die Spanne reicht von rund 35 Prozent in den ärmsten bis zu etwa 53 Prozent in den reichsten Staaten.

Länder mit hohem Einkommen haben eine deutlich höhere Fähigkeit zum Homeoffice, was den Einbruch bei Beschäftigung und BIP aufgrund eines Lockdowns abmildert. Länder mit mittlerem Einkommensniveau verzeichnen die stärksten Rückgänge. Sie haben einen grossen Beschäftigungsanteil in nicht systemrelevanten Branchen sowie eine vergleichsweise geringe Fähigkeit zur Arbeit von zu Hause aus.

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